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http://www.biopiraterie.de/orgalinks/kaperbrief/kaperbrief_006_web.pdf
Zwielichtiger Naturschutz in Mittelamerika
"Ressourcenschutz" auf Kosten der Armen
Der Schutz von biologischer Vielfalt ist ein wichtiges Ziel. Wo Menschen
direkt von der biologischen Vielfalt leben oder das Land, auf dem sie
wächst, bewohnen oder für die eigene Versorgung bebauen, geht
Naturschutz allerdings nicht selten auf Kosten der lokalen Bevölkerung.
Anschauungsbeispiele liefern verschiedene Projekte, die Teil des
corredor biologico mesoamericano CBM), des mittelamerikanischen
biologischen Korridors, sind.
Beim CBM handelt es sich um eine Kette von Naturschutzreservaten,
die als grüner Korridor von Südmexiko bis Panama reicht. In diesem Gebiet
tummeln sich etwa 17 Prozent aller landlebenden Tier- und Pflanzenarten
- auf nur 0,5 Prozent der Landfläche der Erde. Die Schutzprojekte
werden unter anderem von der Weltbank finanziert. Auch deutsche
Institutionen - die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ)
und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) - finanzieren "Ressourcenschutz"-
Projekte innerhalb des CBM mit Summen in zweistelliger Millionenhöhe.
Als "Herz des Korridors" gilt das Schutzgebiet Bosawas in Nicaragua,
gefördert unter anderem von GTZ und KfW. Doch der Wald in Bosawas
ist gefährdet. Das nicaraguanische Umweltministerium macht vor allem
Migration aus anderen Teilen des Landes, nicht angepasste Methoden
der Landwirtschaft und illegalen Holzeinschlag dafür verantwortlich.
Kein Wunder, dass die Mittel der KfW laut Projektbeschreibung zur
Hälfte für "intensive Schutzmaßnahmen (Demarkierungen, Bau und Ausrüstung
von Kontrollpunkten, Beschaffung von Fahrzeugen, Booten,
Kommunikationsmitteln etc.)" bestimmt sind. Die Nichtregierungsorganisation
WEED schreibt in einem Artikel über Bosawas: "Verstöße
gegen das Verbot der Bewirtschaftung traditionell genutzter Agrarflächen
werden vom Staat mit Härte verfolgt, illegaler Einschlag großer
Holzfirmen dagegen selten." Eine weitere Art der nicaraguanischen Regierung,
das Problem zu "lösen": Im Jahr 2003 wurde mit der Vertreibung
von ungefähr 600 Familien aus dem Schutzgebiet begonnen. Zum größten
Teil dürfte es sich dabei um Kleinbauern handeln, die auf der
Suche nach Land und Verdienstmöglichkeiten aus anderen Landesteilen
umgesiedelt waren.
Wessen Interesse der Schutz der Wälder als Quelle biologischer Vielfalt
dient, macht das nicaraguanische Ministerium - wohl unfreiwillig -
deutlich. Die biologische Vielfalt habe "das Interesse von wichtigen
wissenschaftlichen Einrichtungen der Welt geweckt." Noch deutlicher
werden die Interessen, die sich hinter der Ausweisung von Schutzgebieten
auch verbergen, am Beispiel Mexiko. Einige Naturschutzgebiete
in Südmexiko gehören ebenfalls zum Korridor. Letztes Jahr wurde in Mexiko
ein Gesetz über "Umweltdienstleistungen" verabschiedet. Ana Valadez
von COMPITCH, der Dachorganisation indigener HeilerInnen und
Hebammen in Chiapas, dazu: "Das Gesetz verpflichtet die Bauern, der
Forschung zu biotechnologischen Zwecken Zugang zu gewähren. Die
Bauern sind gesetzlich verpflichtet, die Wälder zu erhalten. Sie bekommmen
ein kleines Entgelt dafür, dass sie den Wald nicht berühren." Und
die Folgen für die Bauern, die schon immer im und vom Wald leben?
"Das Gesetz hat den Verlust der Selbstversorgung, der Lebensmittelsouveränität
zur Folge. Auch die Möglichkeit, Pflanzen für medizinische
Zwecke zu nutzen, verschwindet, wenn nichts berührt werden
darf." Naturschutzpolitik gegen die lokale Bevölkerung - im Interesse
von Biopiraten?
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