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Kriegspropaganda und Realität USA/Iran

An alle, die imperialistische Strategien und Kriegslisten verstehen wollen:

Angesichts der Drohungen des französischen Außenministers gegen den Iran (17.09.2007) lohnt es sich, das Kriegsgeschrei einmal von Nahem zu betrachten und sich ein paar Gedanken über imperialistische Arbeitsteilung zu machen:

The 'proxy war': UK troops are sent to the Iranian border
(leicht zu finden)
Belfast Telegraph, 12. September 2007
Es wird angedeutet, Basra würde deshalb den Irakern übergeben, um Briten für die Stationierung an der iranischen Grenze freizustellen. Dies wird als Vorbereitung auf einen Angriff auf den Iran gedeutet. Seit Monaten und Jahren wird ein solcher Angriff "vorausgesagt", außerdem wird er sogar als nuklearer Angriff vorhergesagt:

zum Beispiel

http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id3&Itemid!4 Nuklearer Angriff auf den Iran?
15.08.2006

Auch im Februar 2007 wurde der Angriff als unmittelbar bevorstehend bezeichnet.

Da wundert doch Folgendes:

  1. dass nicht einmal die iranisch-britische Geiselkrise im April zu einem Angriff geführt hat

dazu auch die Analyse und der Vergleich mit der ersten Geiselkrise (Iran-USA 1979/1980):

http://www.hirhome.com/iraniraq/hostage_crisis_2007.htm
The Iranian Hostage Crisis - Again
Is this hostage crisis different from the 1979-1980 hostage crisis 03. April 2007

2) dass der Iran dem Irak und damit implizit USA (+ Großbritannien etc.) mit Krieg droht (allzuviel Angst vor einem Atomschlag scheinen sie nicht zu haben):

"In signs of a fast-developing confrontation, the Iranians have threatened military action in response to attacks launched from Iraqi territory while the Pentagon has announced the building of a US base and fortified checkpoints at the frontier."

"The operation [Briten an die Grenze] is regarded as a high-risk strategy which could lead to clashes with Iranian-backed Shia militias or even Iranian forces and also leaves open the possibility of Iranian retaliation in the form of attacks against British forces at the Basra air base [....] Relations between the two countries are already fraught after the Iranian Revolutionary Guards seized a British naval party in the Gulf earlier this year." (eben die Geiselkrise)

3) dass der Iran noch 5 Tage später keine offizielle Bestätigung der Absicht der USA haben will, Militärbasen an der Grenze zu bauen.

http://www.tehrantimes.com/index_View.asp?code3061
Iran prepared for talks with U.S. at Iraq's request
17.09.2004
" 'We have not so far heard Washington confirm or deny the report.' " (Sprecher des iran. Außenministeriums)

Außerdem können US/NATO-Militärbasen auch zur Stärkung eines Regimes dienen und müssen keineswegs zu seinem Sturz gedacht sein, siehe Saudi-Arabien und Camp Bondsteel im Kosovo.

4) dass die Irakis selbst die Briten bei "Notfällen" im Südirak zur Hilfe rufen wollen
(siehe Artikel in der Belfast Times):

"The Iraqi commander in charge of the Southern part of the country, General Mohan al-Furayji, said he would not hesitate to call for British help if there was an emergency."

und das in einem im Wesentlichen von Schiiten und auf jeden Fall Islamisten beherrschten Land

siehe
http://www.iht.com/articles/ap/2007/09/16/africa/ME-GEN-Iraq-Islamic-Army.php Insurgent spokesman says Iraq is currently occupied by Iran and U.S. 17.09.2007 5) dass die Briten selbst nach der Geiselkrise aufgehört hatten, die Grenze zum Iran ÜBERHAUPT NOCH ZU ÜBERWACHEN, trotz der Bewaffnung schiitischer Milizen:

"For the British military the move to the border is a change of policy. They had stopped patrols along the long border at Maysan despite US concerns at the time that the area would become a conduit for weapons into Iraq."
(letzte Zitate siehe obiger Artikel aus Belfast Telegraph)

Das mit den US-"Besorgnissen" kann man natürlich als Propaganda getrost vergessen. USA und UK wussten und wissen genau, was sie tun. Fest steht: die Briten gehen nur dahin zurück, wo sie vorher schon waren.

6) dass der seit April gepflegte offizielle Kontakt USA-Iran nicht abreißen soll:
"The U.S. and Iranian ambassadors to Iraq met on August 6 for their third round of security talks in the past two (!) months."

"Asked about Iraqi Foreign Minister Hoshyar Zebari's statement that a new round of high level talks between Washington and Tehran is imminent, Hosseini said: 'Mr. Zebari had raised this issue before and he is making efforts in line with this.' "

7) und es wundert doch sehr, dass die New York Times heute berichtet, dass die USA die UN-Sanktionen gegen den Iran so gut wie gar nicht durchgeführt haben, obwohl sie seit der Geiselkrise 1979 angeblich genaueste Aufzeichnungen über relevante Personen und Firmen im Iran führen. Sogar die Europäer (!) beschweren sich über die Schlampigkeit, mit der die USA die Sanktionen gegen den Iran durchführen: nur 2 von 25 genannten Personen und 17 von 25 Firmen sind angeblich von den Sanktionen tatsächlich betroffen:

http://www.nytimes.com/2007/09/17/world/middleeast/17sanctions.html?_r=2&oref=slogin&oref=slogin 17.09.07
Lack of ID Data impedes U.N. sanctions against Iran

"The failure of the United States to carry out sanctions against many companies and individuals is cited by some European diplomats as a case of Washington not practicing what it is preaching."

