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Liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Damen und Herren,
die Gesellschaft für bedrohte Völker hat sich über 30 Jahre lang
unentwegt und kontinuierlich für die Menschenrechte der
aramäischsprachigen Christen eingesetzt. Die Aufzählung dieses
Engagements würde viele Bücher füllen. In ungezählten Fällen haben wir
uns auch für Flüchtlinge engagiert, die dann meistens in Deutschland
bleiben durften.
Dabei haben wir mit den assyrischen Organisationen und Institutionen
zusammengearbeitet. Die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit müssen wir
heute kritisch in Frage stellen.
Da ist der scheinbar unüberbrückbare Gegensatz zwischen sogenannten
Assyrern und sogenannten Aramäern. Wir haben uns lange den
"Anweisungen" der assyrischen Fraktionen gefügt.
Heute halten wir es für absurd, dass assyrische Organisationen mit
ihrem Nationalismus einen großen Teil ihres Kampfes dafür einsetzen,
sich mit der "aramäischen" Mehrheit ihres Volkes in Deutschland und
Resteuropa zu streiten und dieser Streit einen sehr großen Teil ihres
Engagements beinhaltet. Wenn eine ethnische Gemeinschaft, wie die
assyrisch-aramäisch-chaldäische existenziell bedroht ist, sei es durch
Assimilierung im Exil, sei es durch die völkermordartigen Verbrechen im
Irak, dann ist dieser Streit völlig absurd. Das muss die Gesellschaft
für bedrohte Völker noch deutlicher als bisher ausdrücken.
Eine zweite, für uns, völlig unverständliche, unentschuldbare und
verantwortungslose Haltung, offensichtlich der Mehrheit der assyrischen
Verbände, betrifft ihre Reaktion zu den Vorgängen im Irak.
Während der furchtbarsten Krise ihrer Existenz, in der alle denkbaren
und undenkbaren Menschenrechtsverletzungen an der assyrisch-chaldäischsyrianischen
Bevölkerung des Irak ausgeübt werden, von arabisch
schiitischen, von arabisch sunnitischen und von Al-Qaida-Fanatikern,
haben diese Verbände in ihrer Mehrheit nichts anderes zu tun, als den
Nordirak/Bundesstaat Kurdistan anzugreifen, obwohl dieser innerhalb des
Irak die einzige Fluchtmöglichkeit darstellt. Mit grotesken
Unwahrheiten werden Pressemitteilungen, politische Erklärungen und
Lobbybriefe an Parlamente und Regierungen bestückt.
Als Menschenrechtsorganisation kann die Gesellschaft für bedrohte
Völker auch diese Haltung weder unterstützen, noch verantworten. Wir
müssen diese unversöhnlichen Angriffe, die auf Unwahrheiten beruhen,
öffentlich widerlegen und attackieren, als Beitrag, der sich nur gegen
die Verfolgten richtet und den Verfolgern die Arbeit erleichtert.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker wird die assyrischen, aramäischen,
chaldäischen Verbände in naher Zukunft nach Göttingen zu einer kleinen
Konferenz einladen und bei dieser Konferenz dafür werben gemeinsame
Anstrengungen für die bedrohte Christen des Irak zu unternehmen.
Mit freundlichen Grüßen,
Tilman Zülch
Generalsekretär
>>>>>>>>>>>>> Für Menschenrechte. Weltweit. <<<<<<<<<<<<<<<
Gesellschaft für bedrohte Völker / Society for Threatened Peoples P.O.
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