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Hasankeyfaktion beim Bundesamt fuer Fluechtlinge und Migration

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Aktionskreis Hasankeyf
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Tel.: 040/42102845

Hamburg, 04.03.2008

An die Presse

Stoppt die Vertreibung

Heute haben in Hamburg heute 30 Menschen vom Aktionskreis Rettet Hasankeyf beim Bundesamt für Flüchtlinge und Migration gegen die Beteiligung der deutschen Regierung am umstrittenen
Ilisu-Staudammprojekt demonstriert.

Zeitgleich zu einer Aktion von 80 Bewohnern des Ilisu-Staudammgebiet vor den Botschaften von Deutschland, Schweiz und Österreich in Ankara, überreichte Osman Topcan aus Hasankeyf stellvertretend die 1500 an die MinisterpräsidentInnen der Schweiz, Österreich und Deutschland gerichteten Protestbriefe von Bewohnern des
Ilisu-Staudammgebiet in Nordkurdistan an einen Mitarbeiter des Bundesamtes. In diesen Briefen fordern sie die am Bau des geplanten Ilisu-Staudamms beteiligten Regierungen auf, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Ansonsten sähen sie sich gezwungen, in den
jeweiligen Ländern Asylanträge zu stellen, sobald ihre Heimat überflutet wird.

An das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration wurde die Forderung gestellt, die Briefe an die Regierung weiterzuleiten und sich für eine konstruktive Lösung für die Betroffenen einzusetzen, also für einen Stopp des Projekts und Rücknahme der Kreditzusage oder aber für ein Einreise- und Bleiberecht hier in diesem Land.

Hintergrund:

Die Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz
bewilligten Ende März 2007 Exportkreditversicherungen
(Hermesbürgschaften) über insgesamt ca. 500 Mio € für das
Ilisu-Projekt, um die Beteiligung der Andritz AG (A), der
Stuttgarter Baufirma Ed. Züblin (D) sowie der Schweizer Unternehmen Alstom, Colenco, Maggia und Stucky zu ermöglichen. Im August unterzeichneten die DekaBank, Bank Austria Creditanstalt sowie Société Générale die Finanzierungsverträge. Der Ilisu-Staudamm wird zwischen 55.000 und 78.000 Menschen, überwiegend Kurdinnen und Kurden, betreffen. Mindestens 11.000 Menschen werden ihr gesamtes Land verlieren. Bereits begonnen hat die Enteignung in den Dörfern, die nahe der geplanten Baustelle liegen, darunter Ilisu und Karabayir. Ihre Umsiedlung wurde von den Exportkreditagenturen als Test für die Umsiedlung der im Gebiet des künftigen Reservoirs gelegenen Dörfer bezeichnet, die erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen soll.

Pressenachricht zur der Aktion in Ankara:

Hasankeyf-Initiative warnt vor Massenasylanträgen

Mitglieder der Initiative zur Rettung von Hasankeyf sind nach Ankara gefahren, um darauf aufmerksam zu machen, dass die antike Stadt Hasankeyf wegen des Ilisu-Staudamm-Projekts überflutet werden soll. Von Deutschland, der Schweiz und Österreich wurde gefordert, ihre Unterstützung des Staudammprojekts zurück zu nehmen. Die Initiative kündigte an, im Falle einer Überflutung ihrer Heimat geschlossen in den Ländern, die den Staudamm unterstützen, Asyl zu beantragen.

Die Aktivisten führten vom Kugulu-Park eine Demonstration zur deutschen Botschaft durch. Auf Transparenten war zu lesen: „Finger weg von Hasankeyf“, „Wer uns die Heimat nimmt, trägt die
Verantwortung für unsere Zukunft“, „Deutschland, Österreich, Schweiz sind reich, wir sind arm“ und „Asyl“. Die Aktion wurde von dem DTP-Abgeordneten aus Batman, Bengi Yildiz, und Umweltaktivisten unterstützt.

Vor der deutschen Botschaft hielt Erkan Tatvan im Namen der Initiative einen Redebeitrag, in dem er darauf hinwies, dass es sich bei Hasankeyf um ein Erbe der Menschheit handele: „Für dieses Erbe müssen wir uns einsetzen. Wenn wir das nicht tun, wird die
Geschichte uns verurteilen und uns nicht verzeihen.“ An die Unterstützung leistenden ausländischen Staaten gerichtet sagte Tatvan: „Würden Sie diesen Staudamm unterstützen, wenn sich diese antike Stadt in ihrem Land befinden würde? Die Antwort lautet ganz eindeutig Nein.“

Für ein auf 60 Jahre angelegtes Projekt solle eine historische Stätte mit einer zehntausendjährigen Geschichte unter Wasser gesetzt werden. Das Projekt werde eine Migration in Gang setzen: „Bevor die Wunden der Zwangsvertreibungen von vor zehn oder 15 Jahren geheilt sind, sollen wir wieder vertrieben werden. Sind die Metropolen denn noch nicht voll mit Vertriebenen? Wir wollen in unserer eigenen Heimat leben und sterben.“

Weiter forderte Tatvan die beteiligten Staaten an einer Rücknahme der zugesagten Unterstützung auf und warnte: „Zwingt uns nicht zu radikaleren Aktionen.“

Nach einem weiteren Redebeitrag von Bengi Yildiz wurde ein Dossier an die deutsche Botschaft übergeben. Im Anschluss werden die Aktivisten die gleichen Forderungen an die Botschaften der Schweiz und Österreichs stellen.

Quelle: DIHA, 04.03.2008, ISKU

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