|
Grüne fordern Aufklärung in Sachen Bienensterben
Erste Fälle im Raum Passau
Nach dem katastrophalen Bienensterben im Raum Bad Krozingen - Rastatt [1] hat das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium einen Expertenstab einberufen, der mithelfen soll, die Ursachen für das nach wie vor ungeklärte Massensterben badischer Bienenvölker zu klären.
Nach einer Pressemitteilung, in der Minister Hauk empfiehlt, mit den Bienen in andere Regionen abzuwandern, stellen die Grünen im Landtag nun endlich die Fragen, die den Imkern schon lange auf dem Herzen liegen.
Mittlerweile kommen Meldungen aus dem Raum Passau, wo ebenfalls gebeizter Mais ausgesät wird und Imker bei gleichen Symptomen über zunehmende Schäden an den Bienen klagen.
In einer Anfrage [2] an den Landtag wollen die Grünen wissen, welche Abbauprodukte von Chlothianidin sowie welche Synergismen von Chlothianidin und seinen Metaboliten mit anderen Wirkstoffen bekannt sind und wie die Landesregierung deren jeweilige Toxizität beurteilt. Hinterfragt wird auch, warum nach ähnlichen Vorkommnissen in Italien und Frankreich nach dem Einsatz von Clothianidin keine entsprechenden Warnungen an die badischen Imker herausgegeben wurden und wie hoch die Folgeschäden in der Imkerei eingeschätzt werden. Schließlich fallen die geschädigten Bienenvölker für die laufende Honigernte aus, sofern sie überhaupt überleben und sich erholen.
Das Julius-Kühn-Institut in Brauschweig rechnet mit Untersuchungsergebnissen am späten Donnerstag bzw. Freitagvormittag. Erst dann kann klar gesagt werden, ob tatsächlich Clothianidin oder ein anderes Agrargift der Verursacher des Massensterbens der Bienen ist. Die Symptome sprechen für Vergiftungen, nicht so sehr für eine Erkrankung.
Die Grünen möchten auch wissen, inwieweit und gegen wen die Staatsanwaltschaften ermitteln, nachdem diese von den betroffenen badischen Imkern eingeschaltet wurden.
Neben den gefährdeten Bienen muß auch geklärt werden, ob von dem eingesetzten Saatgutbeizmittel Clothianidin eventuell eine Gefährdung für die Bevölkerung ausgeht, schließlich wirbeln die Sämaschinen eventuell kontaminierte Feinstäube auf, die - so die Überlegung der Imker - durch Abdrift auf blühende Pflanzen und Wasserstellen erst für die Schädigung der Bienen durch kontaminierten Nektar und Pollen sorgen.
Interessant dürfte die Antwort der Landesregierung auf die Frage ausfallen, warum Chlothianidin bisher noch nicht auf Bienengefährlichkeit überprüft wurde obwohl bei zahlreichen toten Honigbienen in Italien hohe Belastungen von Chlothiandin gefunden wurden. Den Status "bienenungefährlich" hat Clothianidin nur deshalb, weil es als Saatgutbeizmittel theoretisch nicht direkt mit Honigbienen in Berührung kommt, schließlich fliegen Bienen auf Blüten und nicht auf Samen. Im direkten Kontakt wirkt Clothianidin absolut tödlich auf Bienen und ist auch für den Menschen hochtoxisch.
Das Bienensterben an der Rheinschiene war auch Thema des Gesprächs, das im Mittwoch mit Vertretern des Deutschen Berufs- und Erwebs Imkerbundes (DBIB) im Seehofer-Ministerium stattfand. Der DBIB setzt sich seit langem kritisch mit den Saatgutbeizmitteln auseinander und lehnt den Einsatz dieser hochtoxischen Agrargifte ab, die auch zur Beizung von gentechnisch manipulierten Maissorten verwendet werden. Den Anbau von GVO lehnen die Imker ab.
Es zeigt sich wieder einmal mehr, wie problematisch Mais als Kulturpflanze ist und wie wenig "bio" Mais als nachwachsender Energieträger und Tierfuttermittel wirklich ist.
So ist es auch nicht verwunderlich, wenn die Grünen die aus Sicht der Imker überfällige Forderung nach einem vorsorglichen Verbot von Clothianidin stellen.
Link zu einem Video über das Bienensterben an der Rheinschiene (etwa 14 MB):
www.honighaeuschen.eu/fileadmin/Videos/Bienensterben.mpg
Bildabdruck honorarfrei, weitere Bilder und Filmmaterial auf Anfrage
V.i.S.d.P.:
Imkerei Honighäuschen
Klaus Maresch
Drachenfelsstraße 137
53639 Königswinter
Fon 0228 4220850 (Büro Bonn)
Fax 0228 4220860
Fon 02223 905770 (Honighäuschen)
www.honighaeuschen.de
--
[1] Siehe unten.
[2] http://www.honighaeuschen.eu/uploads/media/Clothianidin-Anfrage.pdf
-----Original Message-----
From: Imkerei "Honighäuschen [mailto:imkerei ät t-online.de]
Sent: Monday, May 05, 2008 9:21 PM
Subject: Badische Imker verzeichnen ein massives Bienensterben nach der Maisaussaat
Badische Imker verzeichnen ein massives Bienensterben nach der Maisaussaat
Was auf den ersten Blick zusammenhanglos zu sein scheint, wird auf den zweiten Blick zu einer sehr ernst zu nehmenden Bedrohung für die Bienenvölker in verschiedenen Regionen Deutschlands. Derzeit verzeichnen die badischen Imker trotz schönsten Wetters massive Schwächungen, ja Zusammenbrüche ihrer Bienenvölker entlang der Rheinschiene. Nicht nur in der Geschäftsstelle des Badischen Imkerverbandes laufen die Telefone heiß. Traditionell überwintern über 50% der Imker Baden-Württembergs in den Auwäldern entlang des Rheins ihre Bienenvölker. Das milde Winterklima sowie eine gute Frühjahrsentwicklung aufgrund guter Versorgung mit Nektar und Pollen aus Weidenkätzchen, Wildkirschen und Bärlauch lassen die Bienenvölker bald eine gute Stärke erreichen, so daß die Völker schneller die notwendige Volksstärke erreichen.
Dieses Jahr ist das anders, so sieht der Berufsimker Christoph Koch seine Völker nicht wachsen, sondern dahinschmelzen wie Schnee in der Sonne. Aber auch der Landesvorsitzende der Badischen Imker Ekkehard Hülsmann meldet Alarmierendes und verfaßte einen Brandbrief an den baden-würtembergischen Landwirtschaftsminister, in dem er eilige Maßnahmen fordert, um weitere Verluste zu vermeiden.
Die Imker vermuten aufgrund ähnlicher Erfahrungen wie sie in Italien gemacht wurden, daß das mit dem hochtoxischen Nervengift Clothianidin gebeizte Mais-Saatgut für das Sterben der Bienenvölker verantwortlich sein soll. Hersteller des Agrargiftes ist die Firma BayerCropscience, aus deren Haus auch der verwandte Vorgängerwirkstoff Imidacloprid kam, der schon in Frankreich für das Massensterben der Bienen verantwortlich gemacht wurde. Im Vergleich zu Imidacloprid ist Clothianidin um ein Vielfaches giftiger. Es wird eingesetzt, um den Mais-Wurzelbohrer zu bekämpfen und Teile Baden-Würtembergs und Bayerns sind Mais-Wurzelbohrer-Gebiet.
Die italienischen Imker, bei denen die Aussat des Mais schon vor einigen Wochen erfolgte, konnten bei Untersuchungsproben aus verendeten Bienen den Wirkstoff Clothianidin nachweisen. Das Clothianidin ist Bestandteil des Agrargiftes Poncho Pro, welches für das Beizen des Mais-Saatgutes verwendet wird.
Vermutet wird nun, daß durch die Einsatz der Saatmaschinen aufgewirbelte Stäube beispielsweise auf blühende Rapsfelder und Blumenwiesen oder auch Wasserpfützen abdriften, die von den Bienen beflogen werden. Für wie gefährlich das Mittel eingeschätzt wird, zeigt auch eine Warnung der französischen Veterinärämter vom Beginn des Frühjahrs, die den Imkern eindringlich davon abraten, mit ihren Bienenvölkern in entsprechend behandelte Gebiete einzuwandern, ja diese Gebiete sogar für die nächsten Jahre zu meiden, denn Clothianidin baut sich nur sehr langsam im Boden ab bzw. die Abbauprodukte sind teilweise noch toxischer als das Clothianidin selber. Im Elsaß demonstrierten Imker bereits gegen die Anwendung von Clothianidin und fordern ein Verbot.
In seinem Schreiben an Minister Hauk fordert Christoph Koch ebenfalls schnellst mögliche Aufklärung. "Dies wollen wir hier vor allem auch deshalb, um eine mögliche Ausweitung der Problematik auf die anderen Bienenvölker in ganz Deutschland zu verhindern, denn wir befürchten jetzt schon eine sehr große Katastrophe!"
Ekkehard Hülsmann fordert die Einrichtung eines Krisenstabes im Ministerium, "der sich der sofortigen Klärung dieses Massensterbens unserer Bienenvölker annimmt und die Haftungs- und Schadenersatzfragen klärt. Gleichzeitig fordern wir Sie als Verbraucherminister auf, der Bevölkerung in der Todeszone das Ausmaß der entstandenen Vergiftungen offenzulegen."
Mit ersten Untersuchungsergebnissen eingeschickter Proben rechnet die Biologische Bundesanstalt in Braunschweig etwa ab Mitte der Woche. Dann wird es sich zeigen, ob auch in Deutschland künftig No-Go-Areas für Imker und Bienen eingerichtet werden müssen.
Kontakt für Rückfragen
Imkerei Koch
Christoph Koch
Karl-Friedrichstr. 15
D 77728 OPPENAU
Tel.: 07804 3589
Fax: 07804 2192
Mail: imkerei.koch ät t-online.de
|