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news: 6.3.2008

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CPT will Öcalan-Bericht veröffentlichen

Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Anadolu will das
Antifolterkomitee des Europarats (CPT) sich morgen zu seinen im März vergangenen Jahres angestellten Untersuchungen auf der
Gefängnisinsel Imrali äußern. Auf Imrali befindet sich als einziger Gefangener Abdullah Öcalan.

Quelle: ANF, 05.03.2008, ISKU

DTP zu Talabanis Ankara-Besuch

Scharf hat der DTP-Vizefraktionsvorsitzende Selahattin Demirtas auf den für Freitag vorgesehenen Besuch des irakischen Staatspräsidenten Celal Talabani in Ankara reagiert. „Einziger Zweck dieses Besuches ist das Reden über seine eigenen Interessen und die Gewinne, die sich daraus ergeben haben, dass er bei der türkischen Invasion ein Auge zugedrückt hat. Und ich bin mir sicher, dass es sich bei diesen Interessen um die von Talabani selbst handelt und nicht um die des kurdischen Volkes. Wir bewerten den Ankara-Besuch Talabanis in dieser Zeit als entwürdigend für das kurdische Volk.“

Quelle: ANF, 05.03.2008, ISKU

15.000 auf Kundgebung in Yüksekova

Nachdem eine von der DTP organisierte Demonstration gegen die türkische Bodenoperation von der Polizei nicht genehmigt worden war, haben ca. 15.000 Menschen stattdessen mit einer Kundgebung ihren Protest zum Ausdruck gebracht. In einem Redebeitrag erklärte der parteiunabhängige Abgeordnete Hamit Geylani: „In 25 Jahren sind 25 grenzüberschreitende Militäroperationen durchgeführt worden und haben nichts gebracht. In einem schmutzigen Krieg sind Tausende unserer Menschen getötet worden, und wieder kam kein Ergebnis dabei raus. Ihre schmutzige Rechnung ist aus dem Zap zurückgekommen. Militäroperationen sind nicht die Lösung der kurdischen Frage, die Lösung lautet Anerkennung der kurdischen Realität. Die kurdische Realität ist die PKK. Wir wollen keine Schüsse und Explosionen mehr hören, wir wollen endlich Frieden und Geschwisterlichkeit.“

Quelle: ANF, 05.03.2008, ISKU

Türkische Luftwaffe fliegt wieder Angriffe im Nordirak

PKK-Stellungen im Visier

Fünf Tage nach dem Ende der Bodenoffensive hat die Türkei am Mittwoch erneut Gebiete im Nordirak angegriffen. Die türkische Luftwaffe bombardierte Ziele im Dreiländereck zum Iran und der Türkei.

(sda/afp/dpa) Die Angriffe in der Region Erbil hätten am frühen Morgen begonnen und seien sporadisch fortgesetzt worden, sagte ein Sprecher der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Er berichtete außerdem von türkischem Artilleriebeschuss. Weder von Seiten der PKK noch vom türkischen Grenzschutz gab es Angaben über mögliche Opfer.

Die Türkei hatte Ende Februar eine achttägige Bodenoffensive gegen kurdische Rebellen im Nordirak geführt. Dabei wurden laut dem türkischen Generalstab mehr als 240 PKK-Kämpfer und 27 türkische Soldaten getötet. Generalstabschef Yasar Büyükanit wertete die Offensive anschließend als Erfolg, PKK-Chef Murad Qarilan
[Karayilan] sprach von einem Scheitern des Einsatzes. Kritik aus den USA

Die Türkei vermutet rund 4000 PKK-Kämpfer im Nachbarland. Von dort aus unternahmen die kurdischen Rebellen in den vergangenen Jahren immer wieder Angriffe auf Ziele in der Türkei. Die irakische Regierung hatte die jüngste Bodenoffensive heftig kritisiert, und auch die USA hatten Ankara zum Rückzug gedrängt.

