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FW: [La Jornada] Chiapas/Mexiko: Zapatisten kaempfen gegen "Naturschutzgebiet" der Regierung

---------- Ursprüngliche Nachricht ----------
Von: pcl@jpberlin.de
Datum: Do, 15.03.2007, 20:16
Betreff: [Chiapas98] Zapatisten installieren Zivilcamp in EZLN-Naturreservat

Zapatisten installieren Zivilcamp in EZLN-Naturreservat

Sie haben uns in die Berge gejagt und wir passten uns an, jetzt wollen die transnationalen Konzerne uns auch diese wegnehmen

Hermann Bellinghausen
La Jornada,
14. März 2007

San Cristóbal de las Casas, Chiapas, 13. März. Nahe des Gipfels des Hügels von Huitepec, das Wahrzeichen des Tales von Jovel, begründete heute die Junta der Guten Regierung (JBG) von Los Altos, das Nationale und Internationale Zivilcamp für den Frieden in dem "Naturschutzgebiet und Zapatistischen Ökologischen Gemeindereservat El Huitepec". Bei dem Ereignis handelt es sich um eine Aktion im Rahmen der Anderen Kampagne, die von der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) ins Leben gerufen wurde, und nunmehr ihre zweite Etappe antritt.

In ihrer Inaugurationsansprache sendete die JBG "brüderliche und kämpferische Grüße an alle indigenen Völker Mexikos und der Welt, insbesondere an unsere Brüder und Schwestern Cucapás und Quilihuas im Nordosten des Landes", die am 26. Februar ein ähnliches Friedenscamp in der Gemeinde El Mayor, in Baja California eröffnet haben. Die Zapatisten identifizieren ihn "als Teil des Kampfes um ihr Überleben als indigene Völker. Deshalb reicht unsere Unterstützung aus dem Südosten bis im Nordosten unseres Landes. Unser Wort darf weder Einschränkungen noch Grenzen unterliegen".

"Jetzt ist es an uns Zapatisten weiterhin das Leben zu verteidigen"

In Anwesenheit von mehr als eintausend EZLN Unterstützungsbasen aus allen Regionen von Los Altos, und etwa 100 Anhängern der Anderen Kampagne in Jovel, erklärte die JBG:" Wir befinden uns hier in Huitepec, weil es jetzt an uns Zapatisten ist, gemeinsam mit unseren Compañeros und Compañeras der Anderen Kampagne, weiterhin das Leben, die indigene Kultur und Mutter Natur zu verteidigen, denn vielen ist jetzt daran gelegen, uns unsere Hügel, Berge und Quellen wegzunehmen.

"Zuerst haben sie uns unser Land in den Tälern weggenommen, unser gutes Land, und jagten uns in die Berge, weil es hier nur schlechten Boden gab, und wir haben uns angepasst und gelernt wie man hier überlebt und stirbt. In Bergen wie diesem hier von Huitepec, haben wir uns als indigenes Volk entwickelt; von den Bergen ernähren wir uns und erhalten Wasser, wir bauen unsere Häuser aus ihren Bäumen, wir heilen uns mit ihren Heilpflanzen und mit den heiligen Stätten, an denen wir beten. Aber dabei haben wir sie stets wie eine Mutter respektiert, und deshalb sind unsere Berge reich, voll an Pflanzen, Tieren und viel Wasser, und deshalb wollen uns die transnationalen Konzerne auch sie mit Hilfe der schlechten Regierungen wegnehmen."

Das Camp, markiert mit zahlreichen eleganten Schildern, wurde an diesem Morgen auf dem Land der zapatistischen Tzotzil Gemeinde von Huitepec Ocotal gegründet. "Wir werden nicht zulassen, dass sie uns unsere Berge und unser Land wegnehmen, weil sie unser Gebiet und unsere Lebensquelle sind. Wir werden sie verteidigen wie unsere eigene Mutter: notfalls auch mit dem Leben", erklärte die JBG in einem kurzen Akt, zu dem auch eine nüchterne indigene Zeremonie zu Ehren der Erde gehörte.

Auf den Anhöhen dieses Hügels grenzt der Bereich, der ab heute von den Zapatisten beschützt wird, an das Privatreservat von Pronatura Chiapas an, ebenfalls in El Huitepec, und wird fast überschattet von der riesigen Coca-Cola Fabrik, die seine Wasserquellen ausschöpft. Ausgerechnet gestern und als ob sie nichts über die Sache wüssten, hat die Regierung von Chiapas diese gleiche Zone zum
"Naturschutzgebiet" erklärt und ihrem Institut für Naturgeschichte und Ökologie unterstellt, mit der opportunen Veröffentlichung des Erlasses im offiziellen Tagesblatt der Bundesregierung.


EZLN Communique an die Versammlung des Nationalen Indigenen Kongresses, in Tuxpan,
Jalisco am 9. März

ZAPATISTISCHE ARMEE DER NATIONALEN BEFREIUNG.
MEXIKO. 9. März 2007.

