|
## Nachricht vom 24.04.08 weitergeleitet
## Ursprung : k.merkle@gaia.de
## Ersteller: ralf.pandorf@labournet.de
liebe KollegInnen,
Neu im LabourNet Germany am Donnerstag, 24. April 2008
I.Internationales / Zimbabwe
Waffendeal von südafrikanischer Transportgewerkschaft verhindert
Ein Schiff, vollbeladen mit Waffen und Munition ( 3 Millionen Schuss für
das AK 47) wollte im Hafen von Durban einlaufen. Herkunft: VR China.
Bestimmungsort der Fracht: Zimbabwe (ab Durban über Land). Vielleicht
dienten die Waffen ja dazu, dass in Ruhe so lange neu gezählt werden
kann, bis das Wahlergebnis stimmt. Erst einmal jedenfalls sind sie nicht
angekommen: Die südafrikanische Transportarbeitergewerkschaft SAWATU
erklärte nach einer Konferenz, ihre Mitglieder würden diese Fracht unter
keinen Umständen entladen: "Our members employed at Durban Container
Terminal will not unload this cargo neither will any of our members in
the truck driving sector move this cargo by road" sagte Generalsekretär
Randall Howard. Diese Haltung rief großes Echo sowohl unter der
südafrikanischen Linken aller Strömungen als auch in Zimbabwe hervor,
sowohl wegen des Fakts an sich, als auch weil die südafrikanische
Regierung die wichtigste Stütze der ZANU(PF) in der Region ist -
folgerichtig erklärte Verteidigungsminister Masilela, es handele sich um
ein normales Geschäft zwischen souveränen Staaten... aufgrund des gro
ßen
öffentlichen Drucks, der sich daraufhin entfaltete, beschied der Oberste
Gerichtshof Südafrikas die Hafengesellschaft von Durban negativ, die die
Entladung juristisch erzwingen wollte. Das chinesische Schiff war
zunächst auf dem Weg nach Angola, aber nachdem Proteste aus der ganzen
Region kamen und die Transportarbeiterinternationale ITF ihre
Mitgliedsgewerkschaften zur Unterstützung der Aktion aufrief (von einer
entsprechenden Unterstützung des Antikriegsstreiks der amerikanischen
Hafenarbeiter am 1. Mai ist nichts bekannt...), drehte das Schiff bei,
Richtung China. Die Anti-Eviction Front im Western Cape (Kapstadt)
veröffentlichte auf ihrer homepage die Meldung der Nachrichtenagentur
SAPA "Solidarity: Satawu refuses to offload arms for Zanu (PF) in Durban
harbour" vom 17. April 2008 inklusive eines exemplarischen Statements
dazu der anarchistischen Zabalaza:
http://westerncapeantieviction.wordpress.com/2008/04/18/solidarity-solidari
ty-satawu-refuses-to-offload-arms-for-zanu-pf-in-durban-harbour/
II.Internationales / Südafrika
Teurer Strom ist Klassenkampf
Eskom ist der öffentliche Stromversorger Südafrikas - seine
Kohlekraftwerke liefern 90% des Stroms im Land. Was heisst: 15 Cents pro
Kilowattstunde für Geschäftskunden, 48 Cent pro Kilowattstunde für
Privatkunden, die insgesamt 17% der Stromerzeugung verbrauchen, wobei
etwa 30% der Bevölkerung keinen Strom haben. Dafür gab es einen
Sondervertrag mit ALCAN, die für ihre neue Aluminiumschmelze 0,02 Cent
pro Kilowattstunde bezahlen sollen. Für die "Privatkunden" gibt es -
Appelle. Strom sparen, sowohl jene die geheizte Swimmingpools haben, als
auch die paar Wenigen, die noch keinen haben. Und vor allem: Jeden
melden, der sich "selbst eine Leitung zieht". Die jüngsten Blackouts -
die es auch in anderen Ländern des südlichen Afrikas gab - hätten
deswegen solche Aufmerksamkeit in den Medien erfahren, weil eben auch
erstmals Unternehmen von Strommangel betroffen gewesen seien, betont das
Johannesburger Anti-Privatisation Forum in seiner Pressemitteilung
"DEMOCRATIC CONTROL OF ENERGY FOR ALL" vom 22. März 2008:
http://www.labournet.de/internationales/suedafrika/energiekontrolle.html
III.Internationales / Demokratische Republik Kongo
Das 80 Milliarden Dollar Geschäft mit dem Kongofluss: Inga 3
Wann immer Probleme nicht mehr "übersehen" werden können, gibt das
Bündnis von Institutionen und Unternehmen Lösungen aus. Hungerkrise?
