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GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER
PRESSEMITTEILUNG
Göttingen, den 10. August 2009
Irak: Bombenanschlag bei Mosul galt Minderheit der Shabak – Terroristen
wollen Volksgruppen gegeneinander aufhetzen
Nach dem verheerenden Bombenanschlag am frühen Morgen in einer Ortschaft
bei Mosul im Nordirak hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am
Montag davor gewarnt, dass Terroristen einen neuen Bürgerkrieg in dieser
multiethnischen und multireligiösen Provinz anzetteln wollen. „Heute war
die Minderheit der Shabak Ziel des Attentates in dem Dorf Khaznan“,
berichtete der GfbV-Nahostreferent Kamal Sido nach einem Telefonat mit
Gewährsleuten der Menschenrechtsorganisation vor Ort. Mindestens 36 Tote
seien zu beklagen. Die Zahl der Verletzten werde auf bis zu 200
geschätzt. Dutzende von Häusern seien durch die Wucht der Explosion von
zwei mit Sprengstoff voll beladenen LKW um 04.50 Ortszeit eingestürzt.
Khaznan liegt etwa 17 Kilometer östlich von Mosul.
In der Provinz Ninveh wird über die Zugehörigkeit einiger mehrheitlich
von Kurden (Muslimen und Yeziden), Christen und Shabak bewohnten
Distrikte bzw. Unterdistrikte wie Sinjar, Shekhan, Telkaif, Karaqosh,
Zammar, Bahshiqa, Aski Kalak gestritten. Muslimische und yezidische
Kurden sowie eine große Mehrheit von Christen und Shabak befürworten
einen Anschluss ihrer Siedlungsgebiete an friedliche Irakisch-Kurdistan.
Die 60.000 bis 100.000 Shabak bewohnen mehr als 70 Dörfer östlich von
Mosul, darunter Eski Kalak, Ali Rasch, Yangija, Khaznan, Qahrawa und
Talara am Fluss Zap. Der ethnische Hintergrund der Shabak ist
umstritten. Während die einen meinen, sie seien Indogermanen aus
Persien, kamen sie anderen Quellen zufolge im 17. Jahrhundert aus dem
Hawraman-Gebiet aus Irakisch- bzw. Iranisch-Kurdistan.
Das arabische Wort „shabaka“ bedeutet soviel wie „sich verflechten“, und
die Shabak bestehen auch aus Angehörigen mehrerer Stämme mit
unterschiedlicher Geschichte. Ihre Sprache „Shabaki“ ist mit dem
kurdischen Dialekt Hawrami-Gorani verwandt, jedoch auch persisch,
arabisch und türkisch geprägt. Über 70% der Shabak sind Schiiten, 30 %
sind Sunniten. Die Buyruk, ihr heiliges Buch, soll in Zentralasien
geschrieben worden sein. Shabak pilgern jedoch auch zu den Schreinen der
Yeziden.
Die Shabak galten unter britischer Herrschaft bis 1952 als eigene
ethnische Gruppe. Das Baath-Regime registrierte sie als Araber. Weil
sich 3000 Shabak-Familien in den 80er Jahren trotzdem als Kurden
bezeichneten, wurden sie nach Kirkuk und Arbil deportiert. Ihre 22
Dörfer wurden zerstört.
Der GfbV liegt eine Liste mit 675 Namen von Shabak vor, die seit 2003
durch Terrorangriffe getötet wurden. Viele Shabak haben ihre Loyalität
zur nordirakischen kurdischen Verwaltung bekräftigt. Eine kleine Gruppe
von Shabak um den irakischen Abgeordneten Hanin Qado lehnt jedoch eine
Anschluss an Irakisch-Kurdistan ab.
Für Nachfragen ist der GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido erreichbar
unter Tel. 0173 67 33 980.
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