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KCK-Erklärung zum Luftangriff auf Kandil
In einer schriftlichen Erklärung hat sich der Exekutivrat der KCK zu
den jüngsten Bombardierungen der türkischen Armee auf Kandil in
Südkurdistan geäußert. Demnach hat der Luftangriff dem
PJAK-Hauptquartier und weiteren PJAK-Einheiten gegolten. Das
Pressebüro der PJAK sei dabei getroffen worden und sechs
PJAK-Mitglieder ums Leben gekommen, darunter fünf in der
Pressearbeit tätige Personen. Betroffen seien auch Dörfer in der
Umgebung, in denen es zu schweren Sachschäden gekommen sei. Weiter
heißt es in der Erklärung: „Es konnte festgestellt werden, dass bei
dem Angriff auch Bomben us-amerikanischer Bauart, die nach 2001
entwickelt wurden, sowie eine Waffe, die verschiedene Gase enthält,
eingesetzt wurden. Mit Sicherheit handelt es sich bei diesen Waffen
um solche, die nach internationalem Kriegsrecht geächtet werden. Die
Recherchen dazu dauern noch an. Wir rufen alle
Menschenrechtseinrichtungen dazu auf, Untersuchungen in den
betroffenen Gebieten anzustellen und die Ergebnisse der
Öffentlichkeit mitzuteilen.“
Weiterhin wird in der KCK-Erklärung erneut darauf aufmerksam
gemacht, dass entgegen der Verlautbarungen des türkischen
Generalstabs nicht die PKK, sondern die PJAK von dem Angriff
betroffen gewesen sei: „Außer den genannten sechs Verlusten haben
weder die PJAK noch andere Kräfte im Gebiet Verluste erlitten. Die
Zahlen, die der türkische Generalstab genannt hat, sowie die in den
türkischen Medien erschienene Meldung, dass auch Führungskräfte der
PKK dabei ums Leben gekommen sind, sind erlogen. Mit der Gewalt, die
gegen die Werktätigen in der Türkei am 1. Mai eingesetzt wurde,
sowie diesem Luftangriff auf Kandil in derselben Nacht, soll zum
Ausdruck gebracht werden, dass alle Kräfte, die in Opposition zu dem
System stehen, unterdrückt werden.
Bei seinem kürzlichen Irak-Besuch hat der iranische Staatspräsident
Ahmednejat die Türkei und den Irak dazu aufgerufen, gemeinsam mit
dem Iran gegen die kurdische Befreiungsbewegung vorzugehen. Die
Aufklärungstätigkeiten beider Staaten im Grenzgebiet und über
Kandil, die als Resultat eines zwischen der Türkei und dem Iran
geschlossenen Bündnisses entstanden sind, haben bereits im Vorfeld
darauf hingewiesen, dass eine gemeinsame Angriffsphase auf die
kurdische Befreiungsbewegung stattfinden wird. Drei Tage vor dem
Angriff fand eine gemeinsame Aufklärung über dem PJAK-Gebiet der
Türkei, des Iran und des Irak statt. Einen Tag vor dem Angriff waren
US-Aufklärungsflugzeuge über dem betroffenen Gebiet. Daraus ist
deutlich geworden, dass beide Seiten ihre Aufklärungsergebnisse
zusammengebracht haben. Die Antwort auf die Frage, welche Staaten
bei dem Angriff auf das PJAK-Zentrum zusammen gearbeitet haben, ist
wichtig. Damit lässt sich gleichzeitig aufdecken, welche
Machenschaften gegen das kurdische Volk laufen. Der Angriff der
Türkei mit Zustimmung und Unterstützung der USA gegen die PJAK, die
in Ostkurdistan gegen den Iran kämpft, wirft viele Fragen auf. Wenn
man beachtet, dass der Iran gemeinsam mit der Türkei vorgeht, zeigt
sich auf ironische Weise auch die Zusammenarbeit der USA mit dem
Iran. […] Besteht bei diesem Angriff ein Bündnis zwischen Iran,
Türkei, Irak und den USA? Ist es möglich, dass sich der Iran und die
USA gegen den kurdischen Befreiungskampf vereinen? Welche
schmutzigen Berechnungen liegen dem zugrunde? […] Was ist die Rolle
des Iraks dabei und was hat er für seine Zustimmung zu diesem
Angriff bekommen? Wie begegnet die kurdische Regionalregierung
diesem Angriff, nachdem wenige Tage zuvor eine Abordnung von ihr in
Bagdad mit einer türkischen Delegation zu Gesprächen zusammen
getroffen war?“
Insbesondere die kurdische Regionalregierung, aber auch andere
Institutionen und Organisationen in allen vier Teilen Kurdistans
seien dazu aufgerufen, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen,
dafür zu kämpfen, dass kein Kurde zum Statist in diesem schmutzigen
Szenario werde, Stellung gegen den brutalen Angriff auf die PJAK zu
beziehen, die Stimme zu erheben und sich für die gemeinsamen
Interessen zu vereinen.
Quelle: ANF, 05.05.2008, ISKU
Bombardierung und Embargo
Die Zivilbevölkerung in Kandil ist sowohl von der Bombardierung der
Türkei als auch einem Embargo der kurdischen Regierung betroffen.
Die Kinder können nicht mehr zur Schule gehen, die meisten Lehrer
haben die Dörfer verlassen. Es bestehen massive Versorgungsprobleme
mit Lebensmitteln und Medikamenten. Gesundheitsdienstleistungen gibt
es fast gar nicht mehr. Seit drei Tagen verbringen die Menschen die
Nächte wieder in Höhlen und selbstgebauten Bunkern. Neben Straßen,
Schulen und Wohnhäusern sind auch immense Schäden in der Tierhaltung
entstanden.
Quelle: ÖP, 05.05.2008, ISKU
PUK sperrt Kandil für Medienvertreter
Nach dem Luftangriff der türkischen Armee auf Kandil haben
Peschmerga der PUK 40 Medienvertreter daran gehindert, in das
betroffene Gebiet zu fahren. Betroffen waren neben kurdischen
Journalisten auch Vertreter internationaler Nachrichtenagenturen.
Auf die Frage, wie lange das Verbot gelten solle, hieß es lediglich,
es sei unbefristet.
Einzig der kurdische TV-Sender Roj TV sowie ANF berichten aus den
bombardierten Gebieten.
Quelle: ANF, 04.05.2008, ISKU
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