An den Nationalen Indigenen Kongress:
An die zentral-pazifischen Region des CNI:
An die Teilnehmer der CNI-Versammlung in Tuxpan, Jalisco:

Brüder und Schwestern:

Es grüßen Sie die Männer, Frauen, Kinder und Senioren der
Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.

Zuallererst möchten wir Ihnen sagen, dass wir Ihnen viel Erfolg bei diesem wichtigen Treffen wünschen, das auf dem Territorium des Nahua Volkes in Jalisco Mexiko stattfindet, Ihre Diskussionen und Vereinbarungen werden ein wichtiger Leitfaden auf dem weiteren Weg der indigenen Völker im Kampf um die Anerkennung unserer Rechte und Kultur.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, müssen wir in diesen Tagen eine neue Offensive der paramilitärischen Gruppen erdulden, die von den schlechten Bundes-, Staats-, und Bezirksregierungen gefördert werden. Unsere Gemeinden leisten organisierten Widerstand gegen die Versuche und das Land zu entreißen, das wir mit dem Blut unserer Compañeras und Compañeros befreit haben. Diese Gruppen von "Weißen Garden" sind mit den politischen Parteien PRD, PT und PRI affiliert, und genießen das Wohlwollen der Bundesregierung, das heißt der PAN. Sie sind namentlich bekannt als OPDDIC (PRI-affiliert), ORCAO (PRD-affiliert), CIOAC-Historica (PRD-affiliert), und noch einige weitere die nichts anderes sind, als Neuauflagen der paramilitärischen Gruppe "PAZ Y JUSTICIA".

Die Zusetzungen der Paramilitärs gegen unsere Gemeinden sind nichts Neues. Neu ist lediglich, dass sie früher den Beistand der Regierung und der PRI hatten, während heute noch die PRD, die PT und die PAN dazugekommen sind.

Ebenfalls nicht neu ist die Gleichgültigkeit gewisser Sektoren der Gesellschaft, die früher dem Zapatismus nahe standen. Seitdem wir uns von der PRD distanziert und gegenüber dem so genannten
"Lopezobradorimus" eine kritische Haltung eingenommen haben, möchten diese Sektoren es uns mit ihrem Schweigen und ihrer Verachtung "heimzahlen", dass wir uns AMLO's Hofstaat nicht angeschlossen haben

Wir wussten, dass es so sein würde. Schon seitdem die Sechste Erklärung aus der Selva Lacandona in unseren Bergen heranreifte, wussten wir, dass diese Personen sich entfernen und gegen uns stellen würden. Trotzdem taten und tun wir das, was wir als unsere Pflicht erachten: unten und links den Weg, den Schritt und die Gesellschaft suchen. Es ist unsere Überzeugung, dass wir unsere Freiheit und unsere Rechte als indigene Völker nur erringen können, wenn wir das System, das für unser Leid verantwortlich ist, zu Fall bringen: den Kapitalismus.

Sobald die elektorale Illusion sich auflöst und die von oben ihre Karnevalmasken abnehmen, wird die Realität bestätigen, was wir schon aus weiter Entfernung sehen und einschätzen konnten: da oben gibt es nichts außer Simulation, Zynismus und Unehrlichkeit.

Wie wir schon sagten, ist die paramilitärische und
Regierungsoffensive nicht neu, aber sie hat uns dazu genötigt einige interne Anpassungen vorzunehmen, um zwei der großen Ziele der Sechsten Erklärung erfüllen zu können: den Schutz unserer Gemeinden und die Weiterführung der so genannten "Anderen Kampagne".

Aufgrund dieser Anpassungen, ist es uns nicht möglich an Ihrem wichtigen Treffen persönlich teilzunehmen. Die Compañeros und Compañeras des CNI - Zentral-Pazifische Region haben uns mit großem Edelmut und Zuvorkommen dazu eingeladen, und wir haben mit Freude zugesagt. Bedauerlicherweise kann jedoch aufgrund dieser Probleme unser Wort Sie nur in der Form dieser Zeilen erreichen.

Aber dieses, unser Wort, bleibt für jene, die wie wir die Farbe der Erde haben, genauso aufrichtig und ehrlich, als ob wir es persönlich übermittelt hätten.

Deswegen nutzen wir den Raum, den Sie uns in Ihrem wichtigen Treffen zugestehen, um Ihnen unsere Gedanken mitzuteilen.

