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Kurdischer Politiker im Hungerstreik
Der kurdische Politiker Abdurrahman Ad?güzel wurde am 6. Mai 2008
verhaftet und befindet sich seitdem im Abschiebegefängnis Rotenburg.
Adigüzel, der in der Türkei gesucht wird, ist seit zehn Tagen im
Hungerstreik. Die Föderation kurdischer Vereine in Deutschland (YEKKOM)
sowie die kurdischen Vereine in Baden-Württemberg fordern seine
sofortige Freilassung.
Adigüzel ist seit vielen Jahren in der kurdischen Befreiungsbewegung
tätig. Am 6. Mai kam er einer Einladung der Ausländerbehörde nach und
wurde dort verhaftet. Am gleichen Tag trat er in einen unbefristeten
Hungerstreik.
Seit 2006 lebt er in Deutschland als Asylbewerber. Wie YEK-KOM
erklärte, wurde sein Asylgesuch abgelehnt, „obwohl konkrete Beweise
vorliegen, dass er in der Türkei gesucht wird. Auch die Tatsache, dass
Adigüzel ein Bein im Krieg in Kurdistan verloren hat, wurde von den
deutschen Behörden nicht beachtet.“
Quelle: ANF, 15.05.2008, ISKU
Chefredakteur von YedinciGün verhaftet
Die Repression gegen oppositionelle Medien in der Türkei reißt nicht
ab. Der Konzessionär und Chefredakteur der Wochenzeitung YedinciGün Ali
Turgay ist in Istanbul verhaftet worden.
Am 14. Mai war die Zeitung mit einem weiteren einmonatigen
Erscheinungsverbot belegt worden. Zwei Tage später wurde Ali Turgay
verhaftet, als er einer staatsanwaltschaftlichen Vorladung folgte. Ihm
wird wegen verschiedener in der Zeitung erschienener Artikel
„Unterstützung der PKK“ vorgeworfen. Sein Rechtsanwalt Özcan Kilic
legte Widerspruch gegen den Haftbefehl ein.
Mit Ali Turgay ist die Anzahl der in der Türkei inhaftierten kurdischen
und oppositionellen Journalisten auf 25 gestiegen.
Quelle: ÖP, 17.05.2008, ISKU
Türkische Bomben treffen Moschee
Bei den jüngsten Luftangriffen der türkischen Armee auf Südkurdistan
ist eine Dorfmoschee getroffen worden. Bereits zuvor waren
Guerillafriedhöfe und Schulen bombardiert worden.
Zu Toten kam es in dem Dorf Kalatuka nicht, weil sich die Bewohner
außerhalb des Dorfes befanden. Allerdings wurden mehrere Häuser, die
Schule sowie die Moschee beschädigt. Wie Azize aus dem Dorf gegenüber
der Nachrichtenagentur ANF mitteilte, habe nach der Zerstörung der
Dorfschule der Lehrer das Dorf verlassen. Jetzt sei auch noch der Imam
gegangen: „Aber wir können unser Dorf nicht verlassen, wir leben von
unseren Gärten, Feldern und Tieren. Unser Leben ist aufgrund der
Luftangriffe in ständiger Gefahr, aber wenn wir hier alles zurücklassen
und gehen, bedeutet das einen anderen Tod für uns. Unsere Häuser werden
getroffen, unsere Schule wurde dem Erdboden gleichgemacht, unsere
Moschee ist nicht mehr benutzbar. Und alle Welt schweigt zu diesen
Angriffen des türkischen Staates, der sich selbst moslemisch nennt.“
Der ehemalige Peschmergakämpfer Mam Hüseyin erklärte gegenüber ANF, die
Region Kandil werde vollkommen isoliert. Er selbst sei 40 Jahre für die
PUK als Peschmerga tätig gewesen und jetzt lasse die kurdische
Regionalregierung die eigene Bevölkerung im Stich. „Ich habe 40 Jahre
lang gegen Saddam und den Iran gekämpft. Diejenigen, die durch den
Kampf des Volkes an die Macht gekommen sind, halten es jetzt noch nicht
einmal für nötig, eine Stellungnahme zu den Luftangriffen auf die
kurdische Bevölkerung abzugeben.“
Quelle: ÖP, 14.05.2008, ISKU
junge Welt, 16.05.2008
»Kriminelle Vereinigung«
Gewerkschaft NGG startet bundesweite Solidaritätskampagne mit
inhaftierten türkischen Kollegen. Beobachterdelegation zum
Prozeßauftakt am 6. Juni
Von Nick Brauns
Zur Solidarität mit verfolgten Gewerkschaftern in der Türkei ruft die
NGG in Dortmund auf. »Mit unserer bundesweiten Kampagne wollen wir
einen Beitrag für die Demokratisierung der Türkei leisten«, erklärte
Selahattin Yildirim von der Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten
gegenüber jW. »Die Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung spielt in der
Türkei die Rolle eines Dynamos beim Kampf um Demokratie.«
Am 1. Mai hatte die islamisch-konservative Regierung von Recep Tayyip
Erdogan der Arbeiterbewegung offen den Krieg erklärt. Die zentrale
Kundgebung am symbolträchtigen Taksim-Platz in Istanbul war wie schon
in den Vorjahren verboten, Polizisten knüppelten die Demonstranten
nieder, stürmten das Gewerkschaftshaus und nahmen rund 800 Menschen
fest. Bei diesen Angriffen handelt es sich nur um die sichtbare Spitze
der Repression. Während die neoliberal ausgerichtete Regierung
Privatisierungen im Rahmen der EU-Annäherung vorantreibt, wird der
Arbeiterwiderstand kriminalisiert.
