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news: 20./21.10.2005

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From: Informationsstelle Kurdistan e.V. [mailto:isku@nadir.org] Sent: Friday, October 21, 2005 6:59 PM
Subject: news: 20./21.10.2005

‚Ehrenmorde‘ Thema in parlamentarischer Kommission

Die in den letzten Jahren viel diskutierten sogenannten ‚Ehrenmorde‘ sowie Gewalt gegen Frauen und Kinder werden in einer parlamentarischen Kommission in der Türkei diskutiert. Die Kommission hat damit begonnen, die Meinung von Fachleuten anzuhören. So erklärte Dr. Leyla Pervizad, ‚Ehrenmorde‘ gebe es überall auf der Welt. Die Statistiken zu dem Thema in der Türkei kritisierte sie als völlig unzureichend. „In Norwegen werden bei einer Einwohnerzahl von 4,5 Millionen jährlich fünfzig Frauen von ihren Partnern ermordet. In der Türkei mit ihren 80 Millionen Einwohnern sollen es 300 Frauen sein. Diese Zahl ist unrealistisch. Wir sind eine geschlossene Gesellschaft, das Problem wird verschleiert. Morde werden als Selbstmorde oder Unfälle vertuscht“.

Weiterhin wies Pervizad darauf hin, dass häufig auch Mütter, Tanten, Schwägerinnen an den Familienräten beteiligt seien, auf denen Todesurteile gefällt werden. „Frauen sind dabei nicht schuldlos“, betonte die Fachfrau, deren Lösungsansatz dennoch hauptsächlich auf der Bildungsarbeit mit Männern liegt. Auch männliche Richter und Staatsanwälte müssten zu dem Thema gesondert geschult werden.

Die CHP-Abgeordnete Canan Aritman schlug vor, Männer beim Militärdienst zu den Themen Geschlechtergleichheit und Gewalt gegen Frauen zu schulen. Die Kommissionsvorsitzende Fatma Sahin forderte als ersten Schritt die Erstellung klarer Statistiken als Ergebnis von Studien zum Thema ‚Ehrenmorde‘ von Experten aus Justizministerium und Polizei.

Quelle: Özgür Gündem, 20.10.2005, ISKU

Vernetzung von 23 Frauenorganisationen

An einer von der Demokratischen Freien Frauenbewegung in der Türkei organisierten Diskussionsrunde über Frauenpolitik in Diyarbakir haben Vertreterinnen von 23 Fraueneinrichtungen teilgenommen. Bei dem zweitägigen Treffen wurde über Vernetzung und die gemeinsame Auswertung von Erfahrungen aus der Vergangenheit diskutiert. Beschlossen wurde unter anderem, die Treffen regelmäßig alle sechs Monate durchzuführen.

In der kurdischen Region sind Fraueneinrichtungen seit Anfang der neunziger Jahre aktiv. In der Abschlusserklärung des Treffens heißt es: „Wir haben über unser Selbstverständnis als Frauenorganisationen, unsere Schwierigkeiten und mögliche Lösungen diskutiert. Vertreterinnen von Einrichtungen aus Batman, Urfa, Diyarbakir, Ergani, Ankara, Dersim, Kiziltepe, Kurtalan, Van, Adana und Istanbul haben von ihren Tätigkeiten berichtet. In den Einrichtungen wurde auf politischem, sozialem, wirtschaftlichem, rechtlichem, gesundheitlichem und kulturellem Gebiet gearbeitet“.

Weiterhin wird in der Abschlusserklärung darauf aufmerksam gemacht, dass in Fraueneinrichtungen oftmals die politische von der sozialen Arbeit getrennt angegangen werde. „Wir haben uns in verschiedenen Einrichtungen mit der gleichen Mission organisiert, aber wir haben es nicht geschafft, uns dabei abzusprechen, eine Vernetzung aufzubauen und unsere Erfahrungen zu teilen“. Schwierigkeiten gebe es außerdem in der Lösung der Finanzierungsprobleme.

