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Vorbildliche Beschlüsse bei Stadtteilverein in Van
Die Stadtteilorganisierung als wesentlicher Bestandteil der
Basisdemokratie schreitet voran. In Van hat der „Verein freier
BürgerInnen“ im Stadtviertel Hacibekir auf seinem Kongress im April
diesen Jahres beschlossen, aktiv gegen frauenfeindliche Traditionen
wie das Brautgeld und die Verheiratung von Minderjährigen
beschlossen. Die Beschlüsse finden Unterstützung in der Bevölkerung.
Wie der Vereinsvorstand ankündigte, sei der erste Schritt bei der
Umsetzung dieser Beschlüsse die Anwendung in den eigenen Familien.
Neben dem Brautgeld sollen vor allem auch Gewalt gegen Frauen und
Kinder sowie die Tradition der Verheiratung der Tochter zur
Schlichtung von Familienfehden bekämpft werden. Wer sich nicht an
die Beschlüsse hält, wird aus dem Verein ausgeschlossen. Wie der
Vereinsvorsitzende Tefik Say erklärte, seien die Beschlüsse als
Ergebnis von Diskussionen mit den Stadtteilbewohnern gefasst worden.
Es gehe darum, „die Bevölkerung von Traditionen zu befreien, die uns
zurückwerfen“.
Quelle: DIHA, 22.05.2008, ISKU
Anzeigenkampagne in europäischen Zeitungen
Gestern ist mit einer ganzseitigen Anzeige in der Herald Tribune mit
der Veröffentlichung einer Unterschriftenkampagne unter dem Titel
„Demokratische friedliche Lösung der kurdischen Frage“ begonnen
worden. In dem Anzeigentext wird eine verfassungsrechtliche
Anerkennung der kurdischen Identität gefordert. Im Rahmen der
Kampagne, die von einigen kurdischen Politikern gestartet wurde,
wurden mehr als 1000 Unterschriften gesammelt. Interessant ist die
politische Spannbreite derjenigen, die mit einer Unterschrift die
Kampagne unterstützen. So finden sich neben den Namen kurdischer
Politiker von der DTP auch welche von HAK-PAR und KADEP sowie aus
der islamischen Refah-Partei, der ANAP, DP und SHP. Weiterhin wird
die Kampagne von Akademikern, Juristen und Künstlern unterstützt.
In dem Text wird die Türkei zum Erlass einer Generalamnestie sowie
die PKK zur Niederlegung der Waffen aufgerufen. Bernard Kouchner,
Tony Blair, Martti Ahtisaari und Felipe Gonzales sollen als
Vermittler für eine Lösung der kurdischen Frage tätig werden.
Quelle: ÖP, 21.05.2008, ISKU
Kurdisches Filmfestival in Berlin
Am 24. Mai beginnt das 5. Kurdische Filmfestival Berlin. Innerhalb
von einer Woche werden 41 Filme gezeigt werden. Als Besucher wird u.
a. der Regisseur Bahman Ghobadi erwartet. Als Eröffnungsfilm wird im
Babylon der Spielfilm „Vinterland“ von Hisham Zaman gezeigt. Die
kurdische Musikerin Tara Caf wird bei der Eröffnungsfeier auftreten,
die Gruppe Car Newa bei der Abschlussfeier. Weitere Informationen
unter www.kurd-filmfestival.com.
Quelle: ANF, 22.05.2008, ISKU
Ununterbrochene Bombardierung kurdischer Dörfer
Seit knapp zwei Wochen setzt die iranische Armee Dörfer und
Hochalmen in Südkurdistan (Irak) unter Beschuss. Zu Toten ist es
dabei nicht gekommen, aber die Bevölkerung, die ihrer Arbeit nicht
nachkommen kann, flüchtet aus der betroffenen Region. Die
Regionalregierung Südkurdistans, die zu den jüngsten Luftangriffen
der türkischen Armee keine Erklärung abgegeben hatte, hat jetzt mit
einer Protestnote die UN aufgefordert, die militärische Aggression
zu stoppen. Wie es darin heißt, mussten bisher über 140 Familien
flüchten.
