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Antifolterkomitee des Europarats verlangt bessere Haftbedingungen
für Öcalan
Die Experten des Komitees fordern ein Ende der Einzelhaft für
Abdullah Öcalan gefordert. Der Geisteszustand des Ex-Chefs der
verbotenen Kurdenpartei PKK verschlechtere sich dadurch zusehends,
stellte das Antifolterkomitee von Europas ältester gemeinsamer
Institution zum Schutz der Menschenrechte fest. In ihrem Bericht von
diesem Donnerstag bestätigten die Mitglieder des Komitees hingegen,
dass Öcalan nicht einem Giftanschlag zum Opfer fiel.
Seit fast neun Jahren sitzt er wegen Hochverrats als einziger
Häftling auf der Insel Imrali ein. In Haar-Stichproben, die das
Komitee bei einem früheren Besuch genommen hatte, stellten
europäische Gutachter erhöhte Schwermetall-Werte fest. Diese seien
jedoch auf Umweltbedingungen oder die Ernährung zurückzuführen,
heißt es in dem Bericht.
Die Anhänger des inzwischen 59jährigen, die regelmäßig für seine
Freilassung demonstrieren, hatten einen Giftanschlag befürchtet. Die
türkische Regierung lehnte die Forderung des Antifolterkomitees,
Öcalan Kontakt zu anderen Häftlingen zu ermöglichen und die
Besuchsbedingungen zu verbessern, umgehend ab: Öcalan sei für den
Tod tausender Menschen verantwortlich.
EuroNews, 06.03.2008
Ein Toter bei Kurden-Demonstration in Van
DTP erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei
Ankara - Bei einer Kurden-Demonstration in der Türkei ist ein
Teilnehmer unter ungeklärten Umständen tödlich verletzt worden. Der
Mann sei in der Nacht in einem Krankenhaus in der osttürkischen
Stadt Van gestorben, sagte am Donnerstag ein hochrangiger
Polizeibeamter, der anonym bleiben wollte. Der Demonstrant sei von
einem Stein am Kopf getroffen worden, als sich am Mittwoch
Teilnehmer eines von der pro-kurdischen Partei DTP organisierten
Festivals zu einem Protestzug zusammenschlossen.
Die DTP machte die Polizei für den Tod des Demonstranten
verantwortlich. Zehn Polizeibeamte hätten den 58-Jährigen im Hof des
Krankenhauses mit Schlagstöcken zu Tode geprügelt, erklärte die
Partei. Zudem hätten sie die medizinische Versorgung mit Gewalt
behindert.
Der Polizeichef von Van, Mehmet Salih Kesmez, sagte der türkischen
Nachrichtenagentur Anadolu, bei den Protesten seien 14 Polizisten
verletzt worden, einer von ihnen schwer. 101 Menschen seien
festgenommen worden.
Medienberichten zufolge setzte die Polizei Tränengas ein und gab
Warnschüsse ab. Protestteilnehmer hätten in Parolen ihre
Unterstützung für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK)
bekundet und die Sicherheitskräfte mit Steinen beworfen. Bei der
Bestattung des Demonstranten in Ercis kam es erneut zu
Ausschreitungen. Trauernde bewarfen nach Angaben von Anadolu die
Polizei mit Steinen. Die Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse ab, um
die Menge zu zerstreuen. (APA)
Standard, 06.03.2008
Gericht verhängt Verbot gegen kurdische Parole
Die auf Kundgebungen der DTP in den letzten Monaten häufig
auftauchende Parole "Edi Bese" ("Es reicht") wurde vom 4. Großen
Strafgericht Van als eine Parole der PKK eingestuft, mit der zu
einer zivilen Revolte aufgerufen werden solle. Das Gericht ordnete
an, dass die Parole in Flugblättern und Aufrufen nicht mehr
verwendet werden darf.
