|
## Nachricht zur Information/Dokumentation weitergeleitet
DTP-Abordnung in Südkurdistan
Eine Gruppe von DTP-Abgeordneten hat für Gespräche mit Politikern
Südkurdistan besucht. Die Abgeordneten trafen dabei mit dem
irakischen Staatspräsident Talabani, dem Präsidenten des kurdischen
Regionalparlamentes Müftü sowie weiteren Politikern der PUK und der
KDP zusammen. Bei den Gesprächen ging es um eine friedliche Lösung
der kurdischen Frage.
Ein Treffen mit Mesut Barzani, dem Präsidenten der Region
Südkurdistan, kam nach Angaben eines Sprechers Barzanis aus
Zeitmangel nicht zustande.
Quelle: ANF, 08.05.2008, ISKU
Frauenselbstmorde in Südkurdistan
Erneut ist ein Fall von Selbstmord einer jungen Frau in Südkurdistan
bekannt geworden. In Sidekan hat sich eine 17-jährige Frau mit einer
Kalaschnikow erschossen. Seit einem Monat sind mehrere solcher Fälle
öffentlich geworden. Die Regierung, die diese Fälle untersuchen
lässt, veröffentlicht die Untersuchungsergebnisse nicht. Unabhängige
Recherchen gibt es nicht, aber mit der Entwicklung der
Kommunikationsmittel in der Region werden immer mehr Fälle von
Selbstmord und Mord öffentlich. Auch wenn immer noch viele
Selbstmorde und Morde als „Unfälle“ geführt werden, stellen die
Recherchen von Frauenrechtlerinnen einen Anfang dar.
So wurden im April mehrere Fälle bekannt. Vier Frauen verbrannten
sich nach offiziellen Angaben selbst, eine erhängte sich, zwei
weitere erschossen sich. In den meisten Fällen werden „psychische
Probleme“ der Frauen als Grund genannt. Aufgrund der traditionellen
Gesellschaftsstruktur ist es zumeist schwierig, die wirklichen
Hintergründe zu erfahren.
Quelle: ÖP, 08.05.2008, ISKU
Karayilan: Der Krieg hätte ein Ende finden können
BAKI GÜL
BEHDINAN (08.05.2008) – Erstmalig seit den Luftangriffen der
türkischen Armee auf Südkurdistan am 1. Mai hat sich der Vorsitzende
des KCK-Exekutivrats Murat Karayilan gegenüber der Presse geäußert.
In den türkischen Medien war nach dem Angriff neben weiteren
Falschmeldungen auch die Nachricht verbreitet worden, Karayilan sei
bei der Bombardierung ums Leben gekommen.
Der türkische Generalstab gibt Erklärungen zu den Bilanzen der
Militäroperationen ab, die von Ihnen dementiert worden sind.
Insbesondere die Anzahl der Verluste wird stark übertrieben. Warum
wird in diesem Krieg die Desinformation so intensiv betrieben?
Das Hauptziel bei dieser Art von Meldungen ist es, die Menschen zu
beeinflussen, einen ständigen Druck herzustellen und für
Demoralisierung zu sorgen. Es sind Meldungen, die in den Rahmen der
psychologischen Kriegsführung fallen. Die meisten sind erlogen.
Wahrscheinlich gehen auch einfach manche Rechnungen nicht auf und in
dieser Form drücken sie ihre Erwartungen aus. Das ist eine Seite.
Auf der anderen Seite sind wir Teil dieser Bewegung und können auch
jederzeit getroffen werde. Aber selbst wenn das passieren sollte,
wird auch das keinen vernichtenden Schlag für die Bewegung
darstellen, so wie es der türkische Staat gerne haben möchte. Wir
sind vorbereitet, wer und wie viele von uns auch getroffen werden
sollten, wird das den Fortschritt dieser Bewegung nicht erschüttern
können. […]
Es sind zig Meldungen veröffentlicht worden, dass Sie verletzt oder
getötet worden sind, insbesondere in der Hürriyet. Sind Sie bei den
Operationen der letzten Jahre jemals verletzt worden?
Nein, nur vor 99, als ich im Norden im Guerillakampf war, bin ich
mehrmals leicht verwundet worden. Dieses Thema wird stark
polemisiert. Wir treffen unsere Vorsichtsmaßnahmen, haben jahrelange
Erfahrung und so schnell lassen wir uns nicht treffen. Aber
natürlich bereiten wir uns, die Menschen, unsere Strukturen und
unser organisatorisches System auf so eine Möglichkeit vor.
Mit dem Parlamentsbeschluss für grenzüberschreitende
Militäroperationen Ende 2007 haben sich die militärischen Bewegungen
verstärkt. Auch wenn es starke Widersprüche zwischen Washington,
Bagdad, Erbil, Brüssel, Teheran und Ankara gibt, treten ganz andere
Interessen in den Vordergrund, wenn es um die Kurden geht. Wie
analysiert die KCK die Phase seit 2000?
Keine der Kräfte, die über die Region oder über Kurdistan herrschen,
ist für eine kurdische Existenzform. Aber verschiedene
internationale Kräfte wollen sich von ihnen abhängige, ihren
Wünschen entsprechende Kurden schaffen. Unsere Linie, also die von
Abdullah Öcalan geschaffene Linie der „freien Kurden“, passt nicht
in ihr Konzept. Aus diesem Grund besteht seit langem gegen unsere
Bewegung ein Unterdrückungs- und Vernichtungskonzept nicht nur des
türkischen Staates, sondern unter Beteiligung verschiedener Kräfte
zu verschiedenen Zeiten und in der Hauptsache mit Unterstützung der
NATO.