Quelle: ANF, 21.05.2008, ISKU
14. YXK-Kongress
Der Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK) hat in Köln seinen
14. ordentlichen Kongress abgehalten. An der zweitägigen
Veranstaltung beteiligten sich 80 Delegierte. Erstmalig wurde der
Kongress mit einer Reihe von Vorträgen zu verschiedenen Themen und
anschließender Diskussion eingeleitet. So referierte Reimar Heider
von der Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan, Frieden für
Kurdistan“ zum Thema Nationalismus, Sercan Aydin zum
„demokratisch-konföderalen System“, Lokman Guldi und Sores Yüksel
zur Geschichte des YXK, Wolfgang Struwe von der Informationsstelle
Kurdistan (ISKU) zum Thema Öffentlichkeitsarbeit sowie Ann-Kristin
Kowarsch vom Frauenzentrum UTAMARA zum Thema Sexismus.
Neben intensiven Diskussionen und einer Auswertung der im
vergangenen Jahr geleisteten Arbeit wurde auf dem Kongress auch ein
neuer Vorstand gewählt.
Quelle: ÖP, 20.05.2008, ISKU
Unterstützungskampagne für Kriegsdienstverweigerer
Die kurdische Kriegsdienstverweigererinitiative in Bern hat eine
Kampagne zur Unterstützung von Halil Savda gestartet. Im Rahmen
dieser Kampagne, die vom kurdischen Volksrat Schweiz und weiteren
Organisationen unterstützt wird, wird am 28. Mai eine Kundgebung vor
der türkischen Botschaft in Bern stattfinden. Zeitgleich werden aus
verschiedenen europäischen Ländern Postkarten an Halil Savda
verschickt.
Quelle: ANF, 20.05.2008, ISKU
Türkei: Aktionen zum Internationalen Tag der
Kriegsdienstverweigerung
Halil Savda ausgemustert, aber weiter in Haft
Pressemitteilung vom 21. Mai 2008
Mit Aktionen zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung
machte der Menschenrechtsverein Istanbul zusammen mit der
Solidaritätsinitiative Halil Savda auf die Situation der
Kriegsdienstverweigerer in der Türkei aufmerksam. Neben einer
Plenumsdiskussion, an der 100 Personen teilnahmen, führten die
Gruppen Aktionen auf dem Galatasaray-Platz und im Stadtteil Kadiköy
in Istanbul durch. Mit Straßentheater protestierten sie am
vergangenen Sonntag gegen eine militarisierte Gesellschaft, die
bereits Kinder auf die militärischen Strukturen einschwört. Im
Rahmen dieser Aktion erklärten zudem Deniz Özgür, Eylem Polat,
Ibrahim Yilmaz und Özkan Kuru ihre Kriegsdienstverweigerung.
Halil Savda ausgemustert, aber weiter in Haft
Bereits am 25. April wurde der Kriegsdienstverweigerer Halil Savda
gegen seinen Willen ausgemustert. Er war anlässlich einer
Solidaritätsaktion für den Kriegsdienstverweigerer Ismail Saygi am
27. März 2008 verhaftet worden. Trotz der Ausmusterung wird er
voraussichtlich bis Ende 2008 im Militärgefängnis in Corlu in Haft
bleiben. Halil Savda war im März 2007 vom Militärgericht in Corlu zu
insgesamt einem Jahr und dreieinhalb Monaten wegen Desertion und
Ungehorsam verurteilt worden. Wenig später erfolgte eine zweite
Verurteilung zu sechs Monaten wegen Befehlsverweigerung. Die zweite
Haftstrafe von sechs Monaten hat Halil Savda bereits verbüßt. Da er
gegen das erste Urteil in Berufung ging, wurde die erste Haftstrafe
von einem Jahr und dreieinhalb Monaten erst Anfang 2008 bestätigt
und damit rechtskräftig. Mit der Ausmusterung unterliegt Halil Savda
als erster türkischer Kriegsdienstverweigerer nicht weiter dem
Teufelskreis aus Verhaftung, Verurteilung und Inhaftierung. Die
Türkei erkennt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht an.