Mehr Genreis produzieren. Energiekrise vor allem in Afrika: Den grössten
Staudamm der Welt bauen, Inga 3 am Congo (Inga 1 und 2 wurden vor 20-30
Jahren zu Mobutus Zeiten gebaut). Der Weltenergierat hatte nach London
geladen um dieses Wunschprojekt wieder zu beleben. Bezeichnend:
Gruppierungen der Betroffenen oder sonst in der Frage Aktive durften -
im Gegensatz zu allen möglichen Unternehmen - nur mit einer Art
Persilschein ihrer jeweiligen Regierung teilnehmen. Natürlich soll das
ganze eine wahre Wohltat für Afrika sein - auch wenn in der
Kostenkalkulation nur Leitungen zu industriellen Zentren vieler
afrikanischer Länder vorgesehen sind und keine für irgendwelche
Wohngebiete. Der Beitrag "Scramble to Dam the Congo Keeps Africans in
the Dark" von Terri Hathaway (International Rivers) wurde am 23. April
2008 beim Blog der APPA veröffentlicht:
http://www.presseafricaine.info/article-18977557.html
IV.Internationales / Italien
Wahlen, Gewerkschaften, soziale Bewegung
Die Katatstrophe ist passiert: Nicht nur, dass Herr Berlusconi gewonnen
hat (erinnert sich jemand noch daran, dass es mal einen Sturm im
Wasserglas gab, als in einem Alpenländchen ein Haider erschien?) und es
keine parlamentarische Linke mehr gibt: die Wahlen lassen auch die
Gewerkschaften - die sich meist der Prodi-Regierung angepasst hatten -
und die sozialen Bewegungen aller Art als Verlierer zurück. Das
holländische TNI hat eine ganze Sonderseite zum Thema Gewerkschaften,
soziale Bewegungen und die Wahl, in der VertreterInnen verschiedenster
Gruppierungen zu Wort kommen. von gewerkschaftlichem Standpunkt aus ist
insbesondere der Beitrag "Movements and left parties should keep a
respectful distance" von Alessandra Mecozzi, Internationale Beauftragte
der Metallgewerkschaft FIOM lesenswert, der am 12. April 2008 publiziert
wurde:
http://www.tni.org/detail_page.phtml?&act_id168&menuf
V.Internationales / Spanien
Die Legende vom billigen Supermarkt...
Ausgerechnet Spanien: Aus deutschen Supermarktketten ließen sich
sicherlich endlose Überwachungsvideo-Dokumentationen erstellen, die den
hohen Anteil etwa andalusischer Erzeugnisse am Einkauf deutscher
KonsumentInnen belegten, und die Landarbeitergewerkschaft SOC hat oft
genug die Bedingungen dokumentiert und kritisiert, unter denen diese
Nahrungsmittel produziert werden. Ausgerechnet in Spanien also wurde
jetzt eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass spätestens in 15
Jahren über 80% aller Nahrungsmittel importiert werden müssen, wenn die
Entwicklung so weiter geht: sieben Unternehmen beherrschen 75% des
Marktes. Darunter etwa Carrefour, aber auch Mercadona. Und obwohl die
Leitlinie "billig" dazu führt, dass sowohl jene, die in den Supermärkten
arbeiten, als auch diejenigen, die die Produkte herstellen, unter immer
übleren Bedingungen arbeiten müssen, ist die These Supermärkte seien
nun
halt mal billiger anzuzweifeln: Der katalanische Bauernverband (in
Katalonien sind noch 1% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, in
ganz Spanien knapp über 5%) hat dokumentiert, dass die gängigsten
landwirtschaftlichen Produkte in den Supermärkten im Durschnitt 11%
teurer verkauft werden als in den Resten des traditionellen
Einzelhandels. In dem Interview "Es un mito que en los supermercados los
precios sean más baratos que en una tienda de barrio" das Manuel Ros für