Auf dieser Basis ist unser Vorsitzender gefangen genommen worden,
sind in der internationalen Diplomatie Schritte gegen unsere
Bewegung gesetzt worden. Auf unterschiedlichem Niveau haben Angriffe
von innen und außen stattgefunden. Unsere Linie ist nicht erwünscht,
die Linie der unabhängigen, freien Kurden findet keine Anerkennung.
Dagegen kämpfen wir für Anerkennung. […] Mitte 2006 gab es aus der
Türkei, aus Kurdistan und internationalen Kreisen den Aufruf, einen
Waffenstillstand zu erklären. Wir sind darauf eingegangen. Wenn der
türkische Staat auch positiv darauf reagiert hätte, hätte der Krieg
ein Ende finden können. […]
Quelle: ANF, 08.05.2008, ISKU
Reuters, 11.05.2008
Türkei: Angriffe auf PKK-Rebellen im Norden des Irak
Istanbul (Reuters) - Die Türkei ist nach eigenen Angaben mit
Luftangriffen und Artilleriebeschuss gegen Kurden-Rebellen im
Nordirak vorgegangen.
Der Einsatz in der Nacht zum Sonntag habe einer Gruppe von
PKK-Mitgliedern gegolten, die nach einem Angriff auf einen
türkischen Armeestützpunkt über die Grenze in den Irak geflohen
seien, teilte das Militär am Sonntag mit. Wie viele Opfer es bei dem
nächtlichen Einsatz aufseiten der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK)
gegeben habe werde noch ermittelt. Bei dem Angriff der PKK auf den
Militärstützpunkt am Freitag starben zwei Soldaten, vier weitere
wurden bei anschließenden Gefechten getötet.
Junge Welt, 09.05.2008
Kurdischer Sender soll geschlossen werden
Bundesregierung ließ Räume von Roj TV in Wuppertal wegen angeblicher
Unterstützung der PKK durchsuchen
Von Nick Brauns
Die Bundesregierung versucht, eine Stimme der kurdischen
Freiheitsbewegung zum Schweigen zu bringen. Auf Anordnung des
Bundesinnenministeriums durchsuchten am Mittwoch Staatsschutzbeamte
das Studio des kurdischen Satellitensenders Roj TV in Wuppertal.
Auch die Räumlichkeiten der Produktionsfirma VIKO und die Wohnungen
von 15 Mitarbeitern des Senders sowie von Journalisten der
Tageszeitung Özgür Politika wurden durchsucht. Die Polizei
beschlagnahmte Filmmaterial, Computer, CDs, Unterlagen und selbst
ein Hochzeitsvideo.
Das Bundesinnenministerium hält sich bedeckt: »Die Aktion erfolgte
aufgrund eines vereinsrechtlichen Verfahrens.« Gemeint ist das
PKK-Verbot. So soll Roj TV ein Propagandasender der verbotenen
Arbeiterpartei Kurdistans PKK sein, über den kurdische Jugendliche
in Europa dazu aufgefordert worden seien, sich der Guerilla in
Kurdistan anzuschließen.
Der seit 2004 in Dänemark lizenzierte Sender Roj TV mit Studios in
Brüssel und Wuppertal erreicht mit seinen Nachrichten-, Politik- und
Kultursendungen in türkischer, kurdischer, arabischer und persischer
Sprache täglich Millionen Zuschauer in Europa und im Nahen Osten.
Regelmäßig kommen hochrangige Vertreter der kurdischen
Befreiungsbewegung in Live-Zuschaltungen aus den kurdischen Bergen
zu Wort.
Nachdem bereits in den letzten Monaten erhebliche Verschärfungen bei
der Strafverfolgung kurdischer Aktivisten in Deutschland zu
beobachten seien, zielten diese Durchsuchungen darauf ab, eine
kritische Berichterstattung über die eskalierende Situation in der
Türkei und Kurdistan zu verhindern, warnte Monika Morres vom
Rechtshilfefonds für Kurden AZADI in Düsseldorf. Die türkische
Regierung drängt seit langem auf eine Schließung von Roj TV.
Unterstützung bekommt Ankara inzwischen von den USA. Der Direktor
der Antiterrorabteilung im US-Außenministerium, Frank C. Urbancic
Jr, nannte den Sender eine »Speerspitze des Terrorismus« und
versprach, die europäischen Staaten zur Schließung zu bewegen. Ein
erster von den US-Antiterrorexperten initiierter Versuch der
belgischen Behörden, Roj TV durch eine angebliche millionenschwere
Steuerschuld zum Verstummen zu bringen, scheiterte Ende Februar.
Jetzt soll die Keule des PKK-Verbots gegen den Sender in Deutschland
geschwungen werden.
Seit Mitte Dezember läuft eine großangelegte Offensive in den
kurdischen Gebieten gegen die Bevölkerung, die Guerilla und die
Partei für eine Demokratische Gesellschaft DTP. Die Polizeiaktionen
in Deutschland haben genau damit zu tun«, sagte Mehmet Demir,
stellvertretender Vorsitzender der Föderation Kurdischer Vereine in
Deutschland Yek Kom, am Donnerstag gegenüber junge Welt. »Auch hier
möchte der Staat die Kurden zum schweigen bringen. Deshalb geht man
gegen die Medien vor, die seit Jahren versuchen, der Öffentlichkeit
die Probleme des kurdischen Volkes nahe zu bringen und Vorschläge
für eine friedliche Konfliktlösung zu verbreiten«, so Demir.
ISKU | Informationsstelle Kurdistan e.V.
Büro für Internet- und Öffentlichkeitsarbeit: Schanzenstr. 117;
20357 Hamburg, E- mail: isku@nadir.org; Internet: http://isku.org
Tel: 040/42102845
Bankverbindung: PB Köln, BLZ 370 100 50, Kto.Nr.: 3968-506
|