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Wildview
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Ungebremste Kraft 22.05.2012
Posted: 14 Jun 2012 03:29 AM PDT
Um die letzte gr|Â|fere Insel des Atlantischen K|+stenregenwaldes zu
erkunden muss man heute sechshundert Kilometer ins Landesinnere reisen
ins Dreil|ñndereck von Brasilien, Paraguay und Argentinien. Hier sind in
Form des Iguaz|| Nationalparks etwas mehr als zweitausend Quadratkilometer
dieses ehemals so riesigen |ûkosystems unter Schutz gestellt. Die Reise
mit dem Bus in Richtig Iguaz|| l|ñsst mich auf hunderten Kilometern
Agrarland passieren. In gleichbleibender Monotonie sehe ich endlos
erscheinende Felder an mir vor|+ber ziehen. In solchen F|ñllen gleiten
meine Gedanken nicht selten zu der Frage wie eigentlich alles weiter gehen
soll. Wir Menschen nutzen schon heute 43 % der eisfreien Erdoberfl|ñche
f|+r Landwirtschaft und zum Wohnen. Diese Zahl wird weiter ansteigen um
die in den kommenden Jahrzehnten-á zu erwartenden |+ber zwei Milliarden
neuen Ehrenb|+rger ern|ñhren zu k|Ânnen. Der Druck auf die letzten
Naturr|ñume wird zunehmen und die Chance das das globale |ûkosystem in
nicht allzu ferner Zukunft kollabiert wird realistischer. Im Vorfeld der
anstehenden Rio + 20 Umweltkonferenz haben f|+hrende Wissenschaftler
eindringlich gewarnt, das wenn wir den verh|ñngnisvollen Pfad des
ungebremsten Wachstums nicht verlassen, der kritische Punkt schon bald
erreicht sein k|Ânnte. Sollte der momentane Trend zur ma|flosen
Ressourcennutzung anhalten, w|ñre schon im Jahre 2025 die potentiell
gef|ñhrliche 50 % Marke an Nutzungsfl|ñche erreicht.
Ich erreiche die Stadt Foz do Iguac|| die vor den Toren des Iguac||
Nationalparks liegt.-á Der Iguaz|| Flu|f |+ber den sich die Br|+cke der
Freundschaft spannt, trennt die beiden L|ñnder Brasilien und Paraguay.
Hier spielt sich tagt|ñglich ein Schauspiel der ganz besonderen Art ab.
Auf der Seite Paraguays befindet sich eine Freihandelszone. Waren sind
dort extrem g|+nstig, so das sich t|ñglich bis zu zwanzigtausend
Brasilianer aus dem ganzen Riesenland auf den Weg machen um in Ciudad del
Este einkaufen zu k|Ânnen. Die Preise sind so niedrig, das trotz enormer
Reisekosten und dem Risiko als Schmuggler bestraft zu werden, beim
sp|ñteren Wiederverkauf auf Brasiliens Stra|fenkreuzungen und L|ñden immer
noch ausreichend Gewinn abf|ñllt. Ich bin sehr froh als ich dem Gewusel
und L|ñrm dieser Form des Extremkapitalismus entkommen bin und etwa 20
Kilometer au|ferhalb der Stadt das Besuchszentrum des UNESCO
Weltnaturerbes Iguaz|| erreiche. Erstaunlicher Weise besteht dieser Teil
der Mata Atlantica nicht mehr aus tropischem Regenwald, sondern aus einem
saisonalen Laubwald, der zeitweilig einen gro|fen Teil seiner Bl|ñtter
abwirft. Au|ferdem beherbergt der Nationalpark eines der bekanntesten
Naturschauspiele unserer Erde, n|ñmlich die Iguaz|| Wasserf|ñlle. F|+r den
Fremdenverkehr sind die Wassermassen die hier auf knapp drei Kilometern
L|ñnge |+ber eine bis zu 90m hohe Kante fallen ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor. In einem perfekt gemanagten Bussystem werden hier
tausende Touristen zu den F|ñllen gelotst. Dieser Ort ist so etwas wie der
Grand Canyon von S|+damerika. F|+r mich als Fotograf sind, wie so oft, die
Lichtstimmungen au|ferhalb der Besuchszeiten interessant. Ich habe von der
Parkverwaltung die Erlaubnis bekommen, abends l|ñnger bleiben und morgens
viel fr|+her an den Ort des Geschehens kommen zu d|+rfen.
Ich stehe an der |ñu|fersten Plattform die f|+r die Besucher zur Erkundung
dieser Naturgewalten errichtet wurden und nutze die Zeit zwischen
Sonnenuntergang und Nachtfinsternis um das eindrucksvolle Bild auf den
Chip meiner Kamera zu bannen. Am kommenden Morgen ist es f|+r mich fast
noch sch|Âner. Es zeichnet sich noch kein Morgenrot |+ber der Abbruchkante
der Wasserf|ñlle ab als ich mein Stativ und die Kamera wieder aufbaue.
Auch nach |+ber zwanzig Jahren in der Naturfotografie sind die Momente in
denen sich die ersten zarten Farben des kommenden Tages in das Dunkel
vermischen noch immer ein magisches Erlebnis. Als dann viel sp|ñter der
erste Bus mit ge|Âffneten T|+ren die fr|+hen Tagesbesucher entl|ñsst,
steht die Sonne schon hoch am Himmel und strahlt in dominanter H|ñrte
|+ber das Land. Ich habe meine Fotos gemacht und bin der Einzige, der zu
diesem Zeitpunkt den zwar sch|Ânen, aber durch die Menge an G|ñsten eher
an einen Rummelplatz erinnernden Ort, verlassen will.
Ich habe in den vergangenen Wochen einen vielseitigen Blick auf das Land
Brasilien werfen d|+rfen. Es war ein Privileg viele seiner gro|fartigen
Natursch|ñtze sehen d|+rfen und eine logische Folge dabei auch auf mach
gro|fe Problematik zu sto|fen. In meiner Heimatregion hat der Mensch seine
ihn umgebende Natur schon fast zur G|ñnze in Nutzland umgewandelt.
Dementsprechend muss ich auch mit der Bewertung jeglicher
Fehlentwicklungen die hier in Brasilien den Tropenwald und die Savannen
zerst|Âren vorsichtig und differenziert sein. Letztendlich geschieht hier
nicht anderes als im Europa der vergangenen Jahrhunderte. Der Unterschied
ist nur, das die Entwicklungen in einem Schwellenland wie Brasilien,
angetrieben durch die gierigen Mechanismen einer globalisierten Industrie,
heute viel schneller und massiver Ablaufen als in einem Europa der
Vergangenheit. Doch gerade weil sich in einer zusammenwachsenden Welt
Ursache und Wirkung-á immer mehr vernetzen und Zusammenh|ñnge komplexer
und internationaler werden, ist es wichtig sich eine Meinung zu bilden,
Stellung zu beziehen und auch daf|+r zu k|ñmpfen das Fehler nicht
wiederholt werden. Noch gibt es Vieles was in Brasilien erhalten werden
kann. Aber nur wenn die Menschheit rechtzeitig ihren kollektiven Verstand
einschaltet.
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