die Zeitung "La directa" am 20. April 2008 mit Ester Vivas gemacht hat,
der Autorin des Buches "Supermercados, no gracias" werden auch
Alternativen zum Istzustand angesprochen (gespiegelt bei "Rebelion.org"):
http://www.rebelion.org/noticia.php?idf160
VI.Internationales / Brasilien / Bewegung der Landlosen
Neuer Massenmord in Rondônia
Wie in anderen südamerikanischen Ländern auch, so scheint es auch in
Brasilien seinen Gang zu nehmen: wen eine als links betrachtete
Regierung sich defensiv verhält, provoziert sie damit Attacken der
radikal-konservatiben gesellschaftlichen Kräfte - was in Brasilien
speziell die Landfrage betrifft. Die LCP (Liga der armen Bauern) im
fernen Bundesstaat Rondônia ist eine Organisation, die das normale
Geschäft stört. In den Hauptorganen der Medienwirtschaft wurde die LCP
wochenlang als "FARC-Freunde" und "Guerilla-Organisation" dargestellt,
jetzt die Ernte der Kampagne eingefahren: In der Nacht zum 9. April
wurde ein Camp der Landlosen an der Bundesautobahn 421 in der Nähe von
Campo Novo von über 100 bewaffneten Auftragskillern überfallen, die ohne
Vorwarnung das Feuer eröffneten. Mindestens 15 Todesopfer sind zu
beklagen, Dutzende Verletzte und das Lager niedergebrannt. Die Erklärung
"MASSACRE DE CAMPONESES EMCAMPO NOVO-RO" der LCP, vom 9. April 2008:
http://www.labournet.de/internationales/br/rondoniamord.html
VII.Internationales / Honduras
"Der Präsident hat auf unsere Forderungen geantwortet: Mit Tränengas und
Knüppeln..."
Am 17. April hatte die Koordination des Volkswiderstands - der alle
Gewerkschaften und alle Bauernvereinigungen des Landes angehören - zum
nationalen Streiktag aufgerufen, für den von ihr ausgearbeiteten 12
Punkte Plan. Aktuell wichtigste Bestandteile dieses Forderungsprogramms
richten sich gegen die Verteuerung der Grundnahrungsmittel, die
Wasserprivatisierung und für eine wirkliche Landreform - die Wälder des
Landes befinden sich weitgehend in der Verfügung von Unternehmen aus
Italien. Ob Tegucigalpa oder San Pedro - die großen Städte gaben ein
bild ab, wie sonst nur Sonntagnachmittag, das war der einhellige Tenor
aller Berichte. Die zahlreichen Straßenblockaden quer durchs Land
versuchte die Regierung Zelaya (ein Präsident, der sich damit brüstet,
dass Hugo Chavez ihn seinen Freund nennt) mit massiver Polizeigewalt zu
zerschlagen - erfolglos. Wie andere Länder in Mittelamerika auch ist
Honduras durch ein wahre Wellental gegangen: die Massaker in diversen
Ländern vor etwa einer Generation hatte lange dafür gesorgt, dass die
Region "ruhig" war. Das ist jetzt vorbei. In dem Bericht "Un pueblo con
hambre es un pueblo que lucha" von Dick Emanuelsson, der am 18. April
2008 bei "Argenpress" veröffentlihct wurde, kommen Juan Baharona,
Vorsitzender des Gewerkschaftsverbandes FUTH (Federación Unitaria de los
Trabajadores de Honduras) und der Abgeordnete der linken UD-Partei
Marvin Ponce zu Wort, die gegenüber den ausländischen Berichterstattern
vor allem hervorheben, dass Präsident Zelaya keineswegs linke Politik
macht, sondern treu den Vorgaben des IWF folgt:
http://www.argenpress.info/nota.asp?num4300&Parte=0
VIII.Internationales / Argentinien
"Die Wasserversorgung in Cordoba muss von der Bevölkerung kontrolliert
werden"
Die CCODAV (Coordinadora Córdoba en Defensa del Agua y la Vida) hatte
für Ende März zu einem Volkstribunal über die Wasserversorgung der St
adt
