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news: 26.3.2008

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Kein Besuch bei Öcalan

Am heutigen Mittwoch sind die Verteidiger Abdullah Öcalans sowie seine Schwester Fatma erneut auf dem Weg zur Gefängnisinsel Imrali zurückgewiesen worden. Als Begründung wurden schlechte
Wetterbedingungen genannt. In der vergangenen Woche war der Besuch am Mittwoch mit der gleichen Begründung unterbunden worden, allerdings konnten die Anwälte den Besuch am Freitag durchführen.

Quelle: ANF, 26.03.2008, ISKU

72 Verhaftungen in fünf Städten

Hunderte Menschen, die zu Newroz festgenommen worden waren, sind inzwischen dem Haftrichter vorgeführt worden. In Adana, Mu?, ?zmir, Denizli und Cizre ist gegen 72 Personen Haftbefehl ausgesprochen worden. In Van wurden von 158 festgenommenen Personen bisher 58 dem Haftrichter vorgeführt, acht Personen wurden verhaftet, 50
freigelassen.

Die Festnahmewelle dauert unterdessen in vielen Städten weiter an.

Quelle: ANF, 26.03.2008, ISKU

Deutschland überprüft Ilisu-Garantie

Die deutsche Regierung hat eine erneute Überprüfung der Garantie für Züblin für den Bau des Ilisu-Staudamms angekündigt. Züblin ist Teil des am Bau beteiligten Konsortiums. Grund für die Überprüfung ist die Nichteinhaltung der vorgegebenen Kriterien. Insbesondere sei die Frage nicht geklärt, was mit den betroffenen Menschen in der Staudammregion geschehen werde. Nach einer Erklärung von Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul soll die Kreditvergabe unverzüglich gestoppt werden, wenn sich herausstelle, dass der Staudamm nicht internationalen Kriterien entspreche.

Quelle: ANF, 26.03.2008, ISKU

junge Welt, 26.03.2008

Härtere Bandagen

Türkei: Auseinandersetzungen zwischen Kemalisten und Religiösen spitzen sich zu. Weitere Maßnahmen gegen Geheimbund »Ergenekon«

Von Nico Sandfuchs, Ankara

Die Art und Weise, wie der kemalistische Journalist Ilhan Selcuk am vergangenen Freitag verhaftet worden ist, könnte tatsächlich den Schluß nahelegen, daß es sich bei der spektakulären Aktion vor allem um Schikane handelte. Um vier Uhr nachts rückte ein
Antiterrorkommando der Polizei an, um den angesehenen
Intellektuellen im Schlaf zu überwältigen. Dabei war Gegenwehr kaum zu erwarten gewesen: Der Festgenommene ist immerhin bereits 84 Jahre alt – und schwer herzkrank.

Selcuk wird vorgeworfen, Mitglied der Organisation Ergenekon zu sein, einer kriminellen paramilitärischen Verbindung, die an der Planung und Durchführung zahlreicher Anschläge beteiligt gewesen sein soll. Besonders brisant: Auch einige Exmilitärs sitzen inzwischen im Zusammenhang mit Ergenekon in Untersuchungshaft, darunter Veli Kücük, Gründer des berüchtigten Militärgeheimdienstes JITEM, der für zahlreiche extralegale Hinrichtungen und brutale Folter verantwortlich zeichnet. Längst ist Ergenekon deshalb zum Sinnbild geworden für den »tiefen Staat« – für die jahrzehntelange Praxis, sich im Kampf gegen Linke und die als »separatistisch« bezeichnete kurdische Freiheitsbewegung skrupellos mafioser und faschistischer Strukturen zu bedienen.

Daß zusammen mit dem Journalisten Ilhan Selcuk nun auch Dogu Perincek, der Vorsitzende der türkischen »Arbeiterpartei«(IP), verhaftet worden ist, hat kaum jemanden überrascht. Die von Perincek gegründete »Arbeiterpartei« gibt sich zwar als »linke« Organisation, propagierte in den vergangenen Jahren aber zunehmend einen kruden und gewalttätigen Nationalismus, der sich insbesondere gegen die Kurden und andere nichttürkische Minderheiten richtet. Mit ihrem Auftreten paßt die IP bestens in das Konzept des »tiefen Staates«. Seit Jahren kursieren zudem Gerüchte über Dogu Perinceks Beziehungen zum türkischen Geheimdienst. Daß Perincek ein »führendes Mitglied« von Ergenekon sein könnte, wie türkische Ermittler jetzt behaupten, wird deshalb durchaus für möglich gehalten.

Ganz anders hingegen bei Ilhan Selcuk. Der prominente Intellektuelle ist vor allem als einer der schärfsten Gegner von Ministerpräsident Tayyip Erdogan bekannt. In seinen Kolumnen für Cumhuriyet, dem wichtigsten Blatt der kemalistischen Opposition, weist Selcuk regelmäßig auf die »Gefahr« hin, die von der gemäßigt-religiösen Regierungspartei AKP für die laizistische Staatsordnung und die Demokratie ausgehe. Viele hegen nun die Vermutung, daß die
Verhaftung Selcuks ein Racheakt von Erdogan sein könnte, um die Kemalisten für das kürzlich gegen die Regierungspartei in Gang gesetzte Verbotsverfahren abzustrafen. »Die Aktion zeigt, daß die AKP daran arbeitet, sich ihren eigenen ›tiefen Staat‹ zu schaffen«, warnt Oppositionschef Deniz Baykal.

Zwar ist Ilhan Selcuk inzwischen wieder auf freiem Fuß. Doch daß es überhaupt zu der Verhaftung kommen konnte, zeigt vor allem eines: Der Machtkampf zwischen Kemalisten und Religiösen spitzt sich weiter zu – nicht nur in der politischen Arena..


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29.03.08    Kurdistan Infos <kigb@gmx.de>
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