Jeder türkische Mann ist mit 20 Jahren zur Ableistung des
Militärdienstes verpflichtet. Kriegsdienstverweigerer, die aufgrund
ihrer Entscheidung die Uniform oder Befehle verweigern, werden wegen
Befehlsverweigerung angeklagt und nach Verbüßung der Haftstrafe
erneut einberufen. Dieser Teufelskreis kann ein Leben lang
fortbestehen, da die Wehrpflicht in der Türkei erst nach Ableistung
des Militärdienstes als erfüllt gilt.
Ismail Saygi zieht Kriegsdienstverweigerung zurück
Ismail Saygi hatte Anfang April seine Kriegsdienstverweigerung
zurückgezogen. Die Solidaritätsinitiative Ismail Saygi erklärte in
einer Stellungnahme dazu: "Nachdem er dem Militärgericht überstellt
worden war, wurde er in das Militärgefängnis Maltepe gebracht. Dort
wurde er von anderen anwesenden Soldaten schwer geschlagen. Er wurde
während der gesamten Zeit im Gefängnis misshandelt. Am 26. März
überstellte ihn das Militär nach Kars und brachte ihn in das
Militärgefängnis Sarikamis, das für Misshandlungen berüchtigt ist.
Dass er als Kriegsdienstverweigerer seine Ansicht in der Haft
änderte, zeigt, dass ernsthaft harte Formen existieren, um Druck
auszuüben." Inzwischen leistet Ismail Saygi seine restliche
Dienstzeit beim Militär ab.
Mit der Verfolgung der Kriegsdienstverweigerer verstößt die Türkei
gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
vom 24. Januar 2006. Darin hatte das Gericht festgestellt, dass
wiederholte Anklagen gegen Kriegsdienstverweigerer in Verbindung mit
der Möglichkeit einer lebenslangen Strafverfolgung "im
Missverhältnis zu dem Ziel stehen, die Ableistung des
Militärdienstes sicherzustellen" und damit die Europäische
Menschenrechtskonvention verletzen. Der Ministerausschuss des
Europarates hatte die Türkei zuletzt am 17. Oktober 2007
aufgefordert, "ohne weiteren Verzug eine Gesetzesreform zu
verabschieden, die notwendig ist, um ähnliche Verletzungen der
Konvention zu vermeiden." Connection e.V. fordert die unverzügliche
Freilassung von Halil Savda. Rudi Friedrich ergänzte für die
Organisation, die sich auf internationaler Ebene für
Kriegsdienstverweigerer einsetzt: "Die Türkei muss das Menschenrecht
auf Kriegsdienstverweigerung unverzüglich und uneingeschränkt
anerkennen. Die Kriminalisierung von Kriegsdienstverweigerern,
AntimilitaristInnen und Deserteuren muss beendet werden."
gez. Rudi Friedrich
Weitere Informationen unter www.Connection-eV.de oder unter
069-82375534
derStandard.at, 20.05.2008
30.000 Euro Schmerzensgeld für drei Kurden
Soldaten misshandelten die Männer - Gerichtshof für Menschenrechte
verurteilt Türkei
Straßburg - Die Türkei muss drei Kurden Schmerzensgeld in Höhe von
insgesamt 30.000 Euro zahlen, weil diese bei einem Militäreinsatz
von Soldaten schwer misshandelt wurden. Dies entschied der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Dienstag in Straßburg.
Die Türkei habe gegen das Verbot von Folter und Misshandlungen in
Artikel drei der Europäischen Menschenrechtskonvention verstoßen.
Die heute zwischen 35 und 52 Jahre alten Männer waren im Juli 1999
von den Soldaten festgenommen worden, als türkische
Sicherheitskräfte in ihrem Dorf im Osten des Landes nach Mitgliedern
der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK suchten. Die Kläger
wurden nach eigenen Angaben von den Soldaten mit Knüppeln und
Gewehrläufen zusammengeschlagen. Ein Arzt stellte bei den Opfern
Blutergüsse, Schürfwunden, aufgeplatzte Lippen und ausgeschlagene
Zähne fest.
Trotz dieses Befundes wurden die verantwortlichen Soldaten 2005
"mangels Beweisen" freigesprochen. Der türkische
Kassationsgerichtshof annullierte 2007 den Freispruch, legte den
Fall aber wegen Verjährung zu den Akten. (APA)
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