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Irak: Kampf um das Oel - Washingtons gescheiterte Initiative

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Irak: Kampf um das Öl - Washingtons gescheiterte Initiative

Irakische Politik in der Hand des Irans

Wie gewohnt sind Ergebnisse und Verlauf der Kaempfe im Irak von den westlichen Medien mit einem Grad von Vernebelung der realen Vorgaenge berichtet worden, die ihr Publikum im Unklaren ueber die realen Hintergruende lassen. Auch dass der erhoffte Erfolg der von amerikanischer Seite initiierten und durch den von ihr kontrollierten irakischen Regierungschef Al Maliki ausgefuehrten Angriffe, die Hunderte das Leben kosteten, ausblieb und tatsaechlich ihre Gegner: Al Sadr und der Iran gestaerkt wurden, wird peinlich verschwiegen.

Das offensichtliche Ziel des Angriffs der durch Al Maliki gefuehrten irakischen Armee bestand darin, die Kontrolle ueber das wichtigste Oelrevier des Irak im Umfeld von Basra zu gewinnen. Die Stadt war bisher eine Hochburg der Anhaenger des nationalistischen Predigers Al Sadr.

Die Strategie der US-Regierung besteht nach Einschaetzung vieler Beobachter darin, eine Spaltung des Irak entsprechend der ethnischen Gruppierungen nach dem kolonialistischen Konzept "divide et impera" zu erreichen.

Das erwuenschte Ergebnis wurde bereits im "Armed Forces Jounal" veroeffentlicht, in dem eine Karte zeigte, wie die Grenzen neu zu ziehen seien: das Gebiet der Kurden ist als eigenstaendiger oder weitgehend autonomer Kurdenstaat vorgestellt, das Gebiet des zentralen Irak als Sunnitenstaat und der oelreiche Sueden am persischen Golf als Schiitenstaat..

Ein Teil der Schiiten arbeitet bisher bereitwillig mit den Amerikanern zusammen: der iranisch beeinflusste ISCI mit dem militaerischen Arm der Badr-Milizen und Malikis Dawa-Partei. Von ihnen werden die amerikanischen Plaene unterstuetzt, die ihnen einen Staat bzw. eine Super-Provinz in Aussicht stellen, in dem sie von den Oel-Einnahmen der reichhaltigen Oellagerstaetten im Sueden profitieren.

Ihnen gegenueber stehen die Anhaenger Al Sadrs und seine "Mahdi-Armee", die sich einer Spaltung widersetzen und auf der nationalen Einheit des Irak bestehen.

Die Spaltung sollte in die Wege geleitet werden durch die im Herbst anstehenden Provinzwahlen: entsprechend der Ergebnisse sollte ueber die weitere politische und oekonomische Perspektive der Regionen entschieden werden.

Gestoert wurde die Perspektive eines vom Irak abgespaltenen Suedens, der bereitwillig seinen Oelreichtum amerikanischen Konzernen zur Ausbeutung ueberlassen sollte,i vor allem durch Al Sadr, der sich auch bisher als hartnaeckiger Gegner der USA erwies und auf einen schnellstmoeglichen Abzug der Besatzer draengte.

Vor diesem Hintergrund war es fuer den Erfolg der amerikanischen Plaene zentral, die Anhaenger Al Sadrs bis zu den Wahlen im Herbst soweit zurueckzudraengen, dass durch den ansonsten zu erwartenden Wahlsieg die Schachzuege der US-Regierung, die ihr endlich den unbehinderten Zugriff auf das irakische Oel im Sueden des Landes bescheren sollte, nicht zu einem kontraproduktiven Ergebnis gewendet wuerden.

