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-------- Original Message --------
From: Sandra Dusch <dusch@ci-romero.de>
To: CIR <cir@ci-romero.de>
Date: Tue, 21 Nov 2006 10:18:19 +0100
Subject: Puma-CCC Pilotprojekt gescheitert
PRESSEMITTEILUNG (bitte weiterleiten)
Zur sofortigen Veröffentlichung
Finanzielles Aus für Pilotprojekt zwischen Puma und Kampagne für
'Saubere' Kleidung
Wuppertal, den 21.11.06: Das weltweit drittgrößte
Sportartikelunternehmen Puma hat das Pilotprojekt mit der deutschen
Kampagne für 'Saubere' Kleidung (Clean Clothes Campaign = CCC) zu
Sozialstandards bei Zulieferern in El Salvador und Mexiko scheitern
lassen. Hoffnungsvolle Ansätze, die die gemeinsame Zwischenbilanz vom
9.6.06 zur Behebung von Arbeitsrechtsverletzungen noch aufgezeigt hatte,
sind durch die Weigerung Pumas, weitere Mittel für das Projekt zur
Verfügung zu stellen, zunichtegemacht worden. "Vor dem Hintergrund der
Möglichkeiten und Ansprüche des Unternehmens Puma ist dieser Schritt
absolut unverständlich, so Maik Pflaum von der CCC. "Damit werden nicht
nur die CCC und ihre lateinamerikanischen Partnerorganisationen, sondern
vor allem die Beschäftigten vor den Kopf gestoßen."
Im Dezember 2005 hatte das zunächst auf ein Jahr begrenzte Pilotprojekt
bei zwei Puma-Zulieferern in El Salvador begonnen. Die lokale
Monitoring-Organisation GMIES (Grupo de Monitoreo Independiente de El
Salvador) und die Frauenorganisation ORMUSA (Organización de Mujeres de
El Salvador) sollten die Einhaltung von Arbeitsnormen wie vor allem
Lohnstandards, Gewerkschafts- und Frauenrechten überprüfen. Diese Normen
sind Bestandteil der Verhaltenskodizes von Puma und CCC sowie der
US-amerikanischen Kodex-Kontrolleinrichtung Fair Labor Association, in
der Puma Mitglied ist.
Die Zwischenbilanz vom 9.6.06 zeigte in einer Fabrik einige positive
Ergebnisse auf, wie z. B. die freiwillige Ableistung von Überstunden und
das Fehlen sexueller Belästigung, benannte jedoch auch Problembereiche
wie die Behinderung von Gewerkschaftsarbeit und die Zahlung nicht
existenzsichernder Löhne. In Schulungen mit den Lieferanten und
Beschäftigten sollten in der zweiten Hälfte des Pilotprojekts die
Verbesserungsvorschläge umgesetzt werden.
Die zweite Fabrik hatte trotz anfänglicher Zusagen die Lieferbeziehung
zu Puma nicht aufgenommen und schied aus dem Projekt aus. Da dieses
jedoch auf zwei Zulieferer inkl. möglicher Unterlieferanten ausgelegt
war, schlugen die Vertreter der Puma-Ethikabteilung einen Zulieferer in
Mexiko vor, auf den sich die Beteiligten einigten. Dem finanziellen
Aufpreis jedoch mochte der Puma-Vorstand nicht zustimmen. "Dies ist
nicht nachvollziehbar vor dem Hintergrund, dass das Projekt zunächst nur
auf ein Jahr ausgelegt war, mit der klaren Option auf Verlängerung,
sollte das Projektvorhaben nicht in dieser Zeit realisierbar sein. Es
ist absurd, dass ein Global Player wie Puma das Projekt an einer relativ
bescheidenen Summe scheitern lässt", so Pflaum.
Das Bild einer Kosten scheuenden Politik der Globalen
Sozialverantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility =
CSR) passt in die Ergebnisse einer Studie, die die Londoner "Ethical
Trading Initiative" (ETI) im Oktober 2006 vorgestellt hat. Diese
Kodex-Kontrolleinrichtung, der neben Gewerkschaften und
Nichtregierungsorganisationen insgesamt 34 Unternehmen angehören, stellt
darin fest, dass die Verhaltenskodizes der Ethikabteilungen von
Unternehmen bei den konkreten Einkaufspraktiken in globalen
Zulieferbetrieben weitgehend unberücksichtigt geblieben sind. Nur dann
jedoch würden die Beschäftigten nachhaltige positive Verbesserungen
ihrer Arbeitsbedingungen spüren, so ETI.
Das finanzielle Aus des Pilotprojekts zwischen Puma und CCC nährt den
Verdacht einer Instrumentalisierung der CSR-Politik für Werbezwecke im
Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft, wie sie auch unter anderen
Sportartikelunternehmen verbreitet war.
Das Scheitern des Pilotprojekts zwischen Puma und CCC muss jedoch auch
vor dem Hintergrund der globalen Produktions- und
Beschaffungsverlagerungen nach dem Ende des WTO-Welttextilabkommens 2004
gesehen werden. Die Turbulenzen scheinen auch die beiden ursprünglich
ausgesuchten Fabriken erfasst zu haben: Eine Fabrik stieg aus dem
Projekt aus, die andere ist durch Auftragskürzungen des Haupteinkäufers
schwer unter Druck geraten. Gerade mittelamerikanische Länder und Mexiko
haben zugunsten wettbewerbsstarker Länder wie China bei den globalen
Umstrukturierungen das Nachsehen. Die Umsetzung von Sozialstandards
gerät im gnadenlosen Preisdruck des verschärften globalen Wettbewerbs
unter die Räder. Global agierende Unternehmen wie Puma sind gefordert,
ihre CSR-Politik auch vor dem Hintergrund aktueller
Beschaffungsstrategien abzuändern.
Kontakt:
Maik Pflaum und Thomas Krämer, Christliche Initiative Romero
(CIR), Tel. 0251 / 89 503, e-Mail: pflaum@ci-romero.de
<mailto:pflaum@ci-romero.de>
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Ingeborg Wick, SÜDWIND Institut für Ökonomie und Ökumene, Tel.
02241 / 259530, e-Mail: _wick@suedwind-institut.de _
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