Zaman, 6.03.08
Konferenz zu neuer Verfassung und Kurden im Europaparlament
Die Fraktion der Sozialisten, der Grünen und der Liberalen
veranstalteten eine Konferenz zum Verfassungsprozess in der Türkei
und dem Kurden-Problem. Als Redner nahmen der
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn, der Vorsitzende der gemischten
europäisch-türkischen Parlamentarierkommission Jost Lagendijk sowie
der Vizevorsitzende der sozialistischen Fraktion Hannes Swoboda
teil. Bei den Vorträgen wurde die Wichtigkeit der
Verfassungsdiskussion betont und unterstrichen, dass die Türkei eine
vorausschauende Planung der Reformen entwickeln müsse. Swoboda rief
zu einem offenen Dialog über die Kurden-Frage auf und bedauerte,
dass von den im türkischen Parlament vertretenen Parteien nur die
DTP teilgenommen hat.
ABhaber, 5.03.08
Reisesicherheit: Türkei Sicherheit
Nicht erst seitdem Badegäste aus aller Welt die Türkische Riviera
für sich entdeckt haben, ist das Land mit dem orientalischen Flair
und ausgeprägter Gastfreundlichkeit ein beliebtes Reiseziel. Trotz
all seiner Vorzüge sollten Touristen dennoch gewisse
Sicherheitswarnungen nicht unterschätzen.
Diese hängen nicht zuletzt mit den Vorkommnissen von Anfang 2008
zusammen, während der durch Sprengstoffanschläge Menschen umkamen
bzw. verletzt wurden. Der Schauplatz dieser Attentate liegt im
Südosten der Türkei, genauer gesagt in der Innenstadt von
Diyarbakir.
Südost- und Osttürkei
Aber auch die übrigen südöstlichen und östlichen Landesteile stellen
eine erhöhte Gefahrenzone für ausländische Besucher dar. Aufgrund
von Auseinandersetzungen zwischen der PKK und den türkischen
Sicherheitskräften ist in dieser Region eine verstärkte
Militärbewegung zu verzeichnen, die sich u.a. in verschärften
Straßenkontrollen äußern kann. Einige Ortschaften in den Provinzen
Siirt, Sirnak und Hakkari wurden gar vorübergehend zu offiziellen
Sperrgebieten erklärt und unterliegen einem absoluten Betretverbot.
Nach derzeitigem Kenntnisstand gilt diese Sperre bis zum 10. März
2008.
Gefahren bei Off-Road Touren
Weitere Gefahrenquellen drohen für die Türkei-Reisende, wenn diese
das Land auf den sogenannten Off-Road-Strecken erkunden wollen. Bei
den hier angebotenen Safaris sollten sowohl Anbieter als auch der
technische Zustand, in dem sich die entsprechenden Fahrzeuge
befinden, genauer unter die Lupe genommen werden. Wer dagegen selber
am Steuer sitzend die Türkei durchquert, der sollte Autofahrten in
der Dunkelheit tunlichst vermeiden und Übernachtungen im Wagen nur
auf bewachten Plätzen tätigen.
Kriminalitätsrate
Nicht zuletzt kann leider auch nicht für die Türkei ein gewisses
Gefahrenpotential seitens der Kriminalität ausgeschlossen werden.
Dies gilt zum einen in Bezug auf Gewaltverbrechen, weshalb beim
Aufsuchen einsam gelegener Orte besondere Vorsicht angeraten ist.
Noch mehr dürfte dies allerdings auf Diebstahl und Betrügereien
zutreffen. Dies gilt insbesondere für Istanbul, wo Taschendiebstähle
keine Seltenheit sind. Zum anderen aber sollten Touristen insgesamt
bei der Benutzung ihrer Bank- oder Kreditkarte große Vorsicht walten
lassen, damit sich nicht Unbefugte ihrer Geheimdaten bemächtigen.
aerosecure.de, 06.03.2008
»Es droht die Überflutung der historischen Stadt«
Vom Staudammprojekt Ilisu betroffene Kurden sehen Hoffnung in Klage
vor dem Europäischen Gerichtshof.
