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amnesty international Deutschland
PRESSEMITTEILUNGEN
ROMERO-GEDENKTAG 2005
Regierung von El Salvador muss Amnestiegesetz aufheben!
Gemeinsame Presseerklärung von Organisationen, Solidaritätsgruppen
und Personen
25 Jahre nach der Ermordung von Erzbischof Romero machen
Todesschwadronen erneut von sich reden / Straflosigkeit für
politische und soziale Morde begünstigen ein Klima der Angst und
weitere Einschüchterungen / Menschenrechtsverletzungen müssen
rückhaltlos aufgeklärt werden
Berlin, 17. März 2005 - Auch 25 Jahre nach seiner Ermordung am
24.3.1980 ruft uns Erzbischof Romero zum Kampf für Gerechtigkeit und
Wahrheit auf. Er ist zum Symbol geworden für die unzähligen
SalvadorianerInnen, die in diesem Kampf von regierungseigenen Kräften
ermordet wurden. Er steht für alle, die eine bessere Welt wollen, und
ruft uns, über jegliche Landesgrenze hinaus, die Pflicht zum
Widerstand gegen Ungerechtigkeit in Erinnerung. Wir nehmen den
Jahrestag seiner Ermordung zum Anlass, unsere Besorgnis über die
aktuellen Entwicklungen in El Salvador zum Ausdruck zu bringen.
Mitte Februar 2005 feierte der neue Präsident der Republik von El
Salvador die Erinnerung an den Gründer der Regierungspartei, den von
der Wahrheitskommission als Auftraggeber des Mordes an Erzbischof
Romero ermittelten Mayor Roberto D?Aubuisson. Dies, obwohl die
Interamerikanische Menschenrechtskommission der OAS (CIDH) in ihrem
Informe N° 37/00 die salvadorianischen Behörden zur Ahndung dieses
Mordes aufgefordert hatte. Die Weigerung der Regierungen Flores und
Saca, den verbindlichen Empfehlungen nachzukommen, verdeutlicht die
dramatische Situation der Menschenrechte.
Mit den Programmen "Mano Dura" und "Súper Mano Dura" im Rahmen des so
genannten Kriegs gegen die Jugendbanden seit Juni 2003 manipulierte
die Regierung das berechtigte Bedürfnis der Bevölkerung nach
Sicherheit. Das Resultat des "Kriegs gegen die Banden" ist eine
eskalierende Mordrate. Tatsächlich sprechen viele Anzeichen dafür,
dass angebliche oder reale Bandenmitglieder von Todesschwadronen
exekutiert worden sind. In seiner Sonntagspredigt vom 23. Januar 2005
berichtete Weihbischof Rosa Chávez, dass u. a. der kirchlichen
Menschenrechtsorganisation Tutela Legal entsprechende, überprüfte
Informationen vorliegen.
Aktuelle Ereignisse bekräftigen die Befürchtung, dass unter dem
Vorwand der Operationen gegen die Jugendbanden nicht nur die
Menschenrechte der direkt betroffenen Jugendlichen außer Kraft
gesetzt werden, sondern der Boden für repressive Maßnahmen gegen
Oppositionelle vorbereitet wird.
Im November letzten Jahres wurde der US-salvadorianische
Gewerkschafter José Gilberto Soto bei einem Heimaturlaub von
Unbekannten ermordet. Dem Verdacht, der Mord könne im Zusammenhang
mit Sotos gewerkschaftlicher Arbeit gegen den dänischen
Transportmulti Maersk stehen, gingen die Untersuchungsbehörden nie
nach. Dafür präsentierten sie seine Schwiegermutter als
intellektuelle Autorin und einige angebliche Bandenmitglieder als
Ausführende des Mordes. Die Menschenrechtsombudsstelle (PDDH)
dokumentierte daraufhin u. a. gerichtsmedizinisch nachgewiesene
mutmaßliche "physische und psychologische Folter? durch die
Ermittlungsorgane an mehreren der Angeschuldigten (PDDH, 20.12.2004),
was Polizeichef Menesses vehement bestreitet. Er warf der PDDH
Manipulation vor, und der Generalstaatsanwalt leitete ein Verfahren
gegen die PDDH ein. Gegen PDDH-Leiterin Frau de Carrillo und einige
ihrer MitarbeiterInnen haben sich seither anonyme Morddrohungen
intensiviert.