Quelle: NZZ Online, 05.03.2008

Zerstrittene Kriegskoalition

In der Türkei tobt eine heftige Debatte über den Rückzug aus dem Nordirak

Von Nico Sandfuchs, Ankara

Der für die türkische Öffentlichkeit völlig unerwartet erfolgte Rückzug aus dem Nordirak hat nun für heftige politische Turbulenzen in Ankara gesorgt. Bereits seit Tagen liefert sich die
nationalistische Opposition einen Schlagabtausch mit Regierung und Militär über die Hintergründe. Während Generalstabschef Yasar Büyükanit noch am Montag behauptete, die Räumung des Nordirak sei von langer Hand geplant gewesen und »nach Erfüllung sämtlicher Missionsziele« erfolgt, wirft die Opposition dem Militär inzwischen vor, geradezu »fluchtartig« und auf Befehl aus Washington den Rückzug angetreten zu haben.

Entgegen der von Generalstabschef Büyükanit vorgelegten Bilanz, der zufolge der PKK (Arbeiterpartei Kurdistan) schwere Verluste zugefügt und die Infrastruktur der Guerilla »entscheidend geschwächt« worden sei, könne von einer erfolgreichen Beendigung der Militäroperation überhaupt keine Rede sein, meint etwa der Chef der kemalistischen CHP, Deniz Baykal: »Vielmehr ist es so, daß die an sich erfolgreich verlaufene Operation aus heiterem Himmel abgebrochen wurde. Aber warum? Diese Frage steht im Raum.« Auch eine mögliche Antwort hat Baykal gleich parat: Washington habe im Hintergrund die Fäden bezogen, behauptet der Kemalist. Kaum zufällig sei
US-Verteidigungsminister Robert Gates nur einen Tag vor dem hastigen Rückzug plötzlich in Ankara aufgetaucht. Die USA hätten den Rückmarsch angeordnet und der türkische Generalstab habe sich gebeugt –so sehe die »traurige Wahrheit« des Missionsabbruchs aus.

Auch die faschistische MHP hat sich inzwischen auf den Generalstab eingeschossen – und so mancher in der Türkei reibt sich verwundert die Augen. Denn Kritik am Militär war bislang ein Tabubruch, der ausschließlich linken und kurdischen Parteien vorbehalten war. Kemalisten und Faschisten hingegen galten immer als »natürliche Verbündete« der Generäle. Für wieviel Verunsicherung die unerwartete Kritik der »Verbündeten« selbst beim Militär gesorgt hat, läßt sich aus der scharfen Reaktion ablesen, mit der Generalstabs­chef Büyükanit am Dienstag abend an die Öffentlichkeit trat. Das Verhalten von CHP und MHP füge »dem Kampf der Streitkräfte gegen den Terrorismus mehr Schaden zu als die Aktionen der Verräter (von der PKK)«, so der General.

In gewisser Weise dürfte Büyükanit damit durchaus recht haben. Denn CHP und MHP gehören zusammen mit der Regierung und den Militärs zur »Kriegskoalition«, die die Irak-Invasion gemeinsam eingefädelt haben. Daß sich diese Koalition nun selbst zerfleischt, ist vielleicht der größte Erfolg, den die PKK durch ihren Widerstand gegen die türkischen Truppen errungen hat.

Hinter dem Schlagabtausch zwischen Nationalisten und Militärs verbirgt sich aber auch die Frustration darüber, daß die Politik der Kriegskoalition, das »Kurdenproblem« einzig und allein mit
militärischen Mitteln zu lösen, ganz offenkundig gescheitert ist. Daß einige hundert Guerilleros es schaffen konnten, rund 10000 türkischen Spezialtruppen mehr als eine Woche lang erfolgreich Gegenwehr zu leisten, gibt inzwischen selbst manchem Kolumnisten der sonst wenig kritischen Massenblätter zu denken. Ein militärischer Sieg über die PKK wird für immer unwahrscheinlicher gehalten.

Daß diese Einsicht nun zu einer raschen Umkehr in der türkischen Kurdenpolitik führen wird, ist dennoch unwahrscheinlich.
Generalstabschef Büyükanit hat eine Revanche für die erlittene Niederlage bereits in Aussicht gestellt – und weitere Militärschläge im Nordirak angekündigt.

Quelle: junge Welt, 06.03.2008


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07.03.08    Kurdistan Infos <kigb@gmx.de>
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