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Irakischer Wasserminister dementiert Zustimmung zu Ilisu-Projekt
Irakische Interessen von Bundesregierung fahrlässig ignoriert
Wie heute bekannt wurde, hat die irakische Regierung zu keinem Zeitpunkt
dem Bau des Ilisu-Staudamms in der Türkei zugestimmt. Während die
Bundesregierung behauptet, Konsultationenen hätten „zur Zufriedenheit des
Irak stattgefunden“, erklärt der irakische Wasserminister Latif Rashid,
dass seine Regierung nicht einmal die angeforderten Informationen aus der
Türkei erhalten hatte, als die Bundesregierung die Hermesbürgschaft für
das Projekt bewilligte. Damit verstieß die Türkei noch vor der
Bewilligung gegen die Auflagen, stellt ein Bericht britischer
Nichtregierungsorganisationen fest.
„Irak hat die betroffenen Staaten offiziell durch ihre Botschaften
darüber informiert, dass wir nicht umfassend über Ilisu konsultiert
wurden und dass wir den Betriebsabläufen für den Damm nicht zugestimmt
haben“, so der irakische Wasserminister Rashid im Bericht von The Corner
House und Kurdish Human Rights Project.
Dem Irak droht eine drastische Reduzierung des Tigriswassers. Das
Austrocknen weiter Landstriche und die Verarmung der Bauern wären die
Folge. Selbst das Schwemmland an der Tigrismündung, das nach der
Austrocknung durch Saddam Hussein derzeit renaturiert wird, wäre nach
Expertenmeinung betroffen.
„Der Irak fürchtet, dass ein mit deutschen Steuergeldern verbürgtes
Projekt ihn seiner Lebensader berauben wird und hat dies den zuständigen
Stellen mitgeteilt. Seine Interessen hat die Bundesregierung jedoch
fahrlässig ignoriert“, bewertet Heike Drillisch von der
Entwicklungsorganisation WEED das Vorgehen der Bundesregierung.
Die mangelnde Einbeziehung Syriens und Iraks war lange von
Nichtegierungsorganisationen bemängelt worden und hatte Anfang März dazu
geführt, dass das deutsche Entwicklungsministerium die Bürgschaftsvergabe
blockierte. Am 24. März 2007 bewilligte die Bundesregierung jedoch die
Hermesbürgschaft. Konsultationen hätten zur Zufriedenheit des Irak
stattgefunden, teilte das Wirtschaftsministerium WEED auf Nachfrage mit.
Diese Aussage wird nun vom irakischen Wasserminister widerlegt. Bei einem
Treffen zwischen Türkei, Syrien und Irak am 22. März 2007 sei lediglich
ein Rahmen für zukünftige Konsultationen vereinbart worden. Bisher
verfüge der Irak weder über die Unterlagen über die geplanten
Betriebsabläufe des Ilisu-Dammes noch über die weiteren türkischen Pläne
für den Tigris.
Damit ist offensichtlich, dass der Ilisu-Staudamm das Völkerrecht
bricht. Noch kurz vor der Bürgschaftsentscheidung hatte WEED die
Bundesregierung darauf hingewiesen, dass sie sich nach Meinung
renommierter Völkerrechtler selbst davon überzeugen müsse, dass
Konsultationen stattgefunden haben. „Indem sie vor ihrer
Finanzierungsentscheidung nicht den Ausgang von Konsultationen mit den
Nachbarstaaten abgewartet hat, hat die Bundesregierung einen gefährlichen
Präzedenzfall für die Unterminierung des Völkerrechts geschaffen“,
kommentiert WEED’s Kampagnenleiterin Heike Drillisch.
Die 150 Auflagen, die die Bundesregierung an ihre Bürgschaft geknüpft
hat und die das Projekt mit internationalen Standards in Einklang bringen
sollen, erwähnen das Völkerrecht nicht und schreiben nicht die
Konsultation der Nachbarstaaten vor. Lediglich die Information der
Flussanrainerstaaten ist vorgesehen, doch auch diese ist – wie die
Aussage des irakischen Wasserministers belegt – nicht erfolgt.
Stattdessen führen die Auflagen eher dazu, die Verhandlungsposition
Syriens und Iraks zu schwächen, da sie eine Mindestmenge an Tigriswasser
einseitig festlegen, die aus dem Ilisu-Staudamm abfließen soll.
„Weitergehende Ansprüche durchzusetzen, dürfte dem Irak nach der
Bürgschaftsentscheidung wesentlich schwerer fallen“, so Drillisch.
Weitere Informationen sowie der heute veröffentlichte Bericht (The Corner
House / Kurdish Human Rights Project: Ilisu Dam. Downstream Water Impacts
and Iraq. Report of Fact Finding Mission the Iraq, 29 March 2007) unter
www.weed-online.org/ilisu <http://www.weed-online.org/ilisu>
- Kontakt
- Heike Drillisch
Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung - WEED
Torstr. 154, 10115 Berlin
0177 – 345 26 11
heike.drillisch@weed-online.org
ISKU | Informationsstelle Kurdistan e.V.
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