Ein Gespräch mit Abdulvahap Kusen
Interview: Marin Dolzer
Abdulvahap Kusen ist Bürgermeister der kurdischen Stadt Hasankeyf,
die nach dem von den türkischen Behörden geplanten Bau des
Ilisu-Staudamms überflutet würde
Eine Gruppe von Professoren, Anwälten und Journalisten hat vor dem
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gegen den Bau des
Ilisu-Staudamms in den kurdischen Provinzen der Türkei Klage
erhoben. Bei Umsetzung des Projektes würden mehr als 55000 Menschen
ihre Heimat und Existenz verlieren. Können Sie die Gründe der Kläger
skizzieren? Es geht um Grund- und Menschenrechte. Im Falle einer
Umsetzung des Projektes droht – zusätzlich zur menschlichen
Tragödie! – die Überflutung der historischen Stadt Hasankeyf und
deren Umgebung, die reich an archäologischen Schätzen ist. Ein
Großteil der Fundstätten ist noch gar nicht erschlossen. Der vom
Europarat verabschiedeten Valetta-Konvention zufolge muß kulturelles
Erbe aber im Interesse aller Menschen geschützt werden. Die Klage
wurde vom EGMR angenommen. Es ist zwar geplant, einige der vom
Untergang in den Fluten bedrohten Gebäude in einer Art
»Erlebnispark« wieder aufzubauen, das ändert aber nichts daran, daß
hier grundsätzliche Rechte verletzt werden.
Kritiker sehen das Projekt als Teil einer gezielten
Unterdrückungspolitik gegenüber der kurdischen Bevölkerung, da die
gleiche Strommenge auch durch die Ausbesserung der vorhandenen
Stromleitungen gewonnen werden könnte. Wie weit sind die Arbeiten am
Ilisu-Staudamm fortgeschritten? Mittlerweile wurde der Grundstein
für den Staudamm gelegt. Und es wurde mit dem Ausbau der Straße zur
Baustelle begonnen. Außerdem gab es Enteignungen und es wurden
geologische Gutachten für die Ersatzsiedlungsgebiete in Auftrag
gegeben. Die Folgen der Umsetzung wären für die Bevölkerung sowohl
materiell als auch psychologisch katastrophal. Das vorgesehene
Siedlungsgebiet ist viel zu klein und zudem unfruchtbar ist, da es
zwischen dem entstehenden Stausee und den Bergen liegen würde. Neben
dem Schmerz der Menschen, ihren Lebensraum mit einer mehr als 10000
Jahre alten Zivilisationsgeschichte zu verlieren, ist das auch eine
existentielle Frage. Die Entschädigungen für Haus und Hof sind
derart gering angesetzt, daß sie schätzungsweise nur ein Zehntel der
Kosten für die neuen Häuser bzw. Wohnungen ausgleichen werden. Hinzu
kommt, daß die Bevölkerung, die nahezu einstimmig gegen den Bau des
300 Quadratkilometer großen Stausees ist, kaum über die Planungen
und deren Folgen informiert wurde.
Haben Sie Erkenntnisse über die Auswirkungen bereits in den
kurdischen Provinzen der Türkei gebauter Staudämme? U.a. ist in
einem Film des TV-Senders Arte zu sehen, daß die Lebensbedingungen
der Bevölkerung nach einer Umsiedlung wegen des Batman-Staudamms
alles andere als menschenwürdig sind. Es gibt dort z. B. kein
fließendes Wasser und keine Infrastruktur. Außerdem sind die neuen
Wohnungen keine einstöckigen Häuser mit Gartennutzung, sondern
Appartements in mehrstöckigen Häusern. Aus diesen Gründen ist eine
Flucht- und Migrationsbewegung in die immer weiter wachsenden
Gecekondus (Slums) der Städte Batman und Diyarbakir oder ins Ausland
absehbar. In den Gecekondus leben die Menschen entfremdet von ihrer
bisherigen Existenz und ohne Perspektive auf soziale Absicherung und
kulturelle Beteiligung. Es wurden im Rahmen der diversen
Staudamm-projekte schon unzählige Kulturgüter zerstört, die man wie
Hasankeyf als Weltkulturerbe bezeichnen kann. Auch die Auswirkungen
auf die Umwelt sind erfahrungsgemäß verheerend.
Welche Rolle spielen die Kreditzusagen der bundesdeutschen
Hermes-Kreditanstalt über 93,5 Millionen Euro für den Bau des
Ilisu-Staudamms? Es sieht so aus, als wenn die deutsche Regierung in
bezug auf den Bau des Ilisu-Staudamms im wesentlichen
wirtschaftliche Interessen verfolgt. Wir würden es jedoch vorziehen,
wenn sie ein größeres Interesse am Erhalt des kulturellen Erbes
hätte.
junge Welt, 07.03.2008
ISKU | Informationsstelle Kurdistan e.V.
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