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----- Original Message -----
Datum: Sat, 11 Dec 2004 21:11:41 +0100 (MET)
Von: gruppebasta@gmx.de
Betreff: Diskurs der Doppelmoral seitens der Zentralregierung bzgl. der Montes Azules
- Keine Gemeinde hat den Urwald so sehr beschädigt, wie die
militärische und touristische Expansion
Diskurs der Doppelmoral seitens der Zentralregierung bzgl. der Montes
Azules wird bekanntgegeben
- Arbeiten in der Zone beschädigen die Umgebung, sagen Menschenrechtsund
Umweltgruppen
Hermann Bellinghausen, La Jornada, 6.Dezember 2004
In Bezug auf Montes Azules haben in letzter Zeit unabhängige
Beobachter und einige Organisationen der Zivilgesellschaft die
Verlautbarungen der Bundesregierung als "doppelten Diskurs"
bezeichnet. Einerseits werden die (größtenteils noch ausstehenden)
Errungenschaften im Agrar- und Umweltbereich veröffentlicht, welche
durch die Umsiedlung "irregulärer Ansiedlung" in den geschützten
Gebieten erzielt wurden, andererseits werden Projekte mit Mitteln der
öffentlichen Hand durchgeführt, welche die Risiken für das
Biosphärenreservat erhöhen. Was die Regierung mit der einen Hand
schreibt, radiert sie mit der anderen direkt wieder aus. Die Brücken,
die zur Zeit in Amatitlan und Nuevo Sabanilla gebaut werden, ebenso
wie die von der bundesstaatlichen und von der nationalen
Wasserkommission im ejido Cintalapa gebaute Dränage, die den Rio
Lacanja ernsthaft verschmutzt, illustrieren unheilverkündend die
andere Seite des Regierungsdiskurses.
Diese Orte gehören zu den Mikroregionen, in denen die EU Projekte
finanziert. Es ist angebracht zu fragen, ob sich die europäische
Union mit diesen Hilfen an den plünderischen Bauarbeiten beteiligt,
welche die mexikanische Regierung ausführt. Diese Fälle "belegen
beispielhaft das tatsächliche Vorgehen, das in der Selva Lacandona
stattfindet, zumal es 22 Jahre dauerte, bis für das ausgewiesene
Naturschutzgebiet ein Handlungsplan entworfen wurde " merkt
Miguel Garcia, Koordinator der Umweltschutzorganisation "Hölzer des
Volkes des Südostens", an. Das geschützte Gebiet "wird 1978 [als
solches] ausgewiesen und zu demagogischen Zwecken benutzt. Gleichwohl
existierte es 20 Jahren nur auf dem Papier, während weiterhin die
Verteilung von Agrarland und die Finanzierung extensiver Rinderzucht
betrieben wurde."
Diese Organisation hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die
Ansiedlungen in Montes Azules nicht die Ursache großer Umweltschäden sind,
sondern dass "der große Plünderer von Montes Azules die Regierung ist".
Die Regionen mit größten Schäden im Reservat "finden sich in Nueva
Palestina und der Region von Miramar".
Wenn man Satellitenbilder analysiert, lässt sich mit Blick auf
Miramar und die Militärbasis von San Quintin zusammenfassend sagen,
dass die Entwaldung seit 1995 "quasi vollständig" ist. Keine
Bauerngemeinde hat den geschützten Wald so geschädigt, wie
militärische und touristische Aktivitäten. Diese Zone wurde durch die
Waldbrände von 1998 niedergebrannt "und hier befand sich die größte
Kaserne der Selva Lacandona, nicht die Ansiedlungen, die man zu
vertreiben beabsichtigt", führt die Umweltschutzorganisation aus.
In Nueva Palestina, im nicht-lacandonischen Teil der Gemeinde,
"förderte die Regierung über Jahre hinweg die intensive Rinderzucht
mit öffentlichen Mitteln, Krediten der Weltbank, technischen Hilfen,
Verteilung von Saatgut und Samen für Weideflächen".
Andererseits stellt diese Organisation in einem am 13. Oktober
veröffentlichten Brief an die zapatistischen Autoritäten fest, dass
Montes Azules "ein ökologisches Reservat ist , das der Staat auf
Territorien auswies, die vor 30 Jahren in betrügerischer Absicht an
die maya-karibischen Brüder übergeben wurde, damit Präsident
Echeverria dann wertvolles Holz ausbeuten konnte". Die
Umweltschutzorganisation merkte hier weiter an, dass "große
multinationale Unternehmen, zur Zeit als Umweltschützer verkleidet,
die Kontrolle über das ganze Gebiet an sich bringen wollen. Sie
benutzen die maya-karibischen Brüder, die sie mit Brotkrumen
abspeisen und zählen dabei auf die Komplizenschaft der Regierung.
