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Haukari: Der Streit um das irakische Oel*

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Oktober 2007

Der Streit um das irakische Öl

Liebe Freundinnen und Freunde von Haukari e.V.

Im Irak wird zurzeit weitgehend unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit ein Thema verhandelt, das noch 2003 auch hier im Mittelpunkt der Proteste gegen den Irak-Krieg stand: die Ausbeutung und Verteilung des irakischen Ölreichtums.

Der Irak verfügt über die weltweit drittgrößten Erdölvorkommen. Die Verabschiedung eines nationalen Gesetzes zur Regelung der Ölförderung und der Verteilung der Öleinnahmen gehört zu den Kernaufgaben, die die Regierung al Maliki bis Herbst diesen Jahres lösen sollte. Im Februar diesen Jahres wurde der irakischen Nationalversammlung ein erster Entwurf für ein Ölgesetz vorgelegt, der heftige Kritik von allen Seiten auslöste. Bis heute ist das Ölgesetz trotz zahlreicher Überarbeitungen und Wiedervorlagen und trotz massiven Drucks seitens der US-Regierung nicht verabschiedet. Bei dem Konflikt geht es keineswegs nur - wie hier oft verkürzt wieder gegeben - um regionale Aufteilung von Zugriff und Einnahmen. Streitpunkt sind auch die Bedingungen für Verträge mit internationalen Ölgesellschaften. Zwar soll der irakische Staat alleiniger Eigentümer der Ölfelder und Produktionsanlagen bleiben und an allen Gewinnen beteiligt sein. Ausländischen Ölkonzernen soll aber über so genannte PSA (Production Sharing Agreements) eine
Produktionsbeteiligung eingeräumt werden. Als Kompensation für Investitionen in Förder- und Produktionsanlagen versprechen PSAVertr äge mit Laufzeiten bis zu 30 Jahren den Konzernen hohe Gewinnbeteiligung und Einfluss auf Produktion und Preise. Kommt es zu Konflikten zwischen irakischer Regierung und den Ölkonzernen, sollen diese vom Internationalen Gerichtshof geregelt werden.

Sollte das Gesetz so verabschiedet werden, wäre der Irak das erste unter den Erdöl fördernden Ländern im Nahen Osten, das solche Verträge und damit eine Preispolitik ausländischer Konzerne an der OPEC vorbei zulässt. Die OPEC-Länder sehen die Debatte deshalb mit großer Sorge und fürchten eine Schwächung ihres Einflusses. Die britische
Nichtregierungsorganisation PLATFORM, die die Ölpolitik britischer Konzerne kritisch beobachtet, sieht die PSA-Verträge als die „am wenigsten demokratische Möglichkeit“, die den Konzernen Renditen zwischen 42 und 162% verspreche und den Irak um Milliarden-Einnahmen bringe. Die US-Regierung übt massiven Druck auf Al-Maliki aus, das Gesetz im Schnellverfahren durchzupeitschen.

Die sunnitischen Parteien im irakischen Parlament laufen Sturm gegen den „Ausverkauf nationalen Ölreichtums“. Heftige Proteste kommen auch von der kommunistischen Partei und Ölarbeitergewerkschaften im Zentral- und Südirak.

Die kurdische Regionalregierung widersetzt sich einem anderen Punkt im Gesetzentwurf: Er sieht vor, dass Verkäufe zentral über das irakische Ölministerium laufen und Gewinne von dort an die Regionen verteilt werden. Die kurdische Regierung jedoch fordert die Kontrolle über den Verkauf und die Gewinne aus regionalen Erdölvorkommen.

Die geplanten PSA-Verträge hingegen kommen den kurdischen Interessen entgegen. Die Erdölreserven im kurdisch verwalteten Gebiet sind bislang unerschlossen. Das Ba’ath-Regime hat hier nicht in Produktionsanlagen investiert. Die kurdische Regierung fürchtet, dass auf nationaler Ebene die kurdischen Interessen weiter vernachlässigt werden und wirft dem irakischen Ölminister Sharistani vor, ausländische Konzerne von Investitionen im kurdischen Gebiet abzuhalten. Für die kurdische Regierung scheint die Lockung ausländischer Konzerne mit
Produktionsbeteiligung und hohen Profitmargen die einzige Möglichkeit, die hohen Investitionskosten für neue Produktionsanlagen zu decken und bei der Förderung kurdischer Erdölvorkommen mit den anderen erdölreichen Regionen im Irak gleichzuziehen.

In den letzten Wochen nun eskaliert der Streit ums Öl. Nach monatelangem Tauziehen um das nationale Ölgesetz hat die kurdische Regierung ein regionales Ölgesetz verabschiedet und bereits erste PSAVertr äge mit internationalen Konzernen abgeschlossen. Die Verträge mit US-amerikanischen, kanadischen und französischen Firmen regeln sowohl die Erschließung mehrerer großer Ölfelder als auch Joint Venture Abkommen zum Bau von Raffinerien. Neben Ölfeldern an der türkischen Grenze und nordwestlich von Sulaimania sollen auch in der bislang infrastrukturell schlecht angebundenen Region Germian die reichen Erdölvorkommen erschlossen werden, die vielerorts „wild“ aus dem Boden sprudeln.

Die irakische Regierung reagierte empört auf den kurdischen Alleingang. Ölminister Sharistani bezeichnete die abgeschlossenen Verträge als illegal.

Sicherlich sind die kurdischen Verträge eine weitere Belastung für den ohnehin zerrütteten nationalen Verständigungsprozess. Dies bereitet aber in Kurdistan kaum jemandem Sorge. Hier wird ohnehin von der Zentralregierung in Baghdad nichts Positives für Kurdistan erwartet und jeder weitere Schritt in Richtung regionale Autonomie begrüßt. Dass der Preis für die Unabhängigkeit von Baghdad die Abhängigkeit von ausländischen Konzernen ist, wird hier wenig diskutiert. Was zählt ist, dass die Verträge eine schnelle Förderung des kurdischen Öls, Gewinne für die kurdische Regierung und eine weitere Stärkung und
Stabilisierung der Region bedeuten.

Was aus lokaler Sicht und den bitteren Erfahrungen der KurdInnen mit der Zentralregierung in Baghdad nachvollziehbar ist, scheint aus einem internationalen Blickwinkel riskant. Die im Schatten von Besatzung, Terror und Gewalt mit heißer Nadel gestrickte kurdische Ölpolitik birgt die Gefahr langfristiger Abhängigkeiten von internationalen Konzernen und einer weiteren Belastung der Beziehungen zu den Anrainerstaaten und den OPEC-Ländern.

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Mit herzlichen
Grüssen Haukari e.V.

Kontakt:
Haukari e.V.
Falkstrasse 34
60487 Frankfurt

mail: info@haukari.de
www.haukari.de

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