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KCK: Niederlage der türkischen Armee
Der Exekutivrat der KCK hat in seiner ersten Bewertung über die
türkische Militärinvasion nach deren Beendigung erklärt, die
türkische Armee habe eine schwere Niederlage gegen die Guerilla
erlitten. Dennoch seien noch umfassendere Angriffe nach wie vor auf
der Tagesordnung.
„Die türkische Armee hat im Rahmen der am 21. Februar morgen
begonnen Militärinvasion in die Medya-Verteidigungsgebiete über
Angriffe von vier Seiten aus versucht, zu Resultaten zu kommen. Von
drei Seiten aus wurde der Zap und Cemco, wo sich das
HPG-Hauptquartier befindet, angepeilt, ein vierter Arm sollte vom
Basya-Tal aus weiterkommen. Aber diese Einheiten sind an einigen
Stellen nicht weiter als zwei Kilometer von der Grenzlinie gekommen
und es fanden zwischen dem 21. und 27. Februar heftige Gefechte mit
den Volksverteidigungskräften statt. Bei den sieben Tage währenden
Auseinandersetzungen, die Tag und Nacht in Form von gegenseitigen
Angriffen auf verschiedenem Niveau stattfanden, wurden die Kräfte
der türkischen Armee kontinuierlich durch eine intensive
Bombardierung vom Boden und aus der Luft unterstützt. Dabei wurden
modernste Technik und die am weitesten entwickelte Waffentechnologie
dieses Zeitalters eingesetzt. Dennoch gelang es der türkischen Armee
nicht vorwärts zu kommen und aufgrund der Gefechte und der
Wetterbedingungen erlitt sie schwere Verluste. Desweiteren hat die
türkische Armee in dieser Zeit Luftangriffe auf verschiedene Gebiete
durchgeführt, bei denen unsere Kräfte keinerlei Verluste erlitten.
Die in den türkischen Medien erschienenen Meldungen über
Bodenoperationen in Haftanin und Xakurke sind vollkommen frei
erfunden.
Die beiden Brigaden an der vordersten Front, die angesichts des
Widerstandes der Guerilla einen schweren Schlag und Schock erlitten,
wurden am dritten Tag ausgewechselt. Die türkische Armee wollte mit
neuen Kräften weitermarschieren. Dagegen unternahm die Guerilla in
der Nacht vom 26. auf den 27. Februar einen umfassenden Angriff, der
zu schweren Verlusten der Kräfte der türkischen Armee und einer
Bewegungsunfähigkeit führte. Am Morgen des 28. Februar gab die
türkische Armee den Angriff auf und zog ihre Kräfte eine Etappe
zurück. Gleichzeitig unternahm die Guerilla einen Gegenschlag von
zehn Seiten aus, woraufhin die Armee ihre Kräfte ganz aus dem
Einflussgebiet der Guerilla abzog.“
Dieser Angriff auf die Befreiungsbewegung Kurdistans und das
kurdische Volk sei ein erster Schritt eines umfassenden Konzepts
gewesen, so die KCK: „Wenn dieser erster Angriff auf das
Hauptquartier der HPG Erfolg gehabt hätte, wären die
bereitgestellten Truppen in Bewegung versetzt und die Gebiete
Haftanin und Xakurke besetzt worden. Somit wäre der Plan, eine
Pufferzone zu errichten, frühzeitig umgesetzt worden und die
türkische Armee hätte gleich zu Beginn des Jahres 2008 an
moralischer und strategischer Überlegenheit gegenüber der Guerilla
gewonnen. Aber dem Kräfteungleichgewicht zum Trotz wurde Dank der
Willensstärke, des Mutes, der Selbstlosigkeit und der kreativen
taktischen Fähigkeit der Guerilla die türkische Armee in eine große
Niederlage geführt.“
Es handele sich möglicherweise um die härteste Niederlage, die die
türkische Armee in dem 25 Jahre währenden Krieg erlitten habe, was
für die Guerilla in Bezug auf Initiative und Moral den Vorteil
großer Überlegenheit bedeute. „In diesem Sinne hat der große Erfolg
der Guerilla trotz aller schwerer Bedingungen dem Plan des
türkischen Staates, das Jahr 2008 zum Vernichtungsprozess für das
kurdische Volk zu machen, einen ernsten Schlag versetzt.“
Weiter heißt es in der Erklärung: „Der türkische Generalstab hat die
schlimme Situation, in die seine Truppen geraten waren, frühzeitig
erkannt und zunächst versucht, diese zu überwinden, indem er die
psychisch angeschlagenen Kräfte ausgetauscht hat. Als er gesehen
hat, dass dies keine Lösung ist und die neu eingesetzten Kräfte den
gleichen Weg gehen, hat er sofort den Rückzug beschlossen. Es
handelt sich also nicht, wie in einigen Medien dargestellt wurde, um
einen Beschluss auf Druck von außen, sondern mehr um etwas, das die
militärische Logik erforderte. Das bedeutet allerdings nicht, dass
die türkische Armee von ihren Kriegsplänen absieht. Wahrscheinlich
werden sie versuchen, von neuem mit anderen Taktiken Offensiven zu
starten. Es kann sogar sein, dass sie diese Niederlage und den
Rückzug in ein taktisches Täuschungsmanöver verwandeln und das
Vakuum zu füllen versuchen, indem sie ihre nach wie vor bereit
stehenden Kräfte sofort vom Boden aus die Gebiete Haftanin und
Xakurke angreifen lassen und gegen die gesamten
Medya-Verteidigungsgebiete Luftangriffe durchführen. Aber was auch
immer die türkische Armee künftig unternehmen wird, die Niederlage
vom Zap wird sie lange Zeit nicht überwinden können.“
Die Guerilla habe in der Praxis des neun Tage andauernden Krieges
ein weiteres Mal ihre Unbesiegbarkeit bewiesen. „Die Erklärung des
türkischen Generalstabs zum Rückzug wird nicht ausreichen, um die
Niederlage der türkischen Armee zu verbergen, denn die Erklärung
besteht außer dem Satz „Der Rückzug hat ausschließlich aus
militärischen Gründen stattgefunden“ von Anfang bis Ende nur
lächerlichen Worten, die mit der Wahrheit nichts zu tun haben.
