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news: 16.06.2008

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Vergeltungsschlag in Yüksekova

Eine Guerillaeinheit hat in Yüksekova mit Raketenwerfern eine Polizeiunterkunft angegriffen. Dabei kam ein Polizist ums Leben, fünf weitere wurden verletzt. Die HPG bekannten sich in einer schriftlichen Erklärung zu dem Anschlag: „Diese Aktion wurde als Vergeltung für den Minderjährigen Cüneyt Ertus, dem bei den Newrozfeiern von Polizisten der Arm gebrochen wurde, und die faschistischen Angriffe auf die Bevölkerung von Yüksekova
durchgeführt.“ Dem 15-jährigen Cüneyt Ertus war von drei
Zivilpolizisten vor laufenden Kameras bewusst der Arm gebrochen worden.

Nach dem Anschlag besetzten Polizeieinheiten den Stadtteil Güngör und griffen willkürlich Menschen aus der Bevölkerung mit
Eisenstangen an. Mit der Drohung, „für jeden Polizisten zehn Kurden“ zu töten, wurden in mehreren Wohnungen in der Umgebung der
Polizeiunterkünfte Razzien durchgeführt. Es kam zu Dutzenden Festnahmen.

Quelle: ÖP, 16.06.2008, ISKU

Tausende bei Frauenfestival in Gelsenkirchen

Tausende Frauen kamen am Samstag zum vierten Zilan-Frauenfestival im Amphitheater in Gelsenkirchen zusammen. Das Festival wurde
organisiert von Ceni – Kurdisches Frauenbüro für Frieden und stand unter dem Motto „Stoppt Frauenmorde – Keine Morde im Namen der Ehre!“. Neben kulturellen und Redebeiträgen auf der Hauptbühne gab es ein reichhaltiges Programm in Zelten und auf einer Nebenbühne sowie zahlreiche Verkaufsstände.

Quelle: ÖP, 16.06.2008, ISKU

junge Welt, 14.06.2008
»Mit Folter zur Räson bringen«

Türkischer Wehrdienstverweigerer nach Verhaftung schwer mißhandelt

Von Nico Sandfuchs, Ankara

Der bekannte türkische Wehrdienstverweigerer Mehmet Bal ist nach seiner erneuten Festnahme am vergangenen Sonntag schwer mißhandelt und gefoltert worden. Dies erklärten Vertreter des türkischen Menschenrechtsvereins (IHD), die Bal am Donnerstag in einem Istanbuler Militärgefängnis besuchen konnten.

Angaben der Anwältin Gülserin Yoleri zufolge wurde Bal bereits unmittelbar nach seiner Festnahme geschlagen, Militärpolizisten sollen ihn zudem mit heißem Wasser übergossen haben. Doch das eigentliche Martyrium habe erst nach der Verlegung in das
Militärgefängnis von Hasdal begonnen, berichtete Yoleri. Dort sei Bal über Stunden von anderen Mitgefangenen malträtiert worden, nachdem das Gefängnispersonal dazu aufgefordert hatte, ihn »in die Anstaltsregeln einzuführen«. Aus Protest gegen die Festnahme und die anschließenden Mißhandlungen befindet sich Bal seit Dienstag im Hungerstreik.

Wie die türkische »Initiative Wehrdienstverweigerer« mitteilte, sind Folter und Gewalt in Militärgefängnissen noch immer an der
Tagesordnung. »Die verbreitete Praxis, Wehrdienst- und
Befehlsverweigerer mit psychischer und physischer Folter ›zur Räson‹ zu bringen, ist durch die Mißhandlung von Mehmet Bal einmal mehr ans Tageslicht gekommen«, erklärte ein Sprecher der Initiative, Oguz Sönmez, während einer Solidaritätskundgebung in Istanbul.

Als einziger der 47 Mitgliedstaaten des Europarates herrscht in der Türkei noch immer die allgemeine Wehrpflicht, ohne daß ein ziviler Ersatzdienst angeboten wird. Wehrdienstverweigerern drohen schwere Haftstrafen, nach deren Verbüßung der Militärdienst trotzdem abgeleistet werden muß. So kann es zu einem regelrechten Kreislauf aus Verweigerung und Inhaftierung kommen, der den Betroffenen nur das Abtauchen in die Illegalität beläßt –wie auch im Fall Mehmet Bal, der seit 2003 auf der Flucht war. Vom Europäischen
Menschengerichtshof ist die zweifelhafte türkische Rechtspraxis bereits im Jahre 2006 als »zivile Todesstrafe« gebrandmarkt worden, Ankara wurde in dem Urteil zu einer Gesetzesänderung verdonnert. Doch geschehen ist bis heute nichts.


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17.06.08    Kurdistan Infos <kigb@gmx.de>
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