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Demokratische Republik Kongo: Alarmierende Situation in Nordkivu /
Menschen in Konfliktregion leiden unter Cholera und Mangelernährung
Berlin/Goma (ots) - Die internationale Hilfsorganisation ÄRZTE
OHNE GRENZEN ist alarmiert über die Situation der Zivilbevölkerung in
Nordkivu. Die zunehmend schwereren Kämpfe in der Provinz im Nordosten
der Demokratischen Republik Kongo führen zu immer neuen
Vertreibungen. Die humanitäre Situation verschlechtert sich, Tausende
Menschen bleiben ohne Hilfe, Mangelernährung und Cholera breiten sich
aus.
"In unseren medizinischen Programmen in Masisi und Rutshuru werden
wir Zeugen einer alarmierenden Situation", sagt Colette Gadenne,
Landeskoordinatorin von ÄRZTE OHNE GRENZEN. "Viele Vertriebene sind
zum wiederholten Male auf der Flucht und mittlerweile völlig
erschöpft. Hilfe zu bekommen ist schwierig. Es gibt Unterernährung,
Epidemien und Gewalt gegen Zivilisten."
Zehntausende Vertriebene haben seit Mitte November in Masisi,
Kitchanga, Rutshuru, Nyanzale und Goma Schutz gesucht. Der Zugang zu
medizinischer Versorgung war bereits im November unzureichend und hat
sich bis heute weiter verschlechtert. Wegen der Kämpfe mussten
mehrere Hilfsorganisationen ihre Projekte einstellen.
Gesundheitszentren erhalten keine Materialien mehr oder wurden vom
medizinischen Personal verlassen. In den Krankenhäusern von Masisi
und Rutshuru wurden seit September 360 Kriegsverwundete behandelt.
Die Vertriebenen können weder ihr Land bestellen noch ihre
Nahrungsmittelreserven erreichen. Die Nahrungsmittelknappheit führt
zwangsläufig zu Mangelernährung. Die Teams von ÄRZTE OHNE GRENZEN
behandeln in ihren Projekten eine hohe Zahl mangelernährter kleiner
Kinder. In Nyanzale werden jeden Monat rund 125 schwer mangelernährte
Kinder aufgenommen. Seit der Öffnung des Ernährungsprogramms in
Masisi Mitte Oktober haben die Mitarbeiter dort 700 Kinder behandelt,
rund 50 werden derzeit im Krankenhaus versorgt. ÄRZTE OHNE GRENZEN
ist besorgt, dass sich die Situation in den kommenden Wochen noch
verschlechtert.
In Rutshuru grassiert zudem die Cholera. Seit Mitte November
wurden mehr als 1.200 Patienten mit der schweren Durchfallerkrankung
behandelt und ständig gibt es neue Krankheitsfälle. Ohne Behandlung
stirbt jeder zweite Cholera-Erkrankte. "Durch die neuen Vertreibungen
hat sich die Einwohnerzahl von Rutshuru innerhalb eines Monats
verdoppelt", sagt Augustin Augier, Projektkoordinator von ÄRZTE OHNE
GRENZEN in Rutshuru. "Die Menge sauberen Trinkwassers, die jedem zur
Verfügung steht, ist dadurch gesunken, und die Hygienebedingungen
haben sich verschlechtert. Dies hat die Ausbreitung der Cholera
begünstigt." Auch in der Region um die Stadt Goma hat ÄRZTE OHNE
GRENZEN seit September mehr als 1.600 Cholera-Patienten behandelt.
An den Orten, an denen Teams von ÄRZTE OHNE GRENZEN in den
Bezirken Masisi und Rutshuru arbeiten, sind sie häufig die einzigen
Vertreter einer internationalen Hilfsorganisation. "Auch wenn wir so
nahe wie möglich an den Konfliktherden arbeiten, um den humanitären
Bedürfnissen zu begegnen, bleiben Tausende Menschen wegen der Kämpfe
und der Unsicherheit unerreichbar", erklärt Philippe Havet,
Koordinator von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Masisi. "Wir sind in großer
Sorge über diejenigen, die die Hilfe nicht erreicht, die gefangen
sind in diesem bewaffneten Konflikt."
Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
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