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Sylvia Lorek SERI schrieb am 05.05.2008 21:57:
Das Problem ist seit Jahren bekannt. Wirklich schade, dass der Deutschlandfunk es aufmacht, als hätten die US-Wissenschaftler da gerade etwas entdeckt.
Die Relevanz der Ernährung mit tierischen Produkten wird nach wie vor konsequent ausgeblendet. Spätestens seit Veröffentlichung des EU-Projekts EIPRO könnte guten Wissenschaftsjournalisten bekannt sein, dass folgende 10 "Produkte" über 50 % der Klimaerwärmung verursachen:
- Motor vehicle and use
- Services of eating and drinking places
- Meat
- Household heating equipment including use except electric
- Poultry
- New one-family houses
- Sausages and other prepared meat products
- Fluid milk
- Household Laundry equipment including use
- Cheese
- New additions and alterations to buildings
(Source: http://ec.europa.eu/environment/ipp/pdf/eipro_report.pdf)
Dabei schneiden - anders als in dem Tonreport - die "nicht roten Fleischsorten" übrigens auch nicht besser ab.
Die Hauptfrage ist aber: wie transportieren wir diese Erkenntnis in einer Weise, die nicht zu sofortiger Abwehrreaktion führt? In diesem Sinne fand ich den Beitrag dann doch ganz gut.
Sylvia Lorek
SERI Head of Sustainable Consumption Research
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http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/780424/
Deutschlandfunk - 05.05.2008
FORSCHUNG AKTUELL
"Mind meat" statt "buy local"
Wahl eines Lebensmittels ist für Klimabelastung wichtiger als sein Weg
Von Volker Mrasek
Umweltbewusste orientieren sich gerne an Aufklebern wie "buy local", um die Transportwege von Lebensmitteln zu minimieren. Doch eine neue US-Studie[1] rät zu anderem Verhalten, um das Klima zu schützen.
Er wolle Initiativen wie "buy local" gar nicht schlecht machen, beteuert Christopher Weber. Lebensmittel aus der eigenen Region seien oft frischer als Importware und schmeckten deshalb besser. Er selbst kaufe bevorzugt vor Ort ein, sagt der Assistenz-Professor für Bau- und Umweltingenieurwesen an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh:
--Die Idee, vor Ort einzukaufen, hat heute sehr viele Anhänger. Und wenn man die Leute nach ihren Motiven fragt, dann sagen viele: Es ist der beste Weg, um etwas gegen den Klimawandel zu tun. Wir haben uns die Sache genauer angesehen und müssen dagegen feststellen: Der Anteil des Transportes an den Treibhausgas-Emissionen in der gesamten Lebensmittel-Kette ist vernachlässigbar. Die Auslieferung an die Supermärkte macht dabei gerade mal vier Prozent aus.--
Diese Zahlen präsentieren Weber und sein Universitätskollege Scott Matthews jetzt in einem Fachmagazin der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft. Die Ergebnisse gelten zunächst einmal für die USA; von dort stammen die Zahlen. Doch auch in Europa sei die Situation kaum anders, wie Weber sagt:
--Lebensmittel, die in den USA hergestellt und vertrieben werden, legen sehr lange Wege zurück - einfach, weil das Land so groß ist. Andererseits ist der Anteil von Importwaren in den USA viel geringer als in Großbritannien oder anderen Ländern der EU. Es gibt also schon Unterschiede bei den Transportstrecken. Aber selbst wenn wir annähmen, sie wären doppelt so groß: Dann käme die Auslieferung in die Verkaufsmärkte auch nur auf einen Anteil von acht Prozent an den Treibhausgas-Emissionen.--
Peanuts sozusagen. Obwohl Lebensmittel in den USA im Schnitt mehr als 1600 Kilometer zurücklegen, wenn sie von der Fabrik in die Geschäfte gebracht werden. Bedeutend mehr Treibhausgase fallen bei der Produktion der Waren an. Und zwar über 80 Prozent der Emissionen aus der gesamten Lebensmittel-Kette, wie die US-Forscher errechneten. Besonders Klima belastend sind demnach Rindfleisch sowie Milchprodukte. Denn für ihre Produktion ist es nötig, Nutztiere zu halten und zu füttern. All das floss in die komplette Lebenszyklus-Analyse der US-Forscher mit ein:
--Wiederkäuer wie Rinder und Milchkühe produzieren bei der Verdauung Methan, ein viel potenteres Treibhausgas als Kohlendioxid. Aus ihrer Jauche entweicht zusätzlich Lachgas, was noch viel klimaschädlicher ist. Fleisch- und Milchprodukte verursachen auf diese Weise hohe Treibhausgas-Emissionen, die man leicht übersieht, weil sie gar nichts mit dem Verbrauch von Energie zu tun haben.--
Wenn Verbraucher nur ab und zu auf Fleisch und Milchprodukte verzichteten, dann sei dem Klima genauso gut geholfen - oder sogar mehr - als wenn sie per se nur Lebensmittel aus der Region kauften. Dieses Fazit zieht Scott Matthews aus seinen Analysen:
--Wir sprechen hier von einer Mahlzeit pro Woche. Niemand muss seinen Speiseplan völlig umkrempeln oder gar zum Vegetarier werden. Wenn man nur einmal pro Woche auf rotes Fleisch verzichtet und statt dessen Fisch, Hähnchen oder eine Eierspeise ißt, dann hat das schon einen spürbaren Effekt.--
Vielen Verbrauchern falle dies sicher leichter als ausschließlich Produkte aus der eigenen Region zu kaufen, vermutet der Umweltingenieur. Und auch Christopher Weber hält einen Schwenk im Konsumverhalten für möglich:
--Man muss sich nur anschauen, wie der Markt für Bio-Lebensmittel in den letzten Jahren explodiert ist, in Europa genauso wie in den USA. Die Leute machen sich also Gedanken über die Auswahl von Lebensmitteln. Warum sollten sie dann nicht auch mal auf ein Steak verzichten? Ich halte das absolut nicht für unrealistisch.--
LINKS [Red.]
[1] Christopher L. Weber and H. Scott Matthews. Food-Miles and the Relative Climate Impacts of Food Choices in the United States. ASAP Environ. Sci. Technol. April 16, 2008
http://pubs.acs.org/cgi-bin/abstract.cgi/esthag/asap/abs/es702969f.html
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