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Markus Mauthe / Wildview: Abgetaucht 18.07.1012

Wildview

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Abgetaucht 18.07.2012

Posted: 14 Aug 2012 05:47 AM PDT

Man kann auch heute noch auf unserer Erde tolle Abenteuer erleben. Ich habe mir mit meiner Reise ans rote Meer in |aegypten die T|+r zu fantastischen Begegnungen und neuen Bilderwelten weit aufgesto|fen. Es ist ganz klar, dass ich beim neuen Projekt ÔÇ×Naturwunder ErdeÔÇ£ nicht umhin komme, mich auch mit dem Leben unter Wasser zu besch|ñftigen. Nur so wird diese Arbeit unserem Planeten in seiner Vielfalt gerecht werden. Da ich eher als ÔÇ×wasserscheuÔÇ£ verschrien bin, ist die Ann|ñherung ans fremde Element keine Selbstverst|ñndlichkeit. Doch, um in diesem Beruf |+berhaupt bestehen zu k|Ânnen, muss man von Grund auf mit einer geh|Ârigen Portion Selbstbewusstsein ausgestattet sein. So lies ich auch keinen Hauch von Selbstzweifeln aufkommen, als ich mich schon vor meinem Tauchkurs mit einem professionellen Unterwassergeh|ñuse der Firma ÔÇ×SeacamÔÇ£ f|+r meine Nikon D4 ausstattete.

Untergebracht bin ich in einem Touristenressort, das f|+r jeweils einige hunderte Urlauber deren sch|Ânste Tage im Jahr komplett gestaltet. Vollpension und fast vierzig Grad im Schatten. Die Tauchschule befindet sich innerhalb des Hotelgel|ñndes. Ein sch|Ânes Hausriff verspricht Tauchg|ñnge vom Strand aus gute Bedingungen f|+r einen Anf|ñnger wie mich. Drei Tage verbringe ich zusammen mit meinem Tauchlehrer. Ich bin der einzige Sch|+ler, was insbesondere bei den ersten Tauchversuchen ein toller Vorteil bedeutet. Ich bekomme immer seine volle Aufmerksamkeit. Im theoretischen Teil des Kurses schaue ich Videos an, die mich |+ber die Welt des Tauchens in all ihren Facetten informiert. Ganz sch|Ân viel Stoff auf einmal! Zumal es da auch um die Gefahren wie Dekompressionskrankheit, Tiefenrausch und |ñhnliche Albtr|ñume geht. Zum Gl|+ck gehen wir vom ersten Tag an gleich ins Wasser um das Theoretische auch in die Tat umzusetzen. Wichtig ist, dass man sich von Anfang an mit der Ausr|+stung vertraut macht. Sie sorgt daf|+r, dass man wieder lebendig an die Wasseroberfl|ñche zur|+ckkehrt. Am Ende des dritten Tages muss ich einen Bogen mit 50 Fragen beantworten und habe danach eine offizielle, weltweit anerkannte Zertifizierung zum OWD (Open Water Diver), der bis 18m tief tauchen darf.

Jetzt wird es f|+r mich richtig spannend. Ich habe weitere sieben Tage Zeit, um mich beim Tauchen neben dem austarieren des K|Ârpers zus|ñtzlich an die Kameraausr|+stung zu gew|Âhnen. Diese ist mit ihren zwei klobigen Blitzarmen zum Gl|+ck nur an Land schwer zu transportieren. Im Wasser f|ñngt sie an zu schweben und verschafft mir eher Stabilit|ñt als Behinderung. F|+r jeden Tauchgang bekomme ich eine offizielle Best|ñtigung und so sammle ich eifrig Erfahrung. Am Ende der zehn Tage werden zwanzig Abenteuer in der Welt jenseits der Wasseroberfl|ñche zu Buche stehen. Ich leiste mir den Luxus, als Tauchpartner jeweils einen erfahrenen Guide zu buchen, um mich voll auf meine fotografische Arbeit konzentrieren zu k|Ânnen. Auch wenn ich zu meiner eigenen Verwunderung recht schnell mit dem Gro|fteil der Abl|ñufe klarkomme, so gibt er mir doch ein Gef|+hl der Beruhigung. Es tut gut, jemanden hinter meinem R|+cken zu wissen, der mich von empfindlichen Korallen wegzieht, sollte ich mal die Kontrolle oder die Dauer und Richtung des Tauchgangs aus den Augen verlieren. Als am hilfreichsten sollten sich meine Aufpasser aber als Luftlieferanten erweisen. Durch meine noch nicht ganz professionelle Atmung und dem k|Ârperlichen, aufwendigen Hantieren mit der Kamera, ist meine auf dem R|+cken geschnallte und mit kompressierter Luft gef|+llte Flasche immer recht schnell leer. Nicht selten darf ich mich im letzten Viertel des Tauchganges an den Ersatzschlauch des Partners h|ñngen und so den Aufenthalt unter Wasser verl|ñngern.

