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HAUKARI - Arbeitsgemeinschaft für internationale Zusammenarbeit
Juni 2008
Türkische und iranische Luftangriffe auf kurdische Dörfer im
Qandil-Gebiet – Frauenzentrum KHANZAD und Kurdistan Health
Foundation leisten Hilfe für Flüchtlinge!
Liebe Freundinnen und Freunde von Haukari e.V.!
Die Pishder-Region am Fuße des über 3000 m hohen und meist Schnee
bedeckten Qandil-Gebirges gehört zu den schönsten Landschaften in
Kurdistan-Irak. Schon in den 70er Jahren wurde die Region an der
irakisch-iranischen Grenze zum militärischen Sperrgebiet erklärt,
die Bevölkerung in Umsiedlungslager deportiert und Dörfer und Städte
zerstört. Mehrere HAUKARI-Mitglieder waren hier schon 1991 an
Wiederaufbaumaßnahmen von medico international beteiligt.
Heute brauchen die Menschen im Qandil-Gebiet erneut
Hilfe: Im Dezember 2007 begann die türkische Armee mit Luftangriffen
gegen hier vermutete PKK-Stellungen. Vorausgegangen war ein
monatelanger Konflikt zwischen türkischer Regierung und kurdischer
Regionalregierung um die Präsenz der PKK in der Region. Die
kurdische Regierung forderte die PKK auf, den Nordirak zu verlassen,
lehnte aber deren militärische Bekämpfung oder Auslieferung an die
Türkei ab. Der Einmarsch türkischer Bodentruppen in den Nordirak
Ende Februar lenkte auch die internationale Aufmerksamkeit auf den
Konflikt. Die irakisch-kurdische Bevölkerung interpretierte den
Einmarsch als einen Angriff auf ihre eigene Autonomie. Die türkische
Armee zog sich nach wenigen Tagen zurück, die Luftangriffe auf das
Qandil-Gebiet aber gehen bis heute weiter. Im Mai 2008 begann der
Iran ebenfalls mit Luftangriffen auf das Qandil-Gebiet, mit der
Begründung, den gegen den Iran aktiven Flügel der PKK PJAK zu
verfolgen.
Von den Luftangriffen sind auch zahlreiche kurdische
Bergdörfer betroffen. In 38 Dörfern wurden Häuser, Moscheen,
Gesundheitsstationen zerstört. Hunderte von Familien sind seit
Anfang des Jahres in das Pishder-Tal geflohen und haben am Rande der
Kleinstädte Zharawa, Sengaser und Qaladize Zuflucht gesucht. Mehr
als 200 Familien harren hier in provisorischen Notunterkünften aus.
Weitere 130 Familien halten sich in zwei Zeltlagern an den
unwirtlichen Berghängen des Qandil-Gebirges auf. Die Zelte erhielten
sie vom Irakischen Roten Halbmond und dem UNHCR.
Seit März leistet auch HAUKARI e.V. Nothilfe für die Flüchtlinge –
in Kooperation mit medico international und mit Fördermitteln des
Auswärtigen Amtes. Unsere lokalen Projektpartner, die Kurdistan
Health Foundation und das Frauenzentrum KHANZAD, haben für 200
Familien (1000 Flüchtlinge) Decken, Matratzen, Teppiche,
Kochgeschirr, Hygieneartikel, Trockenmilch und Regenkleidung für
Kinder verteilt. Ein medizinisches Team der KHF besucht die beiden
Zeltlager und die provisorischen Unterkünfte im Tal mehrmals
wöchentlich, versorgt akut und chronisch Erkrankte, überweist und
transportiert schwer Erkrankte in die örtlichen Krankenhäuser, berät
Schwangere und Mütter und hält zahlreiche Versammlungen mit den
Flüchtlingen zu Fragen von Krankheitsprävention, Hygiene, Ernährung
etc. ab.
Durch ihre kontinuierliche Präsenz in den Flüchtlingsunterkünften
können die Teams von KHF und KHANZAD auch bei Konflikten unter den
Flüchtlingen und Gewaltsituationen innerhalb der Familien beraten.
Sie stellen die Verbindung zwischen den Flüchtlingen und den
örtlichen Behörden, den Stadt- und Gesundheitsverwaltungen her und
übermitteln die Forderungen der Flüchtlinge an die kurdische
Regionalregierung.
Wie immer können Nothilfemaßnahmen den
Flüchtlingen höchstens kurzfristig Erleichterung bringen und der
Ausbreitung von Krankheiten, Mangelernährung und langfristigen
Gesundheitsschäden vorbeugen. Die Situation der Flüchtlinge bleibt
prekär. Mehr als 6 Monate dauert die Fluchtsituation nun an.
Hoffnungslosigkeit und das Gefühl von Ohnmacht und Isolation breiten
sich aus. Ein Ende der iranischen und türkischen Luftangriffe ist
nicht abzusehen. Anfang Juni starben zwei Zivilisten bei iranischen
Angriffen. Kurz danach erklärte das türkische Militär zukünftige
Abstimmung mit dem Iran über gemeinsame Angriffe.
Weder die kurdische Regionalregierung noch die irakische
Zentralregierung haben zurzeit ein Interesse, der Verletzung ihrer
Souveränität durch den Iran und die Türkei aktiv entgegenzutreten
und den Konflikt mit den Nachbarstaaten zu eskalieren. Die kurdische
Regionalregierung hat das gesamte Konfliktgebiet für
MedienvertreterInnen gesperrt. Die Angriffe auf das Qandil-Gebiet
vollziehen sich weitgehend unbeachtet von der lokalen und
internationalen Öffentlichkeit.
Die vom Auswärtigen Amt geförderten
Nothilfemaßnahmen laufen Ende Juni aus. Zusammen mit unseren
Partnern KHF und KHANZAD überlegen wir, vor allem die medizinische
und soziale Betreuung der Flüchtlinge fortzusetzen, weiter in den
isolierten Lagern und Notunterkünften präsent zu sein und die
Situation der Flüchtlingen und ihre Forderungen öffentlich zu machen
Dabei kann uns Ihre Spende unter dem Stichwort „Pishder“ helfen.
***
Mit herzlichen Grüßen
Haukari e.V.
Kontakt:
Susanne Bötte, Falkstr. 34, 60487 Frankfurt
Tel. 069 / 707 602 78, Fax: 069 / 707 602 79
Email: info@haukari.de
Internet: www.haukari.de
Karin Mlodoch, Email: mlodoch@haukari.de
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