„Wir haben festgestellt, dass wir den Geist der Gemeinsamkeit und Solidarität stärken müssen. Deshalb haben wir die Gründung von zwei Kommissionen beschlossen, die an dem Aufbau eines
Kooperativen-Bündnisses, in dem alle Frauenkooperativen vertreten sein werden, und einer Vereinsföderation für alle Frauenvereine arbeiten werden“.

Quelle: Özgür Gündem, 20.10.2005, ISKU

Kein Kuchen aus Keksen, kein Eingelegtes aus Kohl

In den F-Typ-Gefängnissen in der Türkei folgt ein merkwürdiges Verbot dem anderen.

„Neulich haben wir aus einem Buch, das Castros Tage im Kerker von Batista erzählt, Ausschnitte über seine Tage in der Isolation übersetzt. Das ‚blödsinnige Königreich des Blödsinns‘ nennt er die Gefängnisatmosphäre. Und er sagt: ‚Am schwersten zu ertragen ist der barbarische Blödsinn‘. Ähnlich ist es mit der Verfahrensweise in den F-Typ-Gefängnissen...‘

Diese Worte stammen von Gökhan Gündüz aus dem F-Typ-Gefängnis Kandira und bilden die Einleitung eines umfangreichen Berichts, der vom Verein Solidaritätsnetz aus Briefen aus den Gefängnissen zusammengestellt wurde. Darin wird insbesondere auf die in jüngster Zeit in den Gefängnissen ausgesprochenen Verbote wegen ‚Zweckentfremdung‘ oder aus ‚Sicherheitsgründen‘ hingewiesen.

Einige dieser von den Gefängnisleitungen durchgesetzten Verbote sind als ‚Ausschnitte aus den Blödsinnigkeiten‘ aufgezählt:

Einem Gefangenen wurde von Verwandten geschickte Unterwäsche nicht ausgehändigt, weil die Farbe ‚militärgrün‘ die Sicherheit gefährde. Die Angehörigen wurden dazu aufgefordert, schwarze Unterhosen mitzubringen. Die Farbkriterien der Gefängnisleitung zum Thema Unterwäsche werden folgendermaßen aufgezählt: Rote Unterhosen werden als Fahnen benutzt, grün ist die Farbe von Militärkleidung, blau die der
Gefängnisangestellten und bordeaux ähnelt rot. Deshalb genehmigt die Gefängnisleitung nur schwarze, weiße oder graue Unterwäsche.

Kohl und Tomaten von Gefangenen im F-Typ-Gefängnis Bolu wurde wegen ‚zweckentfremdetem Gebrauch‘ beschlagnahmt, da die Gefangenen daraus Eingelegtes machen wollten. Das gleiche Schicksal erlitten Zeitungen, die die Gefangenen beim Sport als Unterlagen benutzten. Ebenfalls wegen ‚Zweckentfremdung‘ beschlagnahmt wurden Plastikwasserbehälter, die die Gefangenen als Untertisch für den Fernseher oder Mülleimer benutzten. Gefangene in Bolu haben nun lediglich das Recht auf drei
Achtliterbehälter.

Im F-Typ-Gefängnis Tekirdag wurden von Angehörigen geschickte Ketten und Fotoalben beschlagnahmt. Der Antrag auf Aushändigung der Gegenstände wurde von der Gefängnisverwaltung mit der Begründung abgelehnt, Ketten seien ‚für Frauen‘ und Fotoalben ‚unnötig‘.

Aktionen dauern an

In verschiedenen Städten der Türkei laufen aus Anlass des Beginns des Todesfastens gegen die Isolationsgefängnisse vor fünf Jahren Protestaktionen gegen Repression und Isolation in den Gefängnissen. Organisiert werden die Aktionen vom Menschenrechtsverein IHD und verschiedenen Angehörigen- und Solidaritätsorganisationen.

Quelle: Özgür Gündem, 21.10.2005, ISKU


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