Solche unrealistischen Angaben sind gleichzeitig eine Beleidigung
der Öffentlichkeit der Türkei und des türkischen Volkes.
Letztlich hat diese Kriegspraxis ein weiteres Mal deutlich gemacht,
dass mit Militäroperationen und gewalttätigen Methoden keine
Ergebnisse zu erzielen sind. Es ist offensichtlich gewordenen, dass
die Strategie des türkischen Staates, die Befreiungsguerilla
Kurdistans auszuschalten und unter Einsatz militärischer Kraft
Einfluss über Südkurdistan zu gewinnen, keine leicht umsetzbare
Strategie ist. Jetzt ist vielleicht klarer geworden, dass ein
Beharren des türkischen Staates auf dieser Strategie zu einem Krieg
mit dem kurdischen Volk führt, der Jahrzehnte andauern und damit zu
einem Verlust von Jahrzehnten und Zehntausenden, vielleicht auch
Hunderttausenden Menschenleben führen kann. Deshalb betonen wir
nochmals: Der türkische Staat muss davon absehen, die kurdische
Frage mit gewalttätigen Methoden zu lösen und sollte über die
Annahme der Lösungsvorschläge unseres Vorsitzenden eine Entwicklung
zulassen.
Das ist nur über eine Konfrontation des türkischen Staates mit
seiner eigenen Realität und Zugeständnisse möglich. Ohne eine
Berücksichtigung des Willens des kurdischen Volkes ist es nicht
möglich. Eine gesellschaftliche Versöhnung verläuft über eine
gegenseitige Anerkennung und Respektierung. Zunächst muss der
türkische Staat und seine Führung dies erkennen. Weiterhin ist
offensichtlich, dass alle Parteien, Institutionen und
Persönlichkeiten in der Türkei, die für Demokratie, Frieden und
Geschwisterlichkeit eintreten, in einflussreicherer Form eingreifen
und kämpfen müssen.
Der türkische Staat wird die Angriffe auf Kurdistan und die Pläne
einer teilweisen Besatzung des Südens nicht aufgeben. Um dieses
Konzept zu brechen, müssen alle Organisationen, Institutionen und
politische Kreise Kurdistans basierend auf dem jüngsten Erfolg der
Guerilla in einen aktiven diplomatischen Prozess treten.“
Bei den Gefechten seien insgesamt neun Guerillakämpfer gefallen, so
die KCK. Da die Gefahr aber noch nicht überwunden sei, müssten die
Protestaktionen in Kurdistan und im Ausland den gesamten März über
weiterlaufen. „Um nicht immer erst in Bewegung zu treten, wenn die
Angriffe angefangen haben, sondern um sie bereits jetzt zu
verhindern, müssen Aktivitäten stattfinden, mit denen die Proteste
zum Ausdruck gebracht und die Öffentlichkeit sensibilisiert wird.“
Quelle: ANF, 01.03.2008, ISKU
Verhaftungswelle in der Türkei
In Amed, Van, Siirt und Dogubeyazit sind 33 Personen, die gegen die
Invasion der türkischen Armee protestiert hatten, verhaftet worden.
In Adiyaman wurden drei Personen verhaftet, denen vorgeworfen wird,
ein Auto angezündet zu haben. In Bingöl wurden zwei Personen wegen
„Werbung für eine terroristische Organisation“ verhaftet, in Cizre
zehn Personen, die nach den Protesten am 15. Februar festgenommen
worden waren.
Somit sind innerhalb von zwei Tagen 48 Personen verhaftet worden.
Quelle: ANF, 01.03.2008, ISKU
„Herr Öcalan“-Krise
Die sich in der Türkei vertiefende Krise um den Begriff „Herr“ im
Zusammenhang mit Abdullah Öcalan nimmt tragisch-komische Züge an.
Zuletzt wurde vom Justizministerium ein Ermittlungsverfahren gegen
28 Verteidiger Öcalans angestrengt, weil diese in den
Besuchsanträgen den Begriff „Herr“ verwendet haben. Die Anwälte
haben jetzt zehn Tage Zeit, Stellung zu nehmen.
Quelle: ANF, 01.03.2008, ISKU
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