|
## Nachricht zur Information/Dokumentation weitergeleitet
50.000 Unterschriften für Öcalan
Über 50.000 Unterschriften mit der Forderung einer Verlegung
Abdullah Öcalans in ein anderes Gefängnis sowie einer medizinischen
Behandlung sind der parlamentarischen Menschenrechtskommission der
Türkei übergeben worden. Die Unterschriftenkampagne wurde von der
Föderation der Vereine zur juristischen Unterstützung von
Angehörigen von Gefangenen (TUHAD-FED) organisiert und der DTP und
anderen kurdischen Einrichtungen unterstützt. Wie der
DTP-Abgeordnete Akin Birdal, selbst Mitglied der
Menschenrechtsorganisation, erklärte, werde die Kampagne in den
kommenden Tagen in der Kommission thematisiert werden.
In dem Unterschriftentext wird darauf aufmerksam gemacht, dass der
Gesundheitszustand Abdullah Öcalans aufgrund der klimatischen
Bedingungen auf der Gefängnisinsel Imrali und der Isolationshaft
täglich schlechter werde.
Quelle: ÖP, 29.05.2008, ISKU
520 weitere Selbstanzeigen wegen „Herrn Öcalan“
Im Rahmen der Selbstanzeigenkampagne im Zusammenhang mit dem Begriff
„Verehrter Herr Öcalan“ haben weitere 520 Personen in Batman
entsprechende Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Mit
der Kampagne wird gegen die Kriminalisierung der Verwendung der
Anrede „Sayin“ (verehrter Herr/Frau) im Zusammenhang mit Öcalan
protestiert. Unter den Selbstanzeigern befinden sich auch der
Bürgermeister von Batman, Hüseyin Kalkan, sowie zahlreiche Vertreter
zivilgesellschaftlicher Organisationen.
Die Unterschriften wurden nach einer Kundgebung bei der
Staatsanwaltschaft von einer Abordnung von sieben Personen
übergeben. Allerdings verweigerte der zuständige Staatsanwalt die
Annahme mit der Begründung, sie müssten einzeln eingereicht werden.
Die siebenköpfige Abordnung wurde beim Verlassen des Justizgebäudes
festgenommen und zur Antiterrorabteilung der Polizei in Batman
verbracht.
Quelle: ANF, 30.05.2008, ISKU
Die Presse, 29.05.2008
Kritik an der Armee: Türkei stellt Schlagersängerin vor Gericht
Die transsexuelle Sängerin Bülent Ersoy hatte die Angriffe auf die
PKK im Nordirak im Fernsehen kritisiert, jetzt drohen ihr drei Jahre
Haft. Die Armee meldet indes 16 weitere Angriffe.
Weil sie die Offensive des türkischen Militärs gegen die verbotene
Kurdische Arbeiterpartei PKK im Nordirak offen kritisiert hat, ist
die transsexuelle türkische Schlagersängerin Bülent Ersoy nun
angeklagt worden. Am 18. Juni soll sie sich wegen "Entfremdung des
Volkes von der Armee" und "Anstiftung zur Verweigerung des
Militärdienstes" vor Gericht verantworten, wie türkische Medien am
Donnerstag berichteten. Höchststrafe seien drei Jahre Haft.
Bülent, eine als Mann geborene transsexuelle Künstlerin, hatte sich
in einer Fernsehshow gegen einen Militärschlag im Nordirak
ausgesprochen. Sie hatte erklärt, sie würde einen Sohn nicht für
einen Krieg anderer Leute unter die Erde schicken während am grünen
Tisch geplant werde. Die Äußerungen hatten in der Türkei heftige
Diskussionen ausgelöst. Staatsanwalt Ali Cakir erklärte, die Kritik
hätte die Grenzen der Meinungsfreiheit in der Türkei verletzt. Neue
Angriffe gegen PKK
Unterdessen hat die türkische Luftwaffe hat am Donnerstag im
Nordirak neue Angriffe gegen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei
PKK geflogen. Insgesamt seien nahe der Grenze zur Türkei 16 Ziele
attackiert worden, teilte der türkische Generalstab in Ankara mit.