und der Provinz mobilisiert. Für weitere 20 Jahre soll der Vertrag mit
Suezwasser verlängert werden - das Tribunal zog eine Bilanz über
Wasserknappheit (seit der Privatisierung - eine privat-öffentliche
"Partnerschaft" - ist die Zahl der Haushalte, die nur noch 3 Stunden
Wasser pro Tag erhalten explosionsartig gestiegen) und Wasserqualität -
an der teueren Arbeit mit verseuchtem Wasser wird gespart - sowie an mit
der Vertragsverlängerung verbundenen Großprojekte. Dabei sind in
Cordoba, wie anderswo in Südamerika nach dem "Wasserkrieg" in Bolivien
im Jahr 2000, der mit einem spektakulären Rückzug der Privatisierer
endete, für Suez "Partner im Boot": Die Provinzregierung, ein
einheimisches Unternehmen und eigens gegründete Kooperativen - das
Unternehmen heisst in Argentinien SuezRoggio und die
Betreibergesellschaft in der Stadt "Aguas Cordobesas". Und weil die
"öffentliche Hand" ja diejenige ist, die das Geld in Suez Taschen
schafft - Anfang 2006 verhinderten regelrechte Massendemonstrationen
eine geplante Preiserhöhung um bis zu 200% - und zuvor schon für
schlechte Versorgung verantwortlich, ist die grundsätzliche Orientierung
der Coordinadora auch nicht die auf "Zurück", sondern die
programmatsiche Losung heisst "Für eine öffentliche Wasserversorgung
unter Leitung der Belegschaft und der Nutzer". Auf der Blogseite der
"Comisión Popular por la Recuperación del Agua" sind Ende März 2008
Fotoberichte und (spanische) Grundsatztexte des Kampfes ums Wasser in
Cordoba dokumentiert:
http://cordobesesporelagua.blogspot.com/
IX.Internationales / Marokko
Die Gefangenen des 1. Mai sind frei! - Viele andere nicht.
Durch "königliche Gnade" sind 17 Personen die im Zusammenhang und in
Folge der Proteste am 1. Mai 2007 verurteilt worden waren, freigelaassen
worden. Eine andere denkbare Interpretation wäre, dass angesichts einer
doch recht breiten internationalen Solidaritätskampagne ein König nicht
mehr so oft in einem Atemzug mit seinem Erzeuger (und Amtsvorgänger in
der sogenannten bleiernen Zeit) genannt werden wollte. Jedenfalls, die
17 sind frei - aber Hunderte von Gewerkschaftern und Republikanern
nicht. Die Meldung der UMT-Gewerkschafter wurde von der französischen
CNT publiziert: "Libération des détenus du 1er mai 2007" vom 10. April
2008:
http://www.cnt-f.org/spip.php?article544
X.Internationales / Südkorea / Migranten und prekär Beschäftigte
300 Tage E-Land Streik
Der 17. April war Streiktag Nummer 300 bei ELand. "Einer von beiden,
Gewerkschaft oder Unternehmen, muss sterben, um den Kampf zu beenden"
sagte der Gewerkschaftssekretär Kim Gyeong-wook aus diesem Anlaß. Beim
Blog Two Koreas gibt es unter dem Titel "300 days into the Eland strike"
am 23. April 2008 Links zu einem aktuellen Video sowie zu weiteren
aktuellen Materialien:
http://twokoreas.blogspot.com/2008/04/300-days-into-eland-strike.html
...bis bald, Helmut
P.S. Wer Probleme mit den langen Links hat, kann unter
http://www.labournet.de/news/
den Newsletter im html-Format öffnen und darüber problemlos surfen!
LabourNet Germany: http://www.labournet.de/
Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah,
gesellschaftskritisch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and unwaged
Le point de rencontre de tous les militants syndicaux progressistes,
qu`ils aient ou non un emploi
LabourNet mailing list
LabourNet@labournet.de
http://labournet.de/mailman/listinfo/labournet
|