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Druck auf die Medien im kurdischen Nordirak
Verschärftes Pressegesetz in Vorbereitung
iro. Erbil, 5. Mai
Als Nebez Goran in einem Artikel schrieb, dass selbst die Vögel
ihren Flug einstellen müssten, wenn der kurdische Ministerpräsident
Nechirvan Barzani mit seinem Autokorso in Erbil unterwegs sei, hatte
er die Lacher in der kurdischen Regionalhauptstadt auf seiner Seite.
Es war nicht das erste Mal, dass der 29-jährige Journalist die neue
politische Klasse von Kurdistan, die vor Jahren noch ein schlichtes
Leben als Guerillakämpfer gegen die Diktatur von Saddam Hussein
fristete, mit spitzer Feder aufs Korn nahm. Wenig später wurde Goran
von fünf Männern in Uniformen der offiziellen kurdischen
Sicherheitskräfte mitten in Erbil in einen Wagen gezerrt und
verschleppt. Mit vorgehaltener Kalaschnikow fuhren die Häscher den
Journalisten, dem sie die Augen verbunden hatten, in eine
abgeschiedene Gegend, wo sie ihn mit den Gewehrkolben und einer
Metallstange verprügelten. «Wir raten dir, nicht mehr solches Zeug
zu schreiben», hätten ihm die Männer gedroht, sagt Goran.
So gut wie keine Mordanschläge
Journalisten im kurdischen Teilstaat müssen im Unterschied zu ihren
Kollegen in anderen Teilen des Landes so gut wie keine Mordanschläge
fürchten. Doch laut Joel Campagna vom Komitee zum Schutz der
Journalisten (CPJ) hat der Druck der beiden mächtigen
Regierungsparteien, der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) von
Regionalpräsident Barzani und der Patriotischen Union Kurdistans
(PUK) von Staatspräsident Jalal Talabani, auf die paar unabhängigen
Medien in den letzten drei Jahren deutlich zugenommen. Am Montag hat
die in New York ansässige Organisation in Erbil unter dem Titel «Der
andere Irak» einen Bericht über den Zustand der Pressefreiheit im
irakischen Kurdistan vorgestellt.
Drohungen und zweifelhafte Prozesse
Neben Verschleppungen wie der von Goran hat das CPJ darin zahlreiche
Versuche dokumentiert, kritische Stimmen mittels Drohungen oder
zweifelhafter Prozesse mundtot zu machen. In keinem einzigen Fall
seien die Täter vor Gericht gestellt worden, sagt Campagna.
Fernsehen und Radio werden von den kurdischen Regierungsparteien
beherrscht, doch haben sich trotz knappen Ressourcen mehrere
unabhängige oder semi-unabhängige Zeitungen, Zeitschriften und
Internetportale etabliert. Zu den beliebtesten zählen die zweimal
wöchentlich erscheinenden Zeitungen «Hawlati» und «Awene». Wegen
ihrer Berichterstattung über schlechte öffentliche Dienstleistungen
und Korruption wurden die Zeitungsmacher schon mehrmals vor den Kadi
gezerrt.
Als Grundlage dafür dienten Gesetze aus der Saddam-Zeit. Ein neues
Pressegesetz sieht jetzt noch drastischere Strafen vor. Laut dem
Gesetzesentwurf können Medien wegen Verletzung der nationalen
Sicherheit sowie der Unterminierung der öffentlichen Moral oder
Tradition mit Verboten belegt und Journalisten zu hohen Geldstrafen
verurteilt werden. Die vagen Bestimmungen stellten eindeutig eine
Verletzung internationaler Standards dar, sagt Campagna. Das CJP hat
Regierung und Parlament aufgefordert, das Gesetz zu überarbeiten.
Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2008
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