Die nachhaltige Unterstuetzung durch die Rhetorik des US-Praesidenten, der von einem wichtigen Unternehmen sprach, wie auch von der US-Luftwaffe, die nicht damit zoegerte, Wohnviertel der Sadristen zu bombardieren, als der Feldzug Malikis ins Stocken geriet, belegten das eminente amerikanische Interesse an dem Angriff auf die Hochburgen der Sadristen.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass man die eigenen Kraefte ueberschaetzt hatte, als erhebliche Teile der irakischen Armee zum Gegner ueberliefen, den Sadristen ihre Waffen aushaendigten, und diese zum Gegenangriff uebergingen, bei dem sie etwa in Bagdad eine Reihe von Stadtbezirken unter Kontrolle nahmen.

Maliki, der vorher erklaert hatte, die Offensive koenne nur durch einen Sieg beendet werden, sah sich mit seinen Truppen unter Druck gesetzt und schließlich genoetigt, sich auf einen Waffenstillstand einzulassen, der die Sadristen gestaerkt aus der Auseinandersetzung hervorgehen ließ, nachdem durch die Angriffe Hunderte getoetet worden waren.

Als delikat stellten sich die Umstaende heraus, unter denen der Waffenstillstand ausgehandelt worden war: Vertreter der schiitischen Fraktionen, auf die sich Regierungschef Maliki stuetzt: des ISCI und der Dawa-Partei, waren in den Iran gereist um dort Sulaimani, den Chef der iranischen revolutionaeren Garden, der Quds, die erst im vergangenen Jahr von der US-Regierung als zu bekaempfende Terroristenorganisation erklaert worden war, zu treffen.

Unter seiner Vermittlung gelang es den Konflikt innerhalb weniger Stunden zu einem Ende zu fuehren, ein Ergebnis, das den frueheren indischen Diplomaten Bhadrakumar staunen laesst ueber die Macht des Iran, Angelegenheiten im Irak kurzfristig und effizient regeln, waehrend zur gleichen Zeit Iraks Regierungschef Maliki und seine Washingtoner Auftraggeber die Ergebnislosigkeit ihrer Bemuehungen zu verbuchen hatten.

Maliki selbst war offenbar ueber die Verhandlungen fuer den Waffenstillstand nicht informiert worden und konnte erst das Ergebnis zur Kenntnis nehmen.

Viele irakische Provimzenn wurden bisher administrativ kontrolliert durch den schiitischen ISCI und seine Badr-Milizen, der die Regierung Malikis unterstuetzt und nicht, wie die Sadristen, einen baldigen Abzug der amerikanischen Besatzer fordert.

Nach Einschaetzung von Beobachtern geniesst er jedoch nicht die Zustimmung der Bevoelkerungsmehrheit und muesste deshalb bei den kommenden Provinzwahlen mit einer Niederlage gegenueber den Sadristen rechnen.

Sollte die Kontrolle der suedlichen Landesteile infolgedessen an die Anhaenger Al Sadrs fallen, befaenden sich die US-Besatzer in einer schwierigen Situation, da sie in diesem Fall keine Akzeptanz und Kooperation mehr zu erwarten haetten. und ihnen insbesondere die Kontrolle ueber das Oel in den suedlichen Landesteilen aus den Haenden zu gleiten drohte.

Vizepraesident Cheney, selbst frueher Chef des Oelkonzerns Haliburton, sei vermutlich wutentbrannt ueber das Ergebnis der iranischen Einmischung, die die von ihm befuerwortete Offensive im Oelrevier beendete, nimmt Ex-Diplomat Bhadrakumar an.

Gleichzeitig seien mehrere fuehrende Ex-Außenpolitiker, wie Henry Kissinger, Colin Powell, Madeleine Albright und James Baker zu einer Diskussion zusammengetroffen mit dem Ergebnis, es sei notwendig, Gespraeche mit der iranischen Regierung aufzunehmen, Jeder Gedanke an einen Dialog mit der iranischen Regierung war von Bush und Cheney bisher mit Entschiedenheit zurueckgewiesen worden.

http://www.salon.com/opinion/feature/2008/04/01/basra/index_np.html

http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/JD03Ak02.html


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04.04.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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