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Markus Mauthe / Wildview: Patagonien Teil 2 ''Ein langer

Wildview

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Patagonien Teil 2 "Ein langer Tag" 26.01.13

Posted: 02 Mar 2013 07:32 AM PST

Die Sonne versteckt sich noch hinter den uns umgebenden Gipfeln, als wir die Bergstiefel ausziehen und uns an die Durchquerung des Flusses machen. Das Wasser ist bitterkalt, was kein Wunder ist, entspringt es doch einem Gletscher der nur wenige hundert Meter |+ber uns sein kostbares Nass entl|ñdt. Wir kommen alle ohne Probleme auf die andere Seite und setzen unseren Marsch fort. Die letzten B|ñume liegen inzwischen weit hinter uns. Wir laufen durch eine Mor|ñnenlandschaft aus Ger|Âll und von fr|+herem Eis geschliffenem Gestein. Als die Sonne schon hoch am fast wolkenlosen Himmel steht erreichen wir einen See. Dieser ist dem Gletscher |+ber den wir auf das Eisfeld hinaufsteigen wollen vorgelagert. Wir sehen in etwa 800m Entfernung die Gletscherzunge. Von unserem Guide erfahren wir, das noch im Jahr 2000 unser momentaner Standpunkt die Stelle war, an die das Eis gereicht hat.

Eine schockierende Nachricht. Nat|+rlich kenne ich viele der Fakten und Abl|ñufe |+ber unsere sich schnell |ñndernde Welt in Zeiten des wandelnden Klimas. Doch anhand solcher sichtbarer Beispiele das ganze Ausma|f des Dramas zu sehen, ist nochmals eine andere Sache. F|+r einige Zeit f|ñllt es mir schwer, die mich umgebene Natur genie|fen zu k|Ânnen. Ich muss immer wieder dar|+ber nachdenken was wohl mit all den Millionen Menschen |+berall auf der Welt geschieht, wenn alle Gletscher abgeschmolzen sind, auf deren Existenz ihr |£berleben aufbaut. Der Schwund ist dramatisch und Besserung ist nicht in Sicht im Gegenteil.

Als wir uns durch das Ger|Âll und |+ber die Schuttablagerungen bis zur Gletscherkante vorgearbeitet haben, wird es Zeit die Steigeisen |+berzuziehen. Wir gew|Âhnen uns sehr schnell an die ungelenk wirkenden Schuherg|ñnzungen. Zusammen mit jeweils zwei St|Âcken geben sie uns beim Aufstieg |+ber das Eis Halt und sicheres Auftreten. Die Oberfl|ñche des Gletschers ist durchzogen von unz|ñhligen Spalten und Gletscherm|+hlen, in denen das Schmelzwasser im Untergrund verschwindet.

Wir sind fasziniert von der uns umgebenden Landschaft. Gro|fe, kleine und kleinste Ger|Âllbrocken werden mit der Bewegung des Eises langsam in Richtung Tal transportiert. Nach einigen Stunden des stetigen aber moderaten Anstieges kommen wir an eine steil aufsteigende Felswand |+ber die sich mehrere Wasserfont|ñnen st|+rzen. In fr|+heren Zeiten war auch hier das Gestein von einer massiven Eiswand |+berzogen. Doch in den immer w|ñrmeren Sommern hat das Eis an dieser Stelle keine Chance mehr gegen die Kraft der Sonne.

