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Sonnenenergie ist der Garant dafür, dass wir Strom in Zukunft überhaupt noch
bezahlen können
29.4.2008
Ein Interview mit Prof. Dr. Eike Weber, Leiter des Fraunhofer-Institut für
Solare Energiesysteme
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg im
Breisgau ist mit seinen über 600 Mitarbeitern und einem jährlichen Etat von
rund 40 Millionen Euro die größte Forschungsstätte für Erneuerbare Energien
in Europa. Zur aktuellen Lage der Solarbranche in Deutschland sowie der
anstehenden Novellierung des Erneuerbaren Energiegesetzes äußert sich Prof.
Dr. Eike Weber, der Leiter des Instituts, in einem Interview:
Wo steht Deutschland in der Entwicklung der Photovoltaik?
In den vergangenen drei Jahren hat Deutschland eine weltweite
Spitzenstellung in dieser Technologie gewonnen. Das ist im Wesentlichen dem
Erneuerbare-Energien-Gesetz zu verdanken, das die Einspeisung von Strom aus
ökologischen Quellen und seine Vergütung regelt, übrigens nicht nur für
Solarstrom. Dieses Gesetz hat einen sehr starken Inlandsmarkt für
Photovoltaik geschaffen. Dadurch entstand eine Industrie, die heute im
Weltvergleich ganz vorne steht.
Wäre es nicht an der Zeit, die Vergütung deutlich zu reduzieren?
In den vergangenen sechs Jahren ist Deutschland aufgrund dieser klugen
politischen Konstruktion zum Marktführer in der Solarstromtechnik
aufgestiegen. Die Gesetzeslage schuf zigtausend Arbeitsplätze in einer
jungen, von Innovation getriebenen Industrie, vor allem in den
strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands sowie im Handwerk. Solartechnik
ist die Technik, die in den nächsten Jahrzehnten weltweit die wichtigste
Rolle spielen wird. Wenn man jetzt die Vergütung pro Kilowattstunde zu stark
reduziert, ist die Dynamik dieser Entwicklung gefährdet. Dann könnte die
Nachfrage in Deutschland zusammenbrechen, und die Industrie würde schnell
ihren wichtigsten Absatzmarkt verlieren.
Kritiker befürchten, dass die Vergütung auf Dauer nicht zu finanzieren ist.
Welche Kosten kommen auf die Verbraucher zu?
Strom aus erneuerbaren Energien bekommt eine gesetzlich verbriefte
Vergütung, wenn er in die öffentlichen Versorgungsnetze eingespeist wird.
Schon heute wird der finanzielle Anreiz dafür jedes Jahr um fünf Prozent
reduziert. Das heißt, die Industrie muss schon jetzt die Kosten drücken. Was
sie durch ihre Investitionen auch tatsächlich erreicht. Da die
Einspeisevergütung auf alle Haushalte gleichermaßen umgelegt wird, verteilen
sich die Kosten. Derzeit sind es weniger als ein Euro im Monat pro Haushalt.
Gesetzt den Fall, die erneuerbaren Energien wachsen weiter, könnten bis 2030
zwischen 50 und 80 Milliarden Euro zusammenkommen, aufsummiert und die
Inflation eingerechnet.
Das klingt sehr viel...
Vor dieser Zahl erschrecken viele Leute, aber man muss natürlich dagegen
setzen, wie viel Geld man in dieser Zeit für Strom aus fossilen Quellen
ausgeben müsste. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir heute 20 Cent
pro Kilowattstunde hinblättern müssen, für Strom aus Kohlekraftwerken,
Gasturbinen oder Atomkraftwerken? Nehmen wir eine moderate