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Artenschwund in Deutschland hält an. WWF-Studie: Netz der
Schutzgebiete ist unzureichend. Bund und Länder müssen handeln.
Frankfurt (ots) - * Die WWF-Studie "Naturschutz in Deutschland"
unter www.wwf.de/naturschutz-in-deutschland
* Zu dieser Meldung bieten wir TV-Footage (Beta SP), Fotos und
Interviewpartner (Kontakt s.u.)
Bund und Länder werden ihr Ziel, das Artensterben zwischen
Wattenmeer und Alpen bis 2010 zu stoppen und die biologische Vielfalt
in Deutschland zu bewahren, nur mit erheblichem Mehraufwand erreichen
können. Dies geht aus der heute veröffentlichten WWF-Studie
"Naturschutz in Deutschland. Schutzgebiete und das Biodiversitätsziel
2010" hervor. Deutschland ist ab Mitte Mai Gastgeber des
UN-Umweltgipfels zum "Übereinkommen über die biologische Vielfalt"
(CBD) in Bonn.
Der WWF fordert die heute in Mainz tagenden Umweltminister von
Bund und Ländern auf, den Naturschutz in Deutschland endlich
konsequent umzusetzen. "Wenn Bundeskanzlerin Merkel beim anstehenden
UN-Gipfel zu Biodiversitäts-Kanzlerin werden und als gutes Vorbild
vorangehen will, muss Deutschland endlich seine Hausaufgaben machen",
so Frank Barsch, WWF-Artenschutzexperte und Autor der Studie.
Wie die Studie berichtet, ist die Zahl der bedrohten Biotope trotz
aller Schutzbemühungen zwischen 1994 bis 2006 von 68,7 auf 72,5
Prozent gestiegen. Langfristig drohe die Hälfte aller Biotope zu
verschwinden. Andererseits genießt lediglich ein halbes Prozent der
Landesfläche den höchsten Schutzstatus eines Nationalparks. Auf dem
Papier gebe es darüber hinaus zwar eine beeindruckende Zahl von
Schutzgebieten. Doch ein Großteil davon, so der WWF-Report, leiste
faktisch keinen Beitrag zur Bewahrung der Vielfalt. So seien die über
7.000 Landschaftsschutzgebiete und knapp 100 großen Naturparke nahezu
wirkungslos. "Naturschutz in Deutschland gleicht noch immer einem
Flickenteppich von minderer Qualität. Die Schutzgebiete sind häufig
zu klein, zu isoliert und in einem schlechten Zustand. Die
angekündigte Trendwende ist nicht in Sicht", erläutert Barsch.
Selbst um die 14 Nationalparke sei es nicht gut bestellt. "Der
weltweite Standard, nachdem drei Viertel der Fläche sich selbst
überlassen bleibt, wird nur in jedem vierten Nationalpark erreicht",
so Barsch. Der aktuelle Streit um Ölbohrungen im Wattenmeer zeige,
wie weit man hierzulande noch von internationalen Ansprüchen entfernt
sei. Auch das wenig ambitionierte Ziel, zwei Prozent Deutschlands als
unberührte Wildnis zu etablieren, liege noch in weiter Ferne.
Die größten Erfolge gibt es laut WWF beim Schutz stark bedrohter
Arten zu verzeichnen. Seeadler, Kranich, Biber und Seehund sind seit
Jahren im Aufwind, der Wolf ist zurückgekehrt. "Diese erfreulichen
Nachrichten dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rote
Liste immer länger wird", so Barsch. Besonders Amphibien und
Reptilien seien gefährdet, die Vorkommen des seltenen Apollofalters
schwinden und selbst Allerweltsarten wie der Haussperling seien
rückgängig.
Erfreulich ist, so die WWF-Studie, dass Deutschland - allerdings
mit zehn Jahren Verspätung - seinen Verpflichtungen innerhalb in der
EU weitgehend nachgekommen ist. 4.617 Gebiete sind gemäß der
sogenannten "Flora-Fauna-Habitat"-Richtline (FFH) nach Brüssel
gemeldet worden, hinzu kommen weitere 558 Vogelschutzgebiete.
Um das 2010-Ziel doch noch zu erreichen, müssten Bund und Länder
umgehend für klare Standards in den Schutzgebieten sorgen und vor
allem die Belastungen einschränken. Dazu brauche es mehr Geld, mehr
Personal, bessere Konzepte und vor allem die Einhaltung der
nationalen und internationalen Schutzstandards. "Industrie, Politik
und Behörden planen schmerzliche Eingriffe in einige der wertvollsten
Naturgebiete der Republik: Neue Ölbohrungen im Nationalpark
Wattenmeer, ein Kohlekraftwerk am Rande des FFH-Gebietes Greifswalder
Bodden und die Zerstörung geschützter Flusslandschaften in Elbe,
Weser und Ems. Wenn Deutschland es ernst meint mit dem Naturschutz,
müssen diese Projekte umgehend gestoppt werden", so WWF-Experte
Barsch.
Originaltext: WWF World Wide Fund For Nature
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6638
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- Pressekontakt
- Ralph Kampwirth, WWF-Pressestelle, Tel. 040-530200118,
kampwirth ät wwf.de ;
Frank Barsch, WWF-Artenschutzreferent und Autor der Studie, Tel.
069-79144-141
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