Erstens. - Wie Sie wissen, haben wir in Begleitung einiger Mitglieder der CNI eine Rundreise unternommen, die zu den am meisten vergessenen Ecken unseres Landes führte. In deren Verlauf haben wir die eingeborenen Völker dieses Landes getroffen: die indigenen Völker. Sie leiden unter den gleichen Bedingungen wie wir alle: Enteignungen, die Zerstörung der Mutter Erde, Spaltungen, die von den Regierungen und den politischen Parteien geschürt werden, Repression, Ausbeutung, Verachtung und Erniedrigung; und all dies um ein vielfaches verschärft, wenn es sich um indigene Frauen, Kinder und Senioren handelt. Die Compañeros, die sich unserem Weg durch die ganze Republik angeschlossen haben, können Ihnen viele Beispiele dafür bringen, was wir in dem Mexiko von unten gesehen, gehört und wahrgenommen haben.

Zweitens. - Nicht nur indigene Völker erleiden diese Schmerzen. Nichtindigene Arbeiter, Campesinos, Angestellte, Jugendliche, Frauen, Jungen und Mädchen, erleiden den gleichen Druck, den ein Häuptling des Yaqui Stammes, im Nordosten unseres Landes, als "die vier Räders des kapitalistischen Karrens" bezeichnet hat, das heißt Ausbeutung, Raub, Repression und Verachtung.

Drittens. - Wir haben ebenfalls Organisationen, Gruppen und Kollektive der antikapitalistischen Linken getroffen, ihnen zugehört und mit ihnen gesprochen. Wie Ihnen die Compañeros, die unseren Weg begleitet haben ebenfalls berichten können, können einige von Ihnen unsere Eigenheit als Indigenas nicht wahrnehmen, aber nach und nach haben sie langsam damit begonnen anzuerkennen, dass wir alle gleich sind, weil wir alle verschieden sind."

Viertens. - Wir sind davon überzeugt, dass wir uns als Indigenas nicht nur mit allen indigenen Völkern Mexikos vereinen müssen, sondern auch mit allen, die die Enteignungen, Ausbeutungen, Unterrückungen und Verachtungen des Kapitalismus erdulden müssen. Und wir müssen auch mehr mit den nicht-indigenen Organisationen, Gruppen und Kollektiven sprechen und ihnen zuhören, damit sie uns wahrnehmen und anerkennen.

Fünftens. - Wir sind ebenfalls davon überzeugt, dass wir als Nationaler Indigener Kongress Brücken zu den eingeborenen Völkern schlagen müssen, deren Gebiete im Norden unseres Landes liegen.

Diese Völker haben eine große Tradition des Kampfes und Widerstandes, und sie leiden wie wir alle, unter einem regelrechten
Eroberungskrieg. Ihre Würde, ihre Erfahrung, ihre Geschichte und ihre Kultur, sind Nahrung, die wir alle brauchen.

Aus diesem Grund denken wir, dass der CNI die beste Brücke ist, um die indigenen Völker des nördlichen Mexikos mit den Völkern des zentral-pazifischen Raumes, des Ostens, Südens und Südostens zu vereinen, um gemeinsam unseren Kampf voranzubringen.

Als Teil dieser Brücke wird die EZLN in den nächsten Tagen eine Delegation entsenden, um sich direkt mit den indigenen Völkern der Cucapá und Quilihua im Nordosten Mexikos, an einem Friedenscamp für deren Recht auf Existenz zu beteiligen. Gleichzeitig wird in San Cristóbal de Las Casas, Chiapas, ein Friedenslager zur Verteidigung eines ökologischen Reservats eingerichtet, und in der Selva Lacandona werden Aktivitäten in Verteidigung der Mutter Erde realisiert werden.

Deshalb laden wir den Nationalen Indigenen Kongress ein, uns bei diesem Vorhaben zu begleiten, sowohl im Nordosten als auch im Südosten unseres Landes.

Sechstens. - Wir halten es auch für äußert wichtig, eine große Brücke des Wortes und des Hörens zu schlagen, die alle eingeborenen Völker des Amerikanischen Kontinents zusammenruft. Aus diesem Grund schlagen wir vor, dass der Nationale Indigene Kongress und die EZLN gemeinsam ein großes Kontinentales Encuentro der Eingeborenen Völker Amerikas ausrufen, das in Oktober dieses Jahres, irgendwo im Norden Mexikos stattfinden soll.

Zu diesem Zweck möchten wir Sie respektvoll darum ersuchen, falls Ihre Versammlung diesen Punkt bewilligt, eine Kommission zu ernennen, die gemeinsam mit der Sechsten Kommission der EZLN an der
Einberufung, Vorbereitung und Umsetzung dieses Encuentros arbeitet.

Und dies wäre dann soweit alles, Compañeras und Compañeros. Wir hoffen Sie bei einer anderen Gelegenheit persönlich sehen und Ihnen zuhören zu können.

Wir schicken Ihnen Grüße und eine große Umarmung.

Freiheit und Gerechtigkeit für Atenco! Freiheit und Gerechtigkeit für Oaxaca!

Aus den Bergen des Mexikanischen Südosten. Für das Geheime
Revolutionäre Indigene Komitee - Generalkommandantur der
Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung

Subcomandante Insurgente Marcos Mexiko,
März 2007


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