Inzwischen ist es nicht mehr das wertvolle Holz, das die großen
Unternehmen ausbeuten wollen; genauso wenig suchen sie die Berge zu
roden und abzubrennen, um Rinderzucht-Farmen zu errichten. Die Dinge
liegen etwas heikler".
Multinationale Unternehmen wie Coca-Cola, Ford Motors Company, Savia
Seminis, Monsanto und die Pharmakonzerne Bayer, Zeneca und Novartis
"drängen darauf, die Berge zu erhalten, aber ohne Bevölkerung, schon
gar nicht mit rebellischer. Sie wollen sich der Bäume, der Tiere und
des Wassers bemächtigen, um mit ihren Untersuchungen und
Gerätschaften patentierte Medikamente, transgenes Saatgut und
chemische Produkte herzustellen. Ebenso um Wasser abzufüllen und zu
stauen". Um so "an das mexikanische Volk und die Völker der Welt das
Essen, die Medikamente, das Wasser und letztendlich das Leben selbst
sehr teuer zu verkaufen".
In dem Schreiben wurde hinzugefügt, dass es das Interesse der
"Investoren" ist, das hinter der Vertreibung der Indigenen steht,
"die in Montes Azules aus Überlebensnotwendigkeit siedeln. Sie wollen
sich die Beute rauben, ohne von den Indios gehindert zu werden".
Verschmutzung in Lacanja
Eben jene Lakandonen von Lacanja Chansayab, die für gewöhnlich
Verbündete der Regierung sind, haben sich gegen die Schäden, welche
die staatlichen Bauprojekte in Montes Azules verursachen,
ausgesprochen. Ihre Autoritäten schickten gemeinsam mit denen der
Siedlung Lacanja Tzeltal (diese liegt außerhalb des
Naturschutzgebietes und hat dort keinerlei Rechtsansprüche) am
29 Okt. einen Brief mit deutlichem Inhalt an die Bundes- und die
Landesregierung. Darin fordern sie "die Streichung und die völlige
und sofortige Sperrung des Dränage-Projektes in der Nachbargemeinde
Cintalapa". Das Dränage-Projekt, so argumentieren sie, ist nahe der
Quelle des Rio Lacanja erbaut, 6 km oberhalb von Lacanja Tzeltal und
20 km von Lacanja Chansayab entfernt. Es steht zu befürchten dass
sich "verschmutztes Wasser in diesen wichtigen Fluss ergießt", der
die nordöstliche Grenze des Naturschutzgebietes darstellt. "Somit
verletzt dieser Bau Artikel 49 des Gesetzes zum ökologischen
Gleichgewicht".
Als indigene Völker, sagen sie "verstehen wir nicht, wie die
staatlichen und bundesstaatlichen Autoritäten über Radio und
Fernsehen verbreiten können, dass sie sehr besorgt um Montes Azules
seien, während die gleichzeitig ein Projekt bauen und unterstützen,
das die dortige Flora und Fauna schwer beschädigt." Sie klagen an,
dass die Regierung damit "ihre Rechte als indigenen Völker, wie sie
in dem Convenio 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und
im "Protokoll von San Salvador", hervorgegangen aus dem Abkommen über
ökonomisch, soziale und kulturelle Rechte der UN, definiert sind,
grundlegend verletzt."
Die Nachbarn aus dem Ejido am Rio Lacanjá fügen dem hinzu: " diese
absurde Maßnahme der Regierung führt dazu, dass es bald schwere
Auseinandersetzungen zwischen uns und den Brüdern aus dem Ejido
Cintalapa geben wird. Und zwar deshalb, weil bereits am 24. Mai diesen
Jahres (2004) eine Kommission aus Tzeltales aus Lacanjá, die friedlich die
Übereinkünfte umsetzte, von Leuten des Ejido Cintalapa mit Macheten
abgegriffen wurde. (Cintalapa ist das Dorf, in dem sich jene
militärische Basis befindet, die den nordöstlichen Zugang zu
Montes Azules kontrolliert.)
Die beiden Gesichter des "Naturschutzes" (conservación) legen nahe,
dass die Regierung die Absicht hat, genau das Gegenteil dessen zu
tun, was sie verspricht. Sie verfolgt jenen "doppelten Diskurs", wie
ihn Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen anklagen.
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