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Anarchisten unter Beschuss
von Neve Gordon
03.08.2007 - ZNet
Im Laufe der letzten fünf Jahre ist das israelische Friedenslager kleiner
geworden. Letzten Monat jährte sich der 40. Jahrestag der Besetzung, und
nicht mehr als 4.000 Menschen versammelten sich in Tel Aviv, um gegen
Israels lange dauernde Militärherrschaft zu protestieren. Von den
Demonstranten, die erschienen waren, sind nur einige Hundert
leidenschaftliche Aktivisten - Menschen, die ihr Leben dem Kampf um Frieden
und Gerechtigkeit gewidmet haben.
Unter denjenigen, die am meisten engagiert sind, sind Israels Anarchisten.
Dennoch stehen sie die letzten zwei Jahre unter Beschuss und es wird immer
schwieriger für sie ihren Kampf fortzusetzen.
Die Gruppe der Anarchisten, gegründet im Jahr 2003, besteht aus jungen
Israelis, meistens in ihren Zwanzigern, die eng mit den palästinensischen
populären Dorfkomitees zusammenarbeiten, um gegen Israels Besatzung
Widerstand zu leisten. Sie haben keine offizielle Führung, kein Büro, und
keine bezahlten Mitarbeiter, und trotzdem ist es ihnen gelungen, mehr zu
erreichen als viele gut dotierte NGOs und soziale Bewegungen. Wahrscheinlich
sind sie am besten bekannt wegen ihrer Bemühungen im kleinen Dorf von
Bi'lin, wo seit mehr als zwei Jahren wöchentliche Demonstrationen gegen die
Mauer, die Israel auf palästinensischem Land baut, abgehalten werden.
Die Anarchisten sind auch in zahlreichen anderen Dörfern und Städten aktiv.
Tag für Tag fahren sie in kleinen Gruppen durch die West Bank, unterstützen
gewaltfreie Aktionen, die palästinensischen Bauern helfen, Zutritt zu ihren
Feldern und Ernten zu erlangen, während sie sich gegen die Errichtung der
Mauer und gegen die Beschlagnahme besetzten Landes stellen.
Eine der bemerkenswertesten Fähigkeiten dieser jungen Israelis ist der
subversive Gebrauch ihres eigenen Privilegs, das sie nicht zum eigenen
sozialen, ökonomischen oder politischen Nutzen einsetzen - wie dies die
meisten Menschen tun - sondern vielmehr um gegen Gewalt einzutreten. Mit
anderen Worten, die Anarchisten nutzen das Privileg, das mit ihrer jüdischen
Identität einhergeht, und verwenden es als einen strategischen Vorteil gegen
die brutale Politik des jüdischen Staates.
Als jüdische Aktivisten ist ihnen wohl bewusst, dass das israelische Militär
sich ganz anders verhält, wenn israelische Juden bei einem Protest in der
West Bank anwesend sind und dass der Pegel der Gewalt, immer noch hoch, viel
weniger intensiv ist. In der Tat hat das Militär, laut Aussage israelischer
Soldaten, viel striktere Vorschriften betreffend Schießbefehle bei
Demonstrationen, bei denen Nichtpalästinenser teilnehmen. Wenn also ein
Dorfkomitee beschließt, gewaltfreien Widerstand gegen die Besatzungsmacht
durchzuführen, mischen sich die Anarchisten unter die demonstrierende
Dorfbevölkerung und werden so ein menschlicher Schutzschild für alle jene
Palästinenser, die sich entschieden haben, dem Weg Mahatma Gandhis und
Martin Luther Kings zu folgen.
Obwohl die Anarchisten oft geschlagen und verhaftet werden, hören sie nicht
auf. Bis heute sind etwa 10 Palästinenser bei Demonstrationen gegen die
Trennungsmauer getötet und Tausende verwundet worden, eine Zahl, die ohne
Zweifel viel größer gewesen wäre, wäre da nicht der furchtlose Einsatz der
Anarchisten.
Diese anonymen Helden werden zur Zeit in Israel als "Fünfte Kolonne"
angesehen. Und als die israelische Polizei festzustellen begann, dass
Schlagen und Verhaftung ihren unbeugsamen Widerstand nicht aufhalten konnte,
wurde eine andere Strategie eingeschlagen. Eine Masse von gerichtlichen
Klagen wurde vom Staatsanwalt verhängt. Die Anarchisten sahen das als neue
Herausforderung an. Sie haben eine gesetzliche Kampagne eingeleitet, deren
Ziel es ist, das grundlegende Bürgerrecht aller Israelis zu verteidigen,
Widerstand gegen die Politik ihrer Regierung, die das Recht missbraucht, zu
leisten. Diesen Kampf führt Gabi Lasky an, eine energische Rechtsanwältin,
die viele ihrer Wochenenden damit verbringt, die Anarchisten aus dem
Gefängnis freizubekommen, und ihre Werktage damit, sie bei Gericht zu
vertreten.
Im Gegensatz zum Kampf innerhalb der Besetzten Gebiete verlangt der
gesetzliche Kampf für den Schutz der Freiheit der Bürger finanzielle
Ressourcen, die die Anarchisten nicht haben. Der Staat weiß, dass das die
Achillesferse der Anarchisten ist, und hat versucht, die friedensbildenden
Aktivitäten zu unterminieren, indem er sie zu hohen Strafen verurteilt.
Obwohl Lasky für wenig mehr als ein Minimumgehalt arbeitet, kann der Kampf
der Anarchisten nicht ohne Hilfe von besorgten Menschen auf der ganzen Welt
fortgesetzt werden. Klicken Sie hier, um festzustellen, wie sie helfen
können.
AATW home page, www.awalls.org, www.awalls.org/donations
Orginalartikel: Anarchists Under Fire
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=107&ItemID=13438
Übersetzt von: Ellen Kösten
Addenda der Übersetzerin:
SPENDENAUFRUF für "Anarchists against the Wall" >>
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