Unsere F|+hrer holen lange Seile aus dem Rucksack. F|+r uns beginnt ein spannender Aufstieg |+ber glatten und steilen Untergrund. -áDa jeder von uns einen Klettergurt um den Unterleib gebunden hat, k|Ânnen wir uns ins Seil einhaken und auch dieses Hindernis ohne Zwischenf|ñlle |+berwinden. Oben angekommen befinden wir uns am Rande des patagonischen Eisfeldes. Hier oben ist das Eis trotz Sommerw|ñrme nach wie vor mit Schnee bedeckt. Eine riesige wei|fe Fl|ñche liegt vor uns, die nach wie vor stetig ansteigt. Alle Unebenheiten im Eis sind von der Schneefl|ñche bedeckt. Wir ziehen uns Schneeschuhe |+ber um auf der sich gegen Nachmittag aufw|ñrmenden Schneemasse nicht allzu weit einzusinken. Als zwei Dreiergruppen sind wir nun mit je einem Seil miteinander verbunden. Ungef|ñhr zehn Meter Abstand liegen zwischen uns. Sollte jemand in eine vom Schnee verborgene Gletscherspalte fallen haben die anderen beiden so die Chance ein weiteres Abrutschen zu verhindern und ihn oder sie wieder raufzuziehen. Der weitere Weg ist eigentlich einfach zu bew|ñltigen, doch wir alle merken inzwischen, dass die Kr|ñfte schwinden. Es ist inzwischen sp|ñter Nachmittag. Wir sind schon elf Stunden in Bewegung. Unser Ziel f|+r die erste Nacht ist eine kleine Schutzh|+tte die sich auf der Landesfl|ñche von Chile befindet. F|+r kurze Zeit verlassen wir also Argentinien und marschieren in ein anderes Land. Ich muss wohl nicht erw|ñhnen wie d|ñmlich ich es fand, das wir um diesen Schlenker ins Nirgendwo fern jeglicher Zivilisation machen zu d|+rfen, vor der Wanderung extra bei der Polizei in El Chaiten einen Ausreisestempel abholen mussten. -áDie H|+tte liegt etwas erh|Âht auf einem Ger|Âllfeld und ist schon aus weiter Ferne sichtbar. Es ist erstaunlich wie lange ÔÇ×sichtbarÔÇ£ sein kann, wenn jeder Schritt M|+he kostet und das Gewicht des Rucksacks unbarmherzig auf die Schultern dr|+ckt. Die Tasse voller Spagetti, die wir am Abend im Schutze der Blechw|ñnde zu uns nehmen k|Ânnte wohl k|Âstlicher nicht schmecken. Ich bin seid f|+nfzehn Stunden auf den Beinen und mein K|Ârper schreit eigentlich nach Ruhe und Schlaf. Doch gerade jetzt ist das nicht m|Âglich. Ich kam zum fotografieren hier raus und jetzt beginnt nun mal die Zeit mit dem interessanten Licht. Mein Freund Luis war schon zu Beginn des Tages k|Ârperlich etwas angeschlagen. Tapfer hat er sich bis hier aufs Eisfeld geschleppt. F|+r ihn ist der Tag nun zu Ende. Fast wie in Trance f|ñllt er aufs Bett und ist sofort eingeschlafen. Das beste Mittel um wieder zu Kr|ñften zu kommen. Gl|+ck f|+r mich, denn so kann ich mir sein Stativ ausleihen und in Ruhe arbeiten. Wer den ersten Teil dieses Berichtes gelesen hat wei|f, dass ich meines erst Morgen erwarte. Wenn es dann hoffentlich durch einen topfitten Kurierservice gebracht wird.

Ich schleppe meine m|+den Glieder zur h|Âchsten Stelle in dieser Umgebung. Der Ausblick ist wunderbar. L|ñsst man den Blick unseren auf dem Schnee gut sichtbaren Spuren folgen, blickt man direkt auf den ÔÇ×Fitz RoyÔÇ£ und die ihn umgebenden Berge. Links von mir habe ich freie Sicht auf das Eisfeld -áan dessen Horizont wiederum vereinzelte Gipfel von Gletschereis und Schnee |+berzogen sind. Hinter mir ist gerade in einem violett eingef|ñrbten Himmel der fast volle Mond aufgegangen. Als die Sonne im Westen hinter dem Horizont verschwindet f|ñrben sich die Wolken |+ber der Kulisse des ÔÇ×Fitz RoyÔÇ£ ein. Es erstrahlt ein intensives Pink und bildet f|+r wenige Minuten meinen emotionalen H|Âhepunkt an diesem wunderbaren Tag.

Alle anderen befinden sich schon in tiefen, erholsamen Schlaf, als ich nach Mitternacht zur|+ck in die Schutzh|+tte komme. Obwohl ich komplett ausgelaugt bin schlafe ich nicht sofort ein. Zu wunderbar sind die Eindr|+cke die in meinem Kopf herumschwirren. Ich bin an einer der sch|Ânsten Stellen unseres Planeten und wir scheinen auch f|+r die kommenden Tage Gl|+ck mit dem Wetter zu haben. Ein Lebenstraum wird gerade wahr.

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