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Biji Newroz!
Hunderttausende Menschen sind am Freitag zu Newroz zusammengekommen,
um ihren Willen nach einem autonomen, demokratischen Kurdistan zum
Ausdruck zu bringen.
In Diyarbakir nahmen über 500 000 Menschen an der Feier teil, die zu
einer Massendemonstration gegen die Militäroperation wurde.
Massenweise strömten die Menschen ab sechs Uhr morgens in
traditioneller Kleidung, geschmückt mit den Farben gelb-rot-grün mit
Abdullah-Öcalan-Plakaten auf das neue Newrozgelände. Jugendliche
trugen Stirnbänder mit der Aufschrift 'Biji Newroz' und 'Biji Serok
Apo', Homosexuelle nahmen mit eigenen Fahnen ihren Platz auf dem
Festgelände ein. Während des Festprogramms wurde eine Newrozrede
Abdullah Öcalans aus dem Jahr 1998 abgespielt, im Anschluss fand ein
fünfminütiger Sitzstreik aus Protest gegen die Isolation statt.
Kampfflugzeuge flogen Tiefflüge über den Platz. Massig waren auch
in- und ausländische Medienvertreter anwesend, mehrere Kanäle
sendeten live vom Platz, darunter auch erstmalig Roj TV mit einer
fünfstündigen Livesendung. Auch die Redner und Ehrengäste – von
Ahmet Türk (DTP) über den Oberbürgermeister Osman Baydemir bis zu
Leyla Zana und der EP-Abgeordneten Feleknas Uca - trugen
traditionelle kurdische Kleidung.
In Mersin wurde das Newrozfeuer von der DTP-Vorsitzenden Emine Ayna
angezündet, die vor Zehntausenden Menschen erklärte: “Die
Bevölkerung ist seit Monaten auf der Straße und hat dem Staat, der
EU und den USA eine klare Botschaft gegeben: Wir verzichten nicht
auf unsere Rechte, wir geben unseren Kampf für Freiheit nicht auf.
Von uns wird gefordert, dass wir ‘Terrororganisation’ sagen. Das
werden wir nicht tun. Denn damit will der Staat den Tod von
Tausenden Menschen legitimisieren. Das werden wir nicht zulassen.”
In Sirnak und den Kreisen Cizre, Idil, Uludere und Beytüssebap
nahmen ca. 50 000 Menschen an verschiedenen Feiern teil, in Agri 15
000, in Antep 20 000, in Varto, Mardin-Kiziltepe und Mardin-Nusaybin
jeweils 10 000, in verschiedenen Kreisstädten von Urfa insgesamt 13
000, in Elazig und Adana-Ceyhan 5000.
In mehreren Städten kam es aufgrund von Polizeiangriffen zu
Festnahmen und Verletzten. In Hakkari gingen aus Protest gegen das
Verbot der für morgen geplanten Newrozfeier Tausende Menschen auf
die Straße und zündeten Feuer an. In Batman wurde ein für morgen
ausgesprochenes Verbot des Gouverneurs zurückgenommen, nachdem das
Vorbereitungskomitee für die Feier erklärt hatte, diese werde unter
allen Umständen stattfinden.
Quelle: DIHA/ANF, 21.03.2008, ISKU
junge Welt, 22.03.2008
Millionen Menschen für Frieden in Kurdistan
Kurden in der Türkei feiern Neujahrsfest Newroz. Veranstaltungen am
Wochenende verboten
Von Nick Brauns, Cizre
Frieden und Freiheit waren die zentralen Forderungen von Millionen
Kurden, die am Freitag in der Türkei das Newrozfest feierten. An der
größten Veranstaltung in der Metropole Diyarbakir nahmen über eine
halbe Million Menschen teil, in Städten wie Cizre oder Sirnak nahe
der irakischen Grenze beteiligten sich jeweils rund 20000 Menschen.
Ein Meer aus gelben Fahnen mit der roten Rose der Partei für eine
demokratische Gesellschaft DTP dominierte die Feiern. Erst vor
wenigen Tagen war in der Türkei ein Verbotsverfahren gegen diese
auch im Parlament vertretene Partei eingeleitet worden, weil sie
sich nicht von der Arbeiterpartei Kurdistans PKK und dem auf der
Gefängnisinsel Imrali gefangengehaltenen Kurdenführer Abdullah
Öcalan distanzieren wollte. Die Verbundenheit großer Teile der
kurdischen Bevölkerung mit der PKK und Öcalan wurde auch auf den
Newrozfesten in diesem Jahr wieder deutlich. Polizei und Militär
waren mit Panzerwagen und schwerbewaffneten Polizisten präsent.
Offenbar zur Einschüchterung der Feiernden überflog ein
Kampfhubschrauber den Festplatz in Cizre im Tiefflug und schoß zwei
Raketen ab.
»Wir haben auf unserer Reise zahlreiche Panzer gesehen, die die
»deutsche Regierung der Türkei geliefert hat. Dafür schämen wir
»uns«, erklärte ein Vertreter des Kurdistan-Solidaritätskomitees
»Berlin in einem Grußwort auf dem Newrozfest in Cizre. Um Arbeiter
»und Schüler von der Teilnahme an den Veranstaltungen abzuhalten,
»hatten die Provinzgouverneure die Feste nur werktags genehmigt, für
»das Wochenende geplante Zusammenkünfte in Hakkari, Batman und Van
»wurden verboten. Bereits in der Nacht zum Freitag kam es in
»zahlreichen kurdischen Städten zu spontanen Newrozfeiern, vor allem
»Kinder und Jugendliche entzündeten Autoreifen und skandierten den
»Namen Abdullah Öcalan. Dutzende Demonstranten wurden festgenommen,
»als die Polizei die Feiern angriff. In einem Dorf bei Cizre
»schossen paramilitärische Dorfschützer auf Feiernde und verletzten
»mehrere Personen.
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