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http://www.bio100.de/html/body_n_suchanek_15.html#n15-14
Chiquita, BMZ und GTZ: Greenwashing mit Entwicklungshilfegeldern
Die Nachricht ging vergangenen Juni durch die Weltwirtschaftspresse: Das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) startet mit seiner Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und Chiquita Brands International in Costa Rica ein gemeinsames Naturschutz- und Entwicklungshilfeprojekt. Das "Nogal Nature and Community Project" solle, laut GTZ, die Artenvielfalt erhalten, die Sensibilität für Naturschutz in der Bevölkerung fördern und den Menschen neue Einkommensmöglichkeiten verschaffen. Konkret handelt es dabei um den erklärten Schutz eines 100 Hektar großen Restwaldes auf einer Chiquita-Farm im Nordosten Costa Ricas am Ufer des Río Sucio. Dieser soll dann mit Hilfe neu zu pflanzender, so genannter biologischer Korridore mit anderen Restwäldern der Plantagen verbunden werden. Dabei versäumten es die staatlichen Entwicklungshelfer in ihrer Pressemitteilung natürlich auch nicht, den Bananenkonzern als "führenden internationalen Produzenten von Bananen höchster Qualität und anderer frischer Lebensmittel" zu loben.
Kein Wort darüber aber, dass die riesigen Plantagen des Konzerns, der jährlich rund eine Milliarde US-Doller Gewinn eingefahrt, mehrmals im Jahr mit hochgiftigen Pestiziden eingenebelt werden. Kein Wort über die durch den kanzerogenen "Pestizidregen" an Krebs erkrankten Frauen und Männer, und kein Wort über deren Kinder, die missgebildet zur Welt gekommen sind, obwohl erst vergangenen Mai die US-Zeitschrift "In These Times" einen eindringlichen Bericht über diese Kinder mit dem Titel "Chiquita's Children" veröffentlichte.
Sicher ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der von Umweltschützern und Menschenrechtlern seit Jahren in der Kritik stehende Milliardenkonzern Chiquita versucht, sich mit ein paar Hektar geschützten "Urwald" am Rio Sucio ein grünes Mäntelchen zu verschaffen. Diese Firmenpolitik zur Imageaufbügelung, die im internationalen Sprachgebrauch als "greenwashing" bekannt ist, wird inzwischen von vielen Konzernen praktiziert. Bedenklich ist aber, dass diese Verschleierungstaktik der Konzerne offensichtlich auch mit deutschen Steuergeldern aus dem Haushalt der staatlichen Entwicklungshilfe und mit tatkräftiger Hilfe der von Steuern bezahlten GTZ-Angestellten unterstützt wird.
Mit im Boot des Chiquita-Projektes ist, wie kann es anders sein, die sich als Regenwaldschutzorganisation ausgebende, aber in einschlägigen Kreisen längst für "greenwashing" bekannte Rainforest Alliance aus New York. Zu ihren Partnern zählen so namhafte Konzerne wie Procter & Gamble oder die Citigroup, die genauso wie Chiquita vom Multinational Monitor aufgrund gravierendem, ökologischen oder sozialen Missverhaltens auf die jährlich erstellte Liste der 10 schlimmsten Unternehmen gesetzt wurden. Schon das gleichfalls mit der Rainforest Alliance in den 1990ern ausgeheckte Imageprojekt "Better Banana" für angeblich umweltfreundlichere Chiquitas, war kaum mehr als Augenwischerei.
"Die Veränderungen sind mehr ästhetisch, als irgendetwas sonst. Sie gehen nicht die eigentlichen Probleme an", kritisierte damals die in Costa Rica über die Folgen von Pestiziden forschende Wissenschaftlerin Catharina Wesseling vom angesehenen Karolinska Institut für Umweltmedizin in Stockholm.
Wenn jetzt Chiquita wirklich etwas für Mensch und Umwelt tun möchte, warum stellt der Konzern dann nicht einfach seine Tausenden von Hektar Plantagen komplett auf den arbeitsintensiven biologischen Anbau um? Dies würde tatsächlich viele nachhaltige, faire Jobs in Mittelamerika schaffen und gleichzeitig die Umwelt um etliche Tonnen Pestizide jährlich entlasten. Zahlreiche Experten für den biologischen Anbau würden sicher liebend gerne dem Bananenkonzern dabei helfen. Und so mancher kritische Umweltjournalist fände dann auch bestimmt lobende Worte für Chiquita.
Norbert Suchanek
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