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news: 29.4.2008

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DTP-Vorsitzender aus U-Haft entlassen

Istanbul (AP) Ein türkisches Militärgericht hat am Montag den Vorsitzenden der prokurdischen Partei DTP, Nurettin Demirtas, aus der Untersuchungshaft entlassen. Demirtas saß seit Dezember in Haft. Ihm wird vorgeworfen, falsche Gesundheitsattests vorgelegt zu haben, um dem Militärdienst zu entgehen. In der Türkei müssen alle Männer über 20 Jahre bis zu 15 Monate Wehrdienst leisten. Bei
gesundheitlichen Problemen können sie freigestellt werden.

Der Vorwurf gegen Demirtas wurde nicht fallengelassen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Der Politiker saß bereits von 1993 bis 2005 wegen Mitgliedschaft in der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Gefängnis. Im November wurde Demirtas zum Vorsitzenden der Partei für eine Demokratische Gesellschaft (DTP) gewählt.

Demirtas wurde nach seiner Haftentlassung einer Militäreinheit überstellt.

Quelle: AP/ANF, 28.04.2008, ISKU

DTP warnt vor Balkanisierung

Auf einer Fraktionssitzung der DTP hat der Fraktionsvorsitzende Ahmet Türk sich zu den faschistischen Angriffen auf eine
Veranstaltung seiner Partei in Sakarya geäußert. Türk machte auf die Verantwortung der Hintermänner dieser Aktion aufmerksam und bezeichnete sie als „organisiert und geplant“. Aufgrund der Besonnenheit der Teilnehmer der kurdischen Veranstaltung habe eine größere Katastrophe verhindert werden können, so Türk. Falls der Nationalismus in der Türkei nicht gestoppt werde, werde eine Balkanisierung einsetzen.

Weiter sprach Türk von „kritischen Entwicklungen die Zukunft der Türkei betreffend“. Es gehe um die Frage, ob „die Türkei ein Land der Demokratie, des Friedens, der Freiheiten und der Gerechtigkeit oder zur Dunkelheit des Mittelalters zurückkehren“ werde. Die DTP habe sich seit ihrem Einzug ins Parlament stets für Dialog und Verständigung eingesetzt. „Wir haben gesagt, die Militäroperationen sollen gestoppt werden, es soll keinen Krieg mehr geben, und sie sind mit Panzern über uns gerollt. Am 8. März, zu Newroz haben wir gesagt, es lebe die Geschwisterlichkeit der Völker, und haben eine sehr harte Antwort darauf bekommen. Auf uns wurde geschossen, wir wurden verprügelt, wir wurden ermordet, ins Gefängnis geworfen. Es wurde versucht, uns zum schweigen zu bringen. An manchen Orten traf es die Mütter, an anderen war es ein 15-jähriger Junge, dem mitten auf der Straße der Arm gebrochen wurde.“

Bei den Angreifern in Sakarya habe es sich um eine
„nationalistische, rassistische Gruppe“ gehandelt. Der Gouverneur der Stadt habe die Vorfälle heruntergespielt, aber die Gruppe habe über fünf Stunden hinweg ihre Angriffe mit rassistischen Parolen und Beleidigungen fortgesetzt. Das Szenario habe deutlich gemacht, welche Dimensionen Nationalismus, Rassismus und Chauvinismus in der Türkei angenommen haben. „Die angreifenden Gruppen haben nicht aus Eigeninitiative gehandelt. Hinter ihnen stehen Kräfte, die sie dorthin geschickt und in Bewegung gesetzt haben.“

Quelle: ANF, 29.04.2008, ISKU

junge Welt, 29.04.2008

»Für ein Ende der Gewaltpolitik«

Neue Initiative zur friedlichen Lösung des Kurdenkonflikts in der Türkei

Von Nico Sandfuchs, Ankara

Die Türkei hat es in den letzten Monaten verstanden, in Eu­ropa und den USA Schützenhilfe für eine militärische Lösung der Kurdenfrage zu mobilisieren. Beinahe im wöchentlichen Turnus läßt Ankara Stellungen der PKK im Nordirak bombardieren, im Februar überquerten türkische Truppen die Grenze zu dem Nachbarland. Zu ernstgemeintem internationalen Protest hat dies allerdings bislang nicht geführt. In Brüssel und Washington ist vielmehr von »Verständnis für die Türkei und ihren Kampf gegen den Terror« die Rede.

Gegen die Selbstverständlichkeit, mit der die Kurdenfrage derzeit auf ein »Terrorproblem« reduziert wird, macht sich deshalb eine internationale Initiative kurdischer Parteien und Intellektueller stark. Durch den Versuch, ausschließlich mit Militäroperationen eine Lösung herbeizuführen, werde das Zusammenleben von Kurden und Türken nur noch weiter vergiftet, heißt es dem »Aufruf zur friedlichen Lösung des Kurdenproblems«, den bereits fast 1000 kurdische Politiker, Akademiker und Künstler gezeichnet haben. Ankara solle sich statt dessen den hausgemachten Ursachen des Konflikts stellen und den Kurden die gleichen Rechte wie den türkischen
Bevölkerungsteilen zugestehen.

Daß es um diese Gleichberechtigung alles andere als rosig bestellt ist, macht ein Beispiel deutlich, das in dem Appell angeführt wird. So seien zwar rund ein Viertel der Bevölkerung der Türkei Kurden – doch gäbe es unter den mehr als 100 ausgestrahlten Fernsehkanälen aufgrund der staatlichen Verhinderungspolitik keinen einzigen kurdischen Sender. Nicht anders ist es um den Rundfunkbereich bestellt, auch an den 130 Universitäten und Hochschulen des Landes ist der Unterricht kurdischer Sprache und Kultur noch immer ein Tabu.

Die Initiative appelliert deshalb an die Verantwortlichen in der Türkei, im Rahmen einer umfassenden Verfassungsreform die
kulturellen, politischen und sozialen Rechte der nichttürkischen Bevölkerung umzusetzen. Auch an Brüssel und Washington ergeht der Aufruf, sich nicht länger mit der »Gewalt- und Verleugnungspolitik« Ankaras zu solidarisieren. Hilfreich könne hingegen »ein Engagement von Politikern wie Tony Blair, Marti Ahtisaari, Felipe González oder Bernard Kouchner sein, die bereits bei der Lösung anderer Konflikte (...) Erfahrung gesammelt haben«.


ISKU | Informationsstelle Kurdistan e.V.
Büro für Internet- und Öffentlichkeitsarbeit: Schanzenstr. 117; 20357 Hamburg, E- mail: isku@nadir.org; Internet: http://isku.org Tel: 040/42102845
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30.04.08    Kurdistan Infos <kigb@gmx.de>
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