Nach Schätzungen der türkischen Armee halten sich im Nordirak
mehrere tausend PKK-Kämpfer auf.
Von ihren Rückzugsbasen aus dringen die Rebellen in die Türkei ein
und verüben Anschläge auf Wachposten und Patrouillen der Armee. Im
Februar hatte die türkische Armee während einer einwöchigen
Bodenoffensive gegen PKK-Lager im Nordirak nach eigenen Angaben 240
Kämpfer getötet. (Ag.
Der Standard, 30.05.2008
Gericht verbietet Homosexuellen-Verein
Wegen Verstoßes gegen "Moral" - "Lambdaistanbul" will vor
Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg ziehenIstanbul -
Ein Gericht in der Türkei hat eine Homosexuellen-Vereinigung
verboten, weil die Organisation angeblich gegen die "Moral" des
EU-Bewerberlandes verstößt. Der Verein, Lambdaistanbul, will sich
gegen das Urteil vor dem Obersten Berufungsgericht in Ankara zur
Wehr setzen, wie die türkische Presse am Freitag berichtete.
Notfalls wolle Lambdaistanbul auch vor den Europäischen
Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg ziehen. Lambdaistanbul
versteht sich als Organisation zur Unterstützung von Schwulen,
Lesben, Bisexuellen, Transvestiten und Transsexuellen.
Rückschlag für EU-Beitritt
Die Istanbuler Staatsanwaltschaft argumentierte vor Gericht, der
Verein verstoße gegen das Verfassungsgebot zum Schutz der Familie
und gegen die "Moral" der Türkei. Außerdem sei der Name "Lambda"
nicht Türkisch; "Lambda" ist der griechische Buchstabe "L" und ist
in der weltweiten Homosexuellen-Bewegung ein Symbol für Freiheit.
Das Gericht folgte dem Antrag der Anklage und verbot den Verein.
Das Urteil ist ein weiterer Rückschlag für die türkische
EU-Bewerbung; der türkische EU-Experte Cengiz Aktar wurde mit den
Worten zitiert, die Entscheidung dürfte als Beispiel für negative
Entwicklungen in den nächsten EU-Fortschrittsbericht eingehen und
der Türkei Kopfschmerzen bereiten. Obwohl Homosexualität in der
Türkei nicht verboten ist, werden Homosexuelle von den Behörden und
der Justiz mit großem Misstrauen betrachtet. (APA)
Die Welt, 29.05.2008
Religionsamt warnt Frauen vor Parfüm und Deo
Von Boris Kalnoky
Ein Benimm-Leitfaden der türkischen Religionsbehörde enthüllt das
staatliche Frauenbild. Unter anderem heißt es darin, Frauen sollten
in der Öffentlichkeit kein Parfüm benutzen und Kontakte mit fremden
Männern vermeiden. Ganz besonders skurril ist, was in dem Leitfaden
als "Ehebruch" bezeichnet wird. Parfüm
Religion und Staat, so heißt es, seien in der Türkei getrennt. Ganz
stimmt das nicht – zwar soll die Religion dem Staat nicht in die
Quere kommen, umgekehrt jedoch diktiert der Staat, was Religion zu
sein hat. Konkreter Ausdruck dessen ist die Religionsbehörde
Diyanet. Ihr sind alle Moscheen des Landes unterstellt, und alle
Vorbeter und Imame sind ihre Angestellten. Was muslimisch ist,
entscheidet Diyanet.
Solange säkular gesinnte Regierungen an der Macht waren, führte das
zu jenem handzahmen "gemäßigten Islam" aus den Wunschträumen
westlicher Nahost-Strategen. Nun aber regiert die islamisch geprägte
AKP; ob man die jüngste Kontroverse um die Behörde Diyanet darauf
zurückführen muss, darüber wird in der Türkei dieser Tage heiß
debattiert.