Ins Visier staatlicher Verfolgung ist insbesondere die
klassenkämpferische Transportarbeitergewerkschaft TÜMTIS geraten, die
sich neben betrieblichen Fragen auch zu politischen Themen wie der
Unterdrückung der Kurden geäußert hat. Seit 20. November 2007 sind
Nurettin Kilicdogan vom TÜMTIS-Vorstand sowie sechs weitere Funktionäre
im Sican-Gefängnis in Ankara inhaftiert. Ihnen wird aufgrund
gewerkschaftlicher Organisationskampagnen, die auf den Widerstand der
Unternehmer stießen, die »Bildung einer kriminellen Vereinigung«
vorgeworfen. Sollten sie für schuldig befunden werden, drohen
Haftstrafen zwischen 15 und 60 Jahren sowie ein Verbotsantrag gegen die
dem größten türkischen Gewerkschaftsdachverband Türk-Is und der
Internationalen Transportarbeiterföderation ITF angeschlossene TÜMTIS.
Der Vorwurf einer »kriminellen Vereinigung« wird auch gegen Aktivisten
der Telekommunikationsgewerkschaft Haber-Is wegen ihrer Beteiligung an
einem Streik von 30000 Beschäftigten der Telekom im November 2007
erhoben. In insgesamt 81 Städten laufen Verfahren gegen Haber-Is, deren
Bevollmächtigte in den kurdischen Städten Batman und Diyarbakir bereits
zu fünf Jahren Haft verurteilt worden sind.
Bundesweit über 200 Betriebsräte, Vertrauensleute und
Gewerkschaftsfunktionäre sowie 19 Bundestags-, Landtags-, und
Europaabgeordnete von SPD, Linke und Grünen haben bislang den Aufruf
der NGG »gegen Unterdrückung und Kriminalisierung der Gewerkschaften in
der Türkei« unterzeichnet. Auch der ver.di-Gewerkschaftstag hatte seine
Solidarität mit TÜMTIS ausgesprochen. Am Prozeß gegen die Aktivisten,
der am 6. Juni in Ankara beginnt, wird eine deutsch-englische
Gewerkschafterdelegation als Beobachter teilnehmen.
junge Welt, 17.05.2008
Polizeigewalt ohne Nachspiel
Türkei: Übergriffe bei Newroz-Feiern und am 1. Mai bleiben bislang
ungeahndet
Von Nico Sandfuchs, Ankara
Die schweren Ausschreitungen am kurdischen Neujahrsfest im vergangenen
März sind von der türkischen Regierung bewußt in Kauf genommen worden.
Zu diesem Schluß kommt eine detaillierte Studie der
»Menschenrechtsstiftung Türkei« (TIHV), die am Donnerstag in Ankara
vorgestellt wurde. Durch ein kurzfristig angesetztes Verbot seien
»illegale« Newroz-Feiern gezielt provoziert worden, heißt es in dem
Bericht. Die Auswertung von Bildmaterial und die Befragung von Zeugen
habe darüber hinaus ergeben, daß die Sicherheitskräfte in vielen Fällen
unprovoziert und »mit übertriebener Gewalt« gegen Demonstranten und
Unbeteiligte vorgegangen seien. Offensichtlich habe man von Anfang an
geplant, die traditionellen Newroz-Feiern an manchen Orten »ohne
Pardon« aufzulösen.
Nichtregierungsorganisationen und die im Parlament vertretene »Partei
der demokratischen Gesellschaft« (DTP) fordern bislang erfolglos
parlamentarische und juristische Sanktionen für die schweren
Polizeiübergriffe, bei denen zwischen dem 22. und 24. März vier
Menschen getötet und Hunderte verletzt worden waren. Verschleppte
staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und eine ausbleibende
parlamentarische Aufarbeitung bedeuteten für die Opfer eine »doppelte
Demütigung«, kritisierte der TIHV-Vorsitzende Yavuz Önen am Donnerstag.
Daß die Ermittlungen gegen einen Polizisten, der einem bereits
festgenommenen Minderjährigen vor laufender Kamera den Arm brach,
bereits eingestellt worden seien, wertete die
Menschenrechtsorganisation als »besonders beängstigend«.
Auch die brutale Polizeigewalt gegen die 1.-Mai-Feierlichkeiten in
Istanbul wird vermutlich kein weiteres parlamentarisches Nachspiel
haben. Mit der Mehrheit der Vertreter der Regierungspartei AKP lehnte
es der Menschenrechtsausschuß der türkischen Nationalversammlung am
Donnerstag ab, eine Kommission zu den Übergriffen zu bilden. Bereits am
Mittwoch war ein im Zusammenhang mit dem 1. Mai gegen Ministerpräsident
Tayyip Erdogan gestellter Mißtrauensantrag an der Regierungsmehrheit
gescheitert.
ISKU | Informationsstelle Kurdistan e.V.
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