Ich habe auf meinen Reisen im Laufe der Jahrzehnte viele ÔÇ×Aha-ErlebnisseÔÇ£ genie|fen d|+rfen. Sei es den ersten Blick |+ber den Grand Canyon in den USA, die hunderttausende von Pinguinen in der Antarktis oder die Begegnungen mit den Indios im Amazonas. Das Eintauchen in die Welt der Wasserbewohner reiht sich da nahtlos ein und begeistert mich wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal den Weihnachtsbaum mit vielen Geschenken zu Gesicht bekommt. Nat|+rlich kennt man unz|ñhlige Bilder und Filme, die von der Unterwasserwelt berichten. Doch dies ist nicht im Ansatz vergleichbar mit dem eigenen Erleben. Vom ersten Tauchgang an schl|ñgt mich die Sch|Ânheit der Riffe am roten Meer in ihren Bann. So eine ungeheure filigrane Vielfalt raubt einem fast den Atem (besser nicht, sonst wars das mit dem Tauchen). Ich schwebe vorbei an Korallenbergen, die von Schw|ñrmen kleiner und kleinster Fische umschwommen werden, welche in den phantasievollsten Formen und Farben hier im Schutze dieses Paradieses leben. Das Blitzlicht macht, die durch die Wassertiefe l|ñngst absorbierten Farben der Tiere auf dem Foto, wieder sichtbar. Vom ersten Tag an bin ich, als ich abends am Computer sitze und Bilder sortiere, begeistert von den Ergebnissen und freue mich, diesen Schritt in meiner beruflichen Entwicklung gewagt zu haben. Immerhin sind 70% der Erde mit Wasser bedeckt. Ein unendlicher Fundus an Abenteuern und Motiven.

Ich entdecke Nemo, den Helden aus dem gleichnamigen Pixar- Animationsfilm, der in einer wundersch|Ân anzuschauenden Anemone haust. Ich schwimme mit gro|fen Schildkr|Âten, die den Boden nach Seegras absuchen und fast immer ÔÇ×PutzerfischeÔÇ£ auf ihrem Panzer mit sich f|+hren, die ihnen den Laden sauber halten. Das absolute Highlight ist aber f|+r mich ganz klar: das gemeinsame Tauchen mit einer Gruppe von 15 Delphinen! Wir kommen gerade von einem Tauchgang zur|+ck, als wir in der Hotelbucht die Flossen der Delphine aus dem Wasser ragen sehen. Mein Guide greift sofort zu einer neuen Flasche Luft, schnallt sie mir auf den R|+cken und dann geht die Gaudi los. Es ist gro|fartig diesen Gesch|Âpfen zu folgen wie sie friedlich und elegant durchs Wasser gleiten. Immer beim Auftauchen der Gruppe versuchte ich sie von unten gegen das Licht zu fotografieren.

Hier habe ich auch einige fotografische Lektionen gelernt. Wenn das Motiv zu weit entfernt ist, empfiehlt es sich, die Blitze auszuschalten, denn in der Distanz wird jedes kleine Partikelchen, das im Wasser treibt, angeblitzt. Dies sieht auf dem Foto wenig elegant aus. Zum Gl|+ck habe ich den Ausl|Âser so oft gedr|+ckt, dass eh jedes zweite Bild ohne Blitzlicht belichtet wurde. Das Ger|ñt konnte so schnell gar nicht aufladen. Ich profitiere im Gesamten sicherlich von meiner langj|ñhrigen Erfahrung als Fotograf, doch in solchen F|ñllen merke ich, dass es auch hier unten viel zu lernen gibt um wirklich auf alle Eventualit|ñten vorbereitet zu sein. Auf jeden Fall f|+hle ich mich nach diesen zehn Tagen ger|+stet, um im kommenden Jahr zusammen mit meinem Freund und Kollegen David Hettich (praktisch der ÔÇ×Tauchgro|fmeisterÔÇ£ unserer Foto- und Vortragsszene) nach Palau zu reisen, um dort das Thema ÔÇ×OzeanÔÇ£ f|+r mein Projekt |+ber die |ûkosysteme zu fotografieren.

Dieses Tauchabenteuer ist f|+r mich neben dem fotografischen Erleben zus|ñtzlich auf einer ganz anderen Ebene sehr nachhaltig. Ich lese recht h|ñufig Berichte |+ber die |£berfischung der Meere und dem weltweiten Korallensterben durch die sich |ñndernden Umwelteinfl|+sse. Wer einmal einen Blick in dieses Universum des Lebens unterhalb der endlosen, blauen Wasserfl|ñche gewagt hat, dem k|Ânnen diese Themen nicht mehr gleichg|+ltig sein. Abermals ist es das Unverm|Âgen unserer Spezies mit unserer Lebensgrundlage, dem Planeten Erde, vern|+nftig umzugehen. Der Mensch hat v|Âllig Ma|f und Ziel verloren. Obwohl die Probleme der endlichen Fischvorr|ñte l|ñngst bekannt sind, werden immer neue Lizenzen vergeben und immer gr|Â|fere Fischverarbeitungsfabriken auf die Meere losgelassen. Gerade wir Europ|ñer sind da wieder ganz vorne dabei. Die eigenen Meeresgebiete-á sind l|ñngst |+berfischt, also weicht man vor die K|+sten anderer, |ñrmerer L|ñnder aus, um sich an deren Reichtum zu bedienen. Wenn dann afrikanische Fischer aus der puren Not heraus zu Piraten werden, bek|ñmpfen wir diese wiederum mit moderner Milit|ñrtechnik und stempeln sie als Terroristen ab. Dies ist nat|+rlich etwas vereinfacht dargestellt, befindet sich aber aus meiner Sicht sehr nahe an der Realit|ñt. Letztendlich hat sich seit den Zeiten des Kolonialismus nicht sonderlich viel ge|ñndert. Auch heute noch beuten wir den Rest der Welt aus. Nur sind die Mittel in Form von Schuldenlasten und wirtschaftlicher Marktmacht etwas filigraner als die Donnerb|+chsen der damaligen Eroberer. Die verheerende Wirkung f|+r Mensch und Umwelt ist aber dieselbe, heute nur viel gro|ffl|ñchiger und kaum noch |+berschaubar.

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