Auf der Webseite des Religionsdirektorats war ein Benimm-Leitfaden
erschienen, der für Frauen Ratschläge bereithielt, die sie genauso
gut bei den Taliban bekommen könnten.
Außerhalb ihres Hauses, so heißt es da, sollten Frauen kein Parfüm,
Deodorant oder sonstige wohlriechende Mittel benutzen, weil der
Prophet Mohammed solches Verhalten als "unmoralisch" bezeichnet
habe.
Der Diyanet-Ratgeber zu Islam und Gesellschaft bot unter dem Titel
"Sexuelles Leben" weitere keusche Verhaltensregeln an: Frauen
sollten sich sorgfältig verhüllen, "um ihren Körper nicht Fremden zu
zeigen". Wer bislang meinte, Ehebruch sei Sex mit einem anderen als
dem Ehepartner, der wurde eines Besseren belehrt: Ehebruch sei
bereits ein unziemliches Wort, ein Blick, es gebe den "Ehebruch der
Zunge, des Mundes, der Hand, des Fußes und des Auges."
Frauen sollten daher außerhalb ihrer vier Wände jeglichen Kontakt
mit fremden Männern vermeiden, und sich schon gar nicht in
geschlossenen Räumen mit ihnen aufhalten – was Millionen türkische
Frauen jeden Tag tun, wenn sie arbeiten gehen.
Vorsicht vor Versuchung und Geschwätz
Wenn eine Frau und ein Mann in einem Raum allein sind, so heißt es
im Text, dann ist der Dritte im Raum der Teufel. Auch reisen sollten
Frauen nie alleine, denn das könnte zu Versuchungen und vor allem zu
Geschwätz der Nachbarn führen. Und das sei ein Problem, denn
"Keuschheit und Ehre sind untrennbar" und es gebe "kein Mittel gegen
befleckte Ehre." Ein besonders folgenschwerer Satz – "befleckte
Ehre", oder was muslimische Männer zuweilen dafür halten, ist der
Grund für jeden Ehrenmord.
Was aus alldem hervorgeht, ist ein Frauenbild, laut dem die
weibliche Hälfte der Gesellschaft grundsätzlich zu Unmoral neigt,
wenn sie nicht durch strenge Regeln eingeschränkt wird. Zudem
sollten Frauen wohl besser nicht arbeiten gehen, um ihre Ehre nicht
zu beflecken. Wenn sich in gewissen Situationen dennoch Flecken auf
der Ehre ergeben, dann lag es immer an der Frau.
Auf Anfrage sagte Diyanet-Pressesprecher Necdet Bal, er verstehe die
ganze Aufregung nicht – der umstrittene Text sei bereits 2005 auf
die Webseite gestellt worden. Zudem sei er zuerst vor 10 Jahren als
Buch veröffentlicht worden, von Diyanet – aber vor der
Regierungszeit der AKP. Die Regierung dafür verantwortlich zu machen
sei also Unfug.
Die Zeitung "Radikal" hatte den Medienwirbel ausgelöst, als sie in
ihrer Ausgabe vom 27. Mai den alten Diyanet-Text zum Titel-Thema
machte und ihn als Sensation darstellte.
Inhaltlich steht das Religionsamt voll zum Wortlaut ihres
Benimmleitfadens. "Frauen müssen mehr aufpassen als Männer, um
sündhafte Situationen zu vermeiden, weil sie über sexuelle Reize
verfügen", sagt Bal.
ISKU | Informationsstelle Kurdistan e.V.
Büro für Internet- und Öffentlichkeitsarbeit: Schanzenstr. 117;
20357 Hamburg, E- mail: isku@nadir.org; Internet: http://isku.org
Tel: 040/42102845
Bankverbindung: PB Köln, BLZ 370 100 50, Kto.Nr.: 3968-506
|