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Pressemittelung vom 18. Dezember 2007
Iran: ROG kritisiert Festnahmen von Internetdissidenten und Schließung von
Internetcafés
Berlin/Paris, 18.Dezmber 2007. Am Sonntag hat die Teheraner Polizei 24
Internet-Cafés geschlossen und 23 Internetnutzer, darunter elf Frauen, wegen
"unmoralischen Verhaltens" verhaftet. Reporter ohne Grenzen verurteilt
dieses Vorgehen auf das Schärfste. "Die Linie der Regierung in Sachen freie
Meinungsäußerung radikalisiert sich weiter - vor allem, wenn Frauen
betroffen sind", so ROG. "Die Gründe für die Festnahmen sind extrem vage.
Die Verhafteten müssen umgehend frei kommen und Internet-Cafés wieder
eröffnet werden." Die Polizei hatte nach eigenen Angaben 170 Internetcafés
der Hauptstadt bereits am 15. Dezember vor ihrer möglichen Schließung
gewarnt.
Die Razzien fallen zusammen mit der Ausweitung einer im April begonnenen
Kampagne gegen Frauen, die die islamischen Bekleidungsvorschriften
verletzen. Frauen werden angewiesen, keine "westlichen" Kleidungsstücke wie
etwa enge Hosen oder hohe Stiefel zu tragen, die als "unangemessen"
betrachtet werden. Seit Mahmoud Ahmadinejad 2005 Präsident wurde, wird von
allen Iranerinnen und Iranern erwartet, dass ihr Äußeres den islamischen
Vorstellungen entspricht.
Unterdessen werden die Internet-Dissidentinnen Maryam Hosseinkhah und Jelveh
Javaheri weiterhin im berüchtigten Evin-Gefängnis festgehalten. Hosseinkhah,
eine 32-jährige Journalistin, die für die Webseiten "Zanestan" und
"WeChange" schreibt, ist seit 18. November in Haft. Die 20-jährige Javaheri
wurde am 1. Dezember festgenommen. Beide hatten sich online für Frauenrechte
im Iran eingesetzt. Sie sind angeklagt, falsche Informationen veröffentlicht
zu haben, die öffentliche Meinung gestört und "Werbung gegen die islamische
Republik" betrieben zu haben. Für ihre Freilassung verlangen die Behörden
hohe Kautionen (95.000 EUR für Hosseinkhah bzw. 50.000 EUR für Javaheri).
Iran ist eines der Länder mit der schärfsten Internetzensur weltweit. Seit
gut einem Jahr müssen sich alle Webseiten mit Informationen über den Iran
beim Kulturministerium registrieren lassen. Dem Ministerrat zufolge sind die
Gründe für die Schließung einer Webseite u.a. die Beleidigung des Islam oder
anderer monotheistischer Religionen, die Verbreitung separatistischer
Ideologien, die Veröffentlichung falscher Informationen sowie von
Nachrichten, die in das Privatleben einer Person eingreifen. Auf der
ROG-Rangliste zur Lage der Pressefreiheit weltweit belegt Iran Platz 166
(von 169).
WEITERE INFORMATIONEN:
Katrin Evers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fon +49-30-6158585 - Fax +49-30-6145649
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