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LVZ: zu: Unabhängigkeit Kosovo Fataler Kreis
Leipzig (ots) - Von Kostas Kipuros
Es war der damalige deutsche Außenminister Genscher, der ganz am
Anfang des jugoslawischen Dramas die Sezessionsbestrebungen in dem
Vielvölkerstaat befeuerte: Wenn die Völker nicht mehr gemeinsam leben
wollen und können, dann müssen sie sich trennen. Im Kosovo schließt
sich mit der Unabhängigkeitserklärung der serbischen Provinz der
fatale Kreis.
Man mag streiten, was die Entwicklung mehr befördert hat - die
Unterdrückungspolitik durch das Milosevic-Regime oder die zwischen
Hilflosigkeit und Einseitigkeit schwankende Politik Washingtons und
Brüssels. Über das Ergebnis kann es keinen Zweifel geben: Kosovos
Unabhängigkeit markiert nicht nur eine Niederlage des serbischen
Nationalismus. Sie ist zugleich eine Niederlage für die Europäische
Union, die sich das Prinzip multiethnischer Staaten auf die Fahnen
geschrieben hat und nun - Milosevic lässt grüßen - den Rückfall in
Nationalismus akzeptiert. Verglichen mit Kosovo ist Serbien
nachgerade ein Vielvölker-Paradies. Seit dem 1999 durch Nato-Bomben
erzwungenen Abzug der serbischen Armee sind 200000 Nichtalbaner
vertrieben worden - unter den Augen der 50000 Nato-Soldaten. Wer von
den verbliebenen Serben und Roma mag noch den Versprechungen der
Führung in Pristina oder Brüssels glauben, ihre Unversehrtheit sei
garantiert.
Warum dennoch das Prinzip Unabhängigkeit? Weil Milosevic mit seinem
Krieg den Kosovo verloren hat? Aber der ehemalige Kriegstreiber liegt
seit Jahren unter der Erde. In Belgrad beginnt sich der Wille pro
Europa durchzusetzen. Deren Exponenten um Regierungschef Tadic werden
es mit der Sezession Kosovos in Zukunft noch schwerer haben, zu
erklären, warum Brüssel den radikalen serbischen Nationalismus ächtet
und gleichzeitig jenen der kosovarischen Führung belohnt.
Aber auch die EUselbst steckt in Erklärungsnöten, denn Kosovo ist
unabhängig von allen Beschwichtigungsformeln sehr wohl ein
Präzedenzfall und ein gefährlicher dazu. Für die Unabhängigkeit hat
Brüssel das Prinzip der Unverletzlichkeit von Grenzen gebrochen,
UN-Resolutionen ausgehebelt und die Büchse der Pandora geöffnet: Wenn
der Wille der Kosovaren zur Unabhängigkeit als Maßstab gilt, warum
gilt er dann nicht für Kurden - und zwar in der Türkei, im Irak, Iran
und in Syrien? Warum wird Kosovaren erlaubt, was Palästinensern,
Nordiren oder türkischen Zyprern verwehrt bleibt? Und mit welcher
Begründung kann die Europäische Union der Abspaltung Abchasiens von
Georgien widersprechen
Als wäre das alles nicht genug, steht die EU vor einer
Herausforderung, auf die sie noch nicht einmal ansatzweise eine
Antwort weiß. Kosovo ist heute ein Hort des organisierten
Verbrechens. Die wichtigsten europäischen Routen des Frauen-, Waffenund
Drogenhandels verlaufen durch die Region. Clans und Syndikate
werden das Geschenk der Unabhängigkeit dankbar annehmen und zur
Verrichtung ihrer Geschäfte missbrauchen. Um den Sumpf auszutrocknen
und staatliche Strukturen und die Wirtschaft zu stärken, bedarf es
Milliardenbeiträge. Diesen Preis wird Brüssel zahlen müssen.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung
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