"Of the 25 people cited for travel restrictions by Security Council resolutions, the United States has been able to freeze the assets of and impose the curbs on 2. The United States has been able to get enough details to freeze the assets of 17 of the 25 companies cited by the United Nations."

"The United States maintains myriad lists of individuals and front organizations that it accuses of weapons proliferation, terrorism, narcotics trafficking and other crimes."

Was lässt sich daraus schließen:

  • das Kriegsgeschrei ist offensichtlich mit großer Vorsicht zu genießen. Der Iran selbst scheint es nicht wirklich ernstzunehmen, und er wird seine Gründe haben.
  • sollten (!!!) die USA den Iran tatsächlich angreifen, geschieht dies sicher mit der Absicht, die Muslime weltweit auf die Juden und Israel zu hetzten, denen dafür die Schuld gegeben werden wird:

"Auf kurze Sicht wird Israel zweifellos von der Zerstörung der iranischen Militärstrukturen profitieren. Doch Israel wird als Ergebnis keinen Frieden erlangen, da ein atomarer Angriff auf den iran eine enorme antiisraelische Bewegung in der arabischen Welt und darüber hinaus auslösen wird.
Die USA werden enormen Nutzen durch einen solchen Angriff haben. [....]" http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id3&Itemid!4 Nuklearer Angriff auf den Iran?

Dies wäre im Sinne einer faschistischen Chaos-Taktik angesichts drohender Wirtschaftskrise zu verstehen.

  • sollten (!!!) die USA den Iran tatsächlich angreifen, dann würde (!!!) dies sicher nicht geschehen, um den islamischen Fundamentalismus zu bekämpfen, sondern um einen Staat, der trotz allem noch zu viele säkulare Element enthält, in einen Hexenkessel verfeindeter Islamisten-Clans zu verwandeln, wie Afghanistan und den Irak.

Dies steht im Rahmen imperialistischer Krisenstrategien, wie ich sie in verschiedenen Beiträgen im Internet beschrieben habe: hier einige entsprechende Links

http://groups.google.com/groups/search?enc_author=lV7LzRcAAABMKnIEw-dSZcsmJGGo-0-gTHt-1JN84KartLh5397NDA&scoring=d

http://www.kommunikationssystem.de/news/Irak/USA-EU-pushen-die-Scharia-18158.html

http://www.trend.infopartisan.net/trd1205/t311205.html
"Ein grundsätzlicher Fehler"

http://www.trend.infopartisan.net/trd1105/t211105.html
Dolchstoß und kein Ende - der Fall Plame/Wilson

Aber die USA haben auch im Chaos noch Optionen offen, die pro-schiitisch sind:

"Wenn man diesen Gedankengang weiterführt, könnte man mit der Idee von einer ganzen Kette gemäßigter [! das ist wohl eher nicht ernst zu nehmen, siehe unten "Revolution" ] schiitischer Regierungen spielen, die sich in einem Gebiet, das sich von Teheran über Kuweit und Bahrain bis zur Saudischen Ostprovinz erstreckt - das sind alles Länder mit einer substanziellen schiitischen Bevölkerung. Vor dem 11. September wäre man aus jeder seriösen politischen Diskussion ausgeschlossen worden, wenn man von einem nation building in diesem Ausmaß gesprochen hätte. Jetzt sind wir mit dem Zerfall des Hauses Saud konfrontiert, und es bleibt uns vielleicht gar keine andere Wahl. Nur eine Invasion und eine Revolution könnten vielleicht den industriellen Westen vor einer lang anhaltenden, lähmenden Depression retten."
Robert Baer, Die Saudi-Connection, 2003, deutsch bei Bertelsmann 2004

Pro-schiitisch heißt normalerweise auch proiranisch. Revolution bedeutet in diesem Kontext "islamische Revolution", offensichtlich gegen das Saudische Herrscherhaus. Invasion meint in diesem Buch auf keinen Fall den Iran, weil der Autor schon die Invasion im Irak verurteilt, bedeutet also wohl auch Saudi-Arabien. Nach Bekämpfung des islamischen Fundamentalismus klingt das alles nicht, wie man es auch dreht und wendet, allenfalls nach Ersetzung eines fundamentalistischen Modells durch das nächste.

Diese Pläne und Möglichkeiten der USA müssen endlich im Kontext gesehen und verstanden werden!

Alle Links mit Disclaimer und alle Zitate for fair use only.

Roberto Mantovani
Kaarst

17.09.07    Roberto Mantovani <r.mantovani@t-online.de>
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