Immer wieder stellen Mitglieder der Regierung Kritiker ihrer Politik
an den Pranger, indem sie sie mit der immens gestiegenen und die
allgemeine Sicherheit bedrohenden Kriminalität in direkte Verbindung
bringen; betroffen waren im vergangenen Jahr vor allem Richter, die
Menschenrechtsbeauftragte, soziale Organisationen und die FMLN.
Jüngst stellte Innenminister René Figueroa einen Zusammenhang
zwischen der seit der Operation Mano Dura rasant angestiegenen
Mordrate im Land und Diskussionen im FMLN her.
Ende Januar wurde Manuel de Jesús Martínez, ein Wachmann der
Salvadorianischen Lutherischen Universität (ULS), auf dem Gelände der
ULS brutal ermordet. Mitglieder der progressiven Universität
erhielten in der Folge anonyme Drohtelefonate; dabei wurden auch
abgehörte Telefongespräche der Universitätsleitung abgespielt. Doch
für Polizeichef Menesses stand auch ohne Aufklärung der Tat schnell
fest, dass es sich entgegen vieler Hinweise nicht um einen politisch
motivierten Mord handle. Aus einem Offenen Brief der ULS an den
Generalstaatsanwalt: "Kühl betrachtet, entdecken wir in den Tatsachen
den Zweck, Terror zu säen, und diese Absicht drückt eine politische
Anstrengung aus, zu lähmen, zum Schweigen zu bringen, zu bedrohen und
zu zerstören. Genau das charakterisierte das Vorgehen der
Todesschwadrone in den 70er Jahren."
Weitere Morde wie jene am Vizedirektor der Gemeindepolizei von
Soyapango, Adalberto Mercado Aguilar, vom 14. Februar 2004 und an
Mauricio Portillo von der Gewerkschaft STISSS vom 18. Februar 2004
bedürfen zur Abklärung möglicher politischer Komponenten einer
glaubwürdigen Untersuchung. Wir erinnern an die Erkenntnisse des nach
den Friedensabkommen von 1992 eingesetzten "Grupo Conjunto para la
Investigación de Grupos Armados Ilegales con Motivación Política en
El Salvador?, wonach todesschwadronähnliche Strukturen aus den
Sicherheitsapparaten ihre Politverbrechen als soziale Kriminalität
verschleiern. Die Resultate des Grupo Conjunto und der
Wahrheitskommission wurden von allen Nachkriegsregierungen
systematisch missachtet.
Um der damit begünstigten unheilvollen Dynamik zu begegnen, fordern
wir, die unterzeichnenden Personen und Organisationen die
salvadorianischen Behörden dazu auf:
den verbindlichen Resolutionen der CIDH nachzukommen und endlich eine
seriöse Untersuchung der Morde an Erzbischof Romero, der
Jesuitenpriester und anderen nachzukommen,
die Arbeit der Menschenrechtsbeauftragten vorbehaltlos zu
unterstützen und Drohungen gegen sie und ihre Mitarbeiter zu
unterbinden und
das menschen- und verfassungswidrige Amnestiegesetz von 1993
aufzuheben.
Wir solidarisieren uns mit dem Kampf vieler Personen und
Organisationen in El Salvador gegen die andauernde Straflosigkeit in
El Salvador.
Dieser Aufruf wurde initiiert von amnesty international, Ökumenisches
Büro für Frieden und Gerechtigkeit und Zentralamerika-Sekretariat
Zürich und von 32 weiteren Organisationen und Solidaritätsgruppen
sowie Einzelpersonen unterzeichnet.
Alle Organisationen unterstützen diesen Aufruf im Rahmen ihres
jeweiligen Mandates.
Weitere Informationen ai-JOURNAL März 2005:
http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/windexde/JL2005020
Für Nachfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an die
ai-Pressestelle, Meike Zoega oder Dawid D. Bartelt, Tel. 030 -
420248-306, mail: presse@amnesty.de.
http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/AlleDok/09492B877B393F41C1256FC8004F229D?Open
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