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news: 16.4.2008

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Urteil im Prozess gegen kurdische Bürgermeister

Ein Gericht in Diyarbakir hat am Dienstag das Urteil im Prozess gegen 56 kurdische Bürgermeister gefällt. Die überwiegend der »Partei der Demokratischen Gesellschaft« (DTP) angehörenden Politiker hatten im Dezember 2005 an den dänischen
Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen appelliert, türkischen Forderungen nach Schließung des aus Kopenhagen sendenden kurdischen Fernsehkanals Roj TV nicht nachzugeben. Dieser Appell sei als Straftat zu werten, da Roj TV »Propaganda« für die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) betreibe, ließ das Gericht gestern verlauten. Gegen 53 der Angeklagten verhängten die Richter deshalb eine Haftstrafe von zwei Monaten und 15 Tagen, die als Geldstrafe in Höhe von jeweils 900 Euro zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Aufsehen erregenden Prozess 15 Jahre Haft verlangt.

Der Oberbürgermeister von Diyarbakir Osman Baydemir erklärte vor Gericht: „Wir stehen hinter jedem der 405 Wörter unseres Briefes und wiederholen hiermit seinen Inhalt.“ Weiterhin wies Baydemir darauf hin, dass der auch im Ausland bekannt gewordene
„Türkentum“-Paragraph 301 vor allem in den westlichen Regionen der Türkei Anwendung finde, während in den kurdischen Gebieten mehr die Artikel 215, 216, 217, 220, 288 und 314 zur Einschränkung der Meinungsfreiheit eingesetzt würden. „All diese Paragraphen, die die Meinungsfreiheit behindern, müssen abgeschafft werden.“

Der dänische Ministerpräsident Rasmussen bezeichnete das Urteil als „unverständlich“.

Quelle: jw/ÖP, 16.04.2008, ISKU

HPG-Kämpferin verletzt im Gefängnis

Die HPG-Kämpferin Günes Tekin, die bei einem Gefecht in Dersim am 10. April verwundet in türkische Gefangenschaft geraten ist, ist nach einer gestrigen Operation in schwer verletztem Zustand ins Gefängnis in Elazig überstellt worden. Heute konnten ihre Schwester sowie zwei Anwälte mit ihr sprechen. Dabei stellte sich heraus, dass sie sechs Schusswunden in Armen und Beinen hat.

Über das Gefecht gab Tekin bei dem Gespräch an: „Es war eine Punktoperation. Wir waren in einer Höhle. Einige Stunden lang wurde die Höhle bombardiert. Sie hatten alle strategischen Gipfel eingenommen. In der Erwartung, dass chemische Waffen eingesetzt werden, haben wir die Höhle verlassen. Mehrere Freunde wurden getroffen. Mit drei weiteren Freunden gelang es uns, die erste Umzingelung zu durchbrechen. Dabei wurde ich angeschossen und fiel hin. Die Freunde müssen gedacht haben, dass ich tot bin. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich unter den Soldaten.“

Quelle: ANF, 15.04.2008, ISKU

„Mein Sohn wurde heimlich begraben“

Dass die türkische Armee bei ihrer Operation im Zap viel höhere Verluste hatte als angegeben, ist seit langem bekannt. Jetzt erklärte eine Soldatenmutter gegenüber der Zeitung Özgür Politika, ihr bei der Operation ums Leben gekommene Sohn sei auf Befehl des Militärs und des „Vereins der Märtyrerfamilien“ heimlich begraben worden. Als Begründung sei ihr gesagt worden, man wolle der „PKK keine Freude machen“. Vom Tod ihres Sohnes habe sie erst fünf Tage später erfahren.

Zur Beerdigung ihres Sohnes erklärte G.C.: „Wir haben ihn nachts begraben. Eine Trauerfeier fand nicht statt. Sie sagten uns: ‚Machen wir den PKKlern keine Freude’. Eine Person vom ‚Verein der
Märtyrerfamilien’ kam und meinte, er solle ‚für den Staat’ in der Dunkelheit begraben werden. ‚Ihr Sohn hätte das so gewollt’, sagte er. Personen mit Rangabzeichen sagten außerdem, es könne bei einer Trauerfeier zu Auseinandersetzungen kommen und wir sollten dem türkischen Militär vertrauen. Mein Sohn hat nicht für die Befreiung von Izmir oder Antep gekämpft. Wie soll ich sagen, es war fürs Vaterland? Wie soll ich einen weiteren Sohn zum Militär schicken? Von wem soll ich wofür Rache fordern? Weil ich leide, soll ich deshalb fordern, dass auch andere leiden? Wenn darüber offen gesprochen wird, vielleicht hört es dann auf, dass Mütterherzen brechen, junge Menschen sterben und heimlich begraben werden. Ich habe keine Angst, aber ich habe Enkel und Töchter. Was wird mit ihnen geschehen, wenn ich offen im Fernsehen oder in einer Zeitung spreche? Werden nicht die, die meinen Sohn heimlich begraben haben, auch meinen Enkel heimlich etwas antun? Wer auf Krieg setzt, ist kein Moslem, kein Mensch. Recep Tayyip Erdogan schickt unsere Kinder in die Berge. Soll er erst seine eigenen schicken und dann den Mund aufmachen. Nur türkische, kurdische Mütter können diesen Krieg stoppen. Wer ein Gewissen hat, hört auf die Mütter.“

Quelle: ANF, 15.04.2008, ISKU

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18.04.08    Kurdistan Infos <kigb@gmx.de>
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