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Mexiko: Menschen in der Provinz Oaxaca wehren sich gegen Korruption und Repression

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http://www.woz.ch/inhalt/2007/nr24.html

Die Wochenzeitung WOZ - 14.06.2007

Mexiko

Seit über einem Jahr wehren sich die Menschen im südlichen Bundesstaat Oaxaca gegen Korruption und Repression. Auch im aktuellen Wahlkampf.

Die Angst ist weg

Von Sonja Wenger

Es soll eine "Megamarcha" werden, ein Riesenmarsch unter dem Motto "Die Rebellion geht weiter". Diesen Donnerstag jährt sich die Gründung der Protestbewegung Asamblea Popular de los Pueblos de Oaxaca (Appo) im südlichen Bundesstaat Oaxaca (siehe WOZ 39/06)[1]. Sie entstand als Reaktion auf das Vorgehen der Regierung von Gouverneur Ulises Ruiz Ortiz, dessen Polizei im Mai letzten Jahres mit Gewalt gegen einen Streik der LehrerInnengewerkschaft vorgegangen war.

Hunderttausende werden diese Woche zur Demonstration erwartet, um einmal mehr den Forderungen der Appo Nachdruck zu verleihen. Seit Monaten verlangen deren AnhängerInnen den Rücktritt des Gouverneurs von der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) und ein Ende der Repressionen gegen die sozialen Bewegungen. Und seit Monaten reagiert die Regierung von Ruiz wie auch die von Staatspräsident Felipe Calderón vor allem mit Einschüchterung, systematischer Verfolgung und Verhaftungen bis hin zu Folter und Mord.

Tagelang ohne Wasser

Sara Méndez Morales vom Menschenrechtszentrum RODH in Oaxaca und Alejandro Cruz López von der indigenen Menschenrechtsorganisation OIDHO haben die Repression am eigenen Leib erlebt. Anlässlich einer Tagung in der Schweiz berichteten sie von der Gewalt gegen die sozialen Bewegungen. "Die Repression ist sehr selektiv und richtet sich vor allem gegen die Köpfe der Bewegungen", sagte Méndez der WOZ. Cruz wurde wegen seiner politischen Aktivitäten seit 1988 bereits dreimal verhaftet und im Gefängnis misshandelt, unter anderem, indem man ihm tagelang Wasser verweigerte. "Das Schlimmste aber ist, wenn man hört, wie andere gefoltert werden", sagt Cruz. "Der einzige Moment der Erleichterung ist, wenn man endlich vor einen Richter kommt."

Die Gründe, die für die Verhaftungen angegeben werden, seien immer dieselben, sagt Méndez. "Stets werden den Aktivisten entweder allgemeine Delikte vorgeworfen wie Brandstiftung und sogenannte Aktionen gegen den Staat oder schwere Verbrechen wie Entführung, Raub und Mord." Vor Gericht würden dann viele Verfahren aus Mangel an Beweisen wieder eingestellt. Die Anschuldigungen dienten nur der Einschüchterung und dem Ziel, die Bewegungen zu spalten. Dennoch sind die Menschen aktiver und politischer als zuvor. "Sie haben die Angst überwunden, gehen wieder mehr auf die Strasse und fordern ihre Rechte ein", sagt Méndez.

Geld nur für PRI-FreundInnen

Dass die Bevölkerung in Oaxaca in den letzten Monaten zu einem neuen Selbstbewusstsein gefunden hat, ist auch der Eindruck von Rafa*, der in der Nähe von Oaxaca-Stadt lebt. Seit den Einsätzen der
Bundespolizei PFP vergangenen Herbst seien die Menschen zwar "vorsichtiger geworden, aber es herrscht eine andere Stimmung als vorher". Täglich gäbe es kleine Demonstrationen von allen möglichen Gruppen wie zum Beispiel den TaxifahrerInnen.

Dennoch werden vor allem in den Städten die Probleme der Versorgung immer grösser, besonders im Bereich der Müllabfuhr und
Wasserleitungen. "Nur alle zwei Wochen kann man während weniger Stunden die Wassertanks gratis füllen, den Rest muss man kaufen", sagt Rafa. Besonders in jenen Stadtvierteln, die offen die Appo unterstützen, gebe es kein Geld für öffentliche Einrichtungen. Es sei schon auffällig, dass der Gouverneur im aktuellen Kampf für die lokalen Abgeordnetenwahlen im August und die Kommunalwahlen im Oktober beinahe täglich ein Versorgungs- oder Strassenbauprojekt einweihe, allerdings nur in PRI-freundlichen Gebieten, meint Rafa. Geld für soziale Projekte und Versorgungseinrichtungen gibt es also durchaus. Doch in den letzten Monaten sind immer mehr Informationen über Misswirtschaft und Korruption im Umfeld von Ruiz an die Öffentlichkeit geraten. "Über neun Milliarden US-Dollar an
Bundesgeldern sind verschwunden, seit Ruiz und sein Vorgänger und Parteifreund José Murat im Amt sind", sagt Rafa.

"Es gibt keine politische Moral in Mexiko", sagt auch Méndez. Die Appo versucht deshalb, sich bewusst aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Anfang Jahr hatte sie erklärt, dass sie sich nicht als Partei versteht und ihre FunktionsträgerInnen nicht gleichzeitig als KandidatInnen für eine Partei antreten dürfen. Trotzdem haben einige regionale Appo-Gruppen beschlossen, zusammen mit einer Partei an den Wahlen teilzunehmen, da freie KandidatInnen kaum eine Chance haben, in das Wahlregister aufgenommen zu werden. So unterstützt die Appo zwar hauptsächlich die Partei der Demokratischen Revolution (PRD), aber wirkliche Veränderungen, so Rafa, seien nur möglich, wenn es der Appo gelingt, die ländlichen Regionen auf Dauer dem Zugriff der Regierungsparteien zu entziehen.

  • Name der Redaktion bekannt.

www.chiapas.ch


[1] www.chiapas.ch?artikel_ID=676

21.06.07    Der kleine Dienstag <derkleinedienstag@jpberlin.de>
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