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Somalia: Die Lage der Vertriebenen verschlechtert sich dramatisch
Berlin/Genf (ots) - Nachdem Zehntausende Menschen vor der erneuten
Gewaltwelle in Mogadischu flüchten mussten, ist die Organisation
Ärzte ohne Grenzen äußerst besorgt über die humanitäre Lage in
Somalia. Die instabile Sicherheitslage rund um Mogadischu behindert
die dringend benötigten Hilfeleistungen. Als unabhängige und
unparteiische medizinische Nothilfeorganisation ruft Ärzte ohne
Grenzen alle Konfliktparteien dazu auf, die humanitäre Arbeit zu
respektieren und nicht zu behindern.
In Mogadischu hatten in den vergangenen Wochen viele durch den
gewaltsamen Konflikt Vertriebene Zuflucht gesucht. Nach den jüngsten
Kämpfen versuchen die Menschen, in andere Landesteile zu flüchten -
so etwa in die Lower Shabelle-, Hiiran-, Galgaduud- und Bay-Region.
Doch dort mangelt es an Gesundheitseinrichtungen und Unterkünften. An
Sammelpunkten für die Vertriebenen gibt es keine Latrinen und selten
eine Wasserversorgung. Da die Lebensmittelpreise ansteigen und die
meisten Vertriebenen ohne jegliche Nahrung flüchten mussten, wird
eine drastische Verschlechterung der Ernährungssituation vor allem
von Frauen und Kindern befürchtet.
In Afgooye, einem ehemaligen Universitäts-Campus westlich von
Mogadischu, haben rund 50.000 Menschen bei der einheimischen
Bevölkerung Zuflucht gesucht. Andere haben in rund zehn Kilometer
entfernten Universitätsgebäuden Schutz gefunden. Die meisten Menschen
müssen sich jedoch mit primitivsten Unterkünften begnügen, oder sie
schlafen am Straßenrand unter Bäumen. Es gibt deutliche Hinweise
darauf, dass sich ihre Gesundheitslage rapide verschlechtert. So sind
in den verbleibenden lokalen Gesundheitseinrichtungen bereits 401
Fälle wässrigen Durchfalls registriert worden, davon endeten bisher
13 Fälle tödlich.
Einem Team erfahrener somalischer Mitarbeiter von Ärzte ohne
Grenzen gelang es am 17. April, in die Konfliktgegend vorzudringen
und den noch vorhandenen Gesundheitseinrichtungen Medikamente zur
Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wurden Hilfsgüter an 2.500
mittellose Familien verteilt, darunter 5.000 Plastikplanen. Zusammen
mit weiteren Organisationen versucht das Ärzte ohne Grenzen-Team, den
Vertriebenen sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Die
Organisation ist derzeit in der Lage, in Afgooye täglich 48.000 Liter
Trinkwasser aufzubereiten. Dies ist jedoch viel zu wenig, um den
Bedarf zu decken.
Wegen der prekären Sicherheitslage können immer weniger
Hilfsorganisationen im größeren Umfang Hilfe leisten. Eines der
Gebäude des Gesundheitszentrums von Ärzte ohne Grenzen in Yagshid
(Region Middle Shabelle) wurde am 20. April von einer Rakete
getroffen. "Ärzte ohne Grenzen macht sich große Sorgen, da nach der
Wiederaufnahme der Kämpfe in Mogadischu die Lage im Land äußerst
unberechenbar geworden ist", sagt Hugues Robert, Leiter der
Notfallprogramme von Ärzte ohne Grenzen in Genf. "Sie schränkt unsere
Möglichkeiten zur schnellen Intervention massiv ein. Falls die
jetzige Situation in Afgooye andauert, könnte schon bald eine sehr
ernsthafte humanitäre Krise entstehen."
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1991 in Somalia aktiv. Medizinische
Projekte werden in den Regionen Galgaddud, Hiraan, Lower Shabelle,
Bakool und Bay betrieben. Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe
leistet Ärzte ohne Grenzen Hilfe für die Vertriebenen rund um
Mogadischu.
Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
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- Christiane Löll, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00
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