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Die Irakische Kommunistische Partei weist US-Senator Bidens Resolution
zurück
Der Aufbau des irakischen Staates und dessen Charakter ist eine innere
Angelegenheit des irakischen Volkes
Die Irakische Kommunistische Partei weist die von US-Senator und
Präsidentschaftskandidat Joseph Biden vorgelegte und vom US-Senat am
26. September 2007 angenommene nicht bindende Resolution entschieden
zurück. Sie erklärt, dass diese die Souveränität des Iraks und die
Rechte des irakischen Volkes verletzt. In der Resolution wird
gefordert, Irak nach religiösen und ethnischen Gesichtspunkten in drei
Teile zu spalten. Eine Föderationsregierung mit beschränkten
Vollmachten soll lediglich die Grenzen sichern und die Öleinnahmen
verteilen.
In einem Leitartikel des Zentralorgans der Irakischen KP „Tarik AlSchaab
“ (Weg des Volkes) vom 1. Oktober 2007 wird erklärt: „Diese
befremdliche Resolution des US-Senats ist bei großen Teilen der
Bevölkerung und offiziellen Kreisen im Irak, in der Region und in der
Welt weithin auf Ablehnung gestoßen.“
In dem Artikel heißt es weiter: „Föderalismus bedeutet nicht Teilung.
Ihn einzuführen ist eine innere Angelegenheit des Iraks und keine Sache
der USA. Die Normen des Völkerrechts geben den USA keinerlei Recht oder
Befugnis, dem irakischen Volk irgend etwas gegen seinen Willen
aufzuzwingen (denn nach Resolution 1546 des UN-Sicherheitsrates ist die
Besatzung offiziell bereits beendet).“
Der Leitartikel erläutert, warum die Irakische KP ein föderales System
unterstützt. Die Partei hat diese Position bereits Anfang der 90-er
Jahre im Zusammenhang mit der Entwicklung in Irakisch-Kurdistan im
Gefolge des Volksaufstandes vom März 1991 eingenommen. Das Prinzip hat
in die irakische Verfassung Eingang gefunden, deren Artikel 1 lautet:
„Die Republik Irak ist ein unabhängiger, geeinter, föderaler Staat mit
voller Souveränität, mit einem demokratischen, parlamentarischen und
republikanischen Regierungssystem. Diese Verfassung garantiert die
Einheit des Iraks.“
Die Irakische Kommunistische Partei hat stets betont, dass “der
Föderalismus in Irakisch-Kurdistan als demokratische Lösung des
nationalen Problems der Kurden unter den aktuellen realen Bedingungen
des Iraks gestärkt werden muss”. Sie unterstützt grundsätzlich die
Errichtung eines föderalen Staates im Irak unter der Voraussetzung,
dass das irakische Volk entsprechend der Verfassung und den im „Gesetz
über die Einrichtung von Regionen“ festgelegten Verfahren über die
Gestalt der zu schaffenden Regionen entscheidet. Die Partei unterstützt
auch eine Verteilung der Machtbefugnisse zwischen Zentrale und
Provinzen, die in ganz Irak und in den Regionen zu einer verstärkten
Dezentralisierung führt.
In dem Leitartikel wird aber auch auf die Notwendigkeit hingewiesen,
bei der Einrichtung der Regionen der Föderation die Bestrebungen der
betroffenen Gebiete zu berücksichtigen und dem freien Willen der
Bevölkerung statt zu geben, wobei „jegliches Sektierertum, Diktat und
Zwang abzulehnen sind“. Der ganze Vorgang muss sich „in einem Klima des
nationalen Einvernehmens vollziehen, um günstige Bedingungen für
nationale Versöhnung zu schaffen, um Sicherheit und Stabilität
wiederherzustellen. In diesem Sinne kann die Einrichtung von Regionen
im Rahmen eines geeinten, demokratischen Iraks ein Faktor von
Stabilität und Ruhe sein, der die nationale Einheit auf der Grundlage
der Wünsche des Volkes und einer freiwilligen Union stärkt.“
“Der Föderalismus, den wir ersehnen und erstreben, beruht, wie es in
der irakischen Verfassung heißt, auf dem freien Willen der Irakis, auf
ihrem Recht, den Charakter ihres Staates und Regimes selbst zu
bestimmen. Er ist keine Reaktion auf vorübergehende Umstände oder ein
Eingehen auf andere Ziele als die, auf welche sich die Irakis selbst
geeinigt haben, um ihre Interessen ungeachtet ihrer ethnischen,
religiösen und konfessionellen Zugehörigkeit zu wahren. Föderalismus
ist das genaue Gegenteil der Resolution, die der US-Senat beschlossen
hat.“
Der Leitartikel hebt hervor: „Diese Resolution und andere, welche die
Souveränität des Iraks und die Rechte unseres Volkes verletzen“, sind
ein weiterer Beweis dafür, dass „die prinzipienlosen Kämpfe zwischen
politischen Kräften und Blöcken, das Fehlen von Stabilität und
Sicherheit, die anhaltende Polarisierung und Agitation zwischen den
Glaubensgemeinschaften, die Aktionen illegaler Milizen, die Schwäche
des Staates und seiner Institutionen äußere Kräfte ermutigen, sich
weiter in die Angelegenheiten des Iraks einzumischen, die Entwicklung
im Lande nach ihren Interessen zu steuern und nicht danach, wie sich
das irakische Volk die Zukunft seines Landes vorstellt.“
“Es ist daher an der Zeit, Maßnahmen zu ergreifen, die zu politischer
Entspannung beitragen, einen landesweiten Dialog zu starten, der zu
einem wirklichen nationalen Konsens führt, der Gewalt ein Ende zu
setzen, Sicherheit und Stabilität wiederherzustellen sowie
Institutionen des Staates aufzubauen, die auf staatsbürgerlicher
Verantwortung, Kompetenz, Professionalismus und Integrität beruhen,
statt auf Quoten für Glaubensgemeinschaften und engen Parteiinteressen,
die alle so satt haben.“
Der Leitartikel schließt mit der Hoffnung, dass die Resolution des USSenats,
“die wir ablehnen und zurückweisen, weil sie den Irak nach
religiösen und ethnischen Kriterien teilen will”, alle politischen
Kräfte dazu anspornt zusammenzuarbeiten, um den politischen Prozess neu
zu gestalten und zu einem nationalen Konsens zu kommen, damit unser
Land in die Lage versetzt wird, den Terrorismus zu bekämpfen, die
Polarisierung zwischen den Glaubensgemeinschaften zu überwinden,
überall Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten, die volle
Souveränität bald wiederherzustellen, beim Aufbau eines Rechtsstaates
voranzukommen sowie einen geeinten, föderalen und demokratischen Irak
zu erreichen.
Quelle: MESOP, 8.10.2007
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