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Fw: [FR] Öko, fair und solidarisch: Hamburger Kollektiv vertreibt Chiapas-Kaffee

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Rebellische Bohnen aus dem Vakuumpack

Café Libertad ist nicht nur öko, sondern auch fair und solidarisch / Hamburger Kollektiv vertreibt Chiapas-Kaffee

VON KNUT HENKEL (HAMBURG)

"Jeden Tag kommen neue Kunden", sagt Folkert Mohrhof, Geschäftsführer des sieben Mitglieder zählenden Kollektivs Café Libertad, das seit 1999 Kaffeebohnen aus Chiapas importiert. "Rebel Día" (Rebellischer Tag), oder "Libertad" (Freiheit) heißen die Marken aus der Fabrikhalle in Hamburg-Altona. In der Hansestadt kommt der Rohkaffee an, in Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) wird er geröstet und verpackt, bevor die Etiketten von Hand aufgeklebt werden.

Politische Initiativen, Weltläden und einige Bioläden sind neben den zahlreichen privaten Kunden die größten Abnehmer. "Über Mund zu Mundpropaganda hat sich unser Absatz stetig erhöht. Mit acht Sack haben wir 1999 angefangen", erzählt Mohrhof. Zwischen 500 und 750 Sack werden es in diesem Jahr sein. "Fliegendreck im Vergleich mit den Großen", gibt Mohrhof zu. Aber die Partner in Chiapas, die Kooperative "Mut Vitz", wissen es zu schätzen.

Langsam wachsen lautet die Maxime - statt in die Supermärkte zu drängen und schnell wieder aus dem Programm zu fliegen, wenn der Absatz nicht wie gewünscht läuft. Rund 2,85 Dollar zahlt das Hamburger Kollektiv den Bauern im Süden Mexikos pro Kilo Kaffee. Wesentlich mehr als der derzeitige Weltmarktpreis von etwa 1,20 Dollar oder gar der Preis der Zwischenhändler in Chiapas. Die bieten nur fünf Peso, rund 38 Cent, für den Rohkaffee. Einen Zuschlag für Bio-Kaffee kennen die nicht, obwohl die Nachfrage auf dem Weltmarkt stetig steigt. Während bei herkömmlichen Sorten die jährlichen Zuwächse zwischen ein und zwei Prozent liegen, sind es bei Biokaffee zwischen zehn und zwanzig Prozent, ermittelte eine Studie der Weltbank.

Zwischen 700 000 und eine Million Familien leben derzeit weltweit vom biologischen Kaffeeanbau - Tendenz steigend. Glänzende Aussichten auch für kleine Anbieter wie Café Libertad. In Chiapas entstehen laut Mohrhof weitere Kaffeekooperativen. Der Nachschub ist also kein Problem. Auch die Frankfurter Rösterei Wacker's kooperiert mit einer der Kooperativen. Eine andere, die gerade auf Bioanbau umstellt, mit Café Libertad.

Einen Solikaffee, den "Störtebeker", bietet das Kollektiv an, um die rund dreijährige Umstellungsphase zu erleichtern. Die endet mit der Zertifizierung durch eine Schweizer Gesellschaft. Mit dem Zertifikat haben die Kooperativen aus dem Hochland in Süd-Mexiko wesentlich größere Chancen, ihr Produkt auf den internationalen Markt zu bringen. Und das mit einem anständigen Preisaufschlag. Nach Kanada und in die USA wird bereits geliefert. Auch in Deutschland, dem größten Markt für Öko-Kaffee in Europa, erfreut sich die geröstete Biobohne steigender Beliebtheit. Der Unterschied zu normalem Kaffee: Sortenrein und länger geröstet weist jeder Kaffeejahrgang eigene Geschmacksnuancen auf.

40 Prozent Umsatzzuwachs registriert Café Libertad, obwohl das Kleinunternehmen mit dem Großhandel bisher kaum etwas zu tun hat. Den Preiskampf, um in diesen Markt zu kommen, will Café Libertad erst gar nicht führen. 11,80 Euro kostet das Kilo "Libertad" für die Kaffeemaschine derzeit, "Rebel Día" in der 250 Gramm Packung für die Espressokanne drei Euro.

In den Preisen ist zudem ein Solizuschlag von 40 Cent pro Kilo für soziale Projekte in Chiapas enthalten. In diesem Jahr soll der Aufbau einer Zahnklinik mitfinanziert werden. Bei den Margen im Großhandel wäre ein derartiges Engagement kaum drin und deshalb setzt Café Libertad auf den Nischenmarkt. Der wächst stetig und bietet den Bauern vor Ort einen sicheren Absatz.

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22.12.04    DNR Matthias Bauer <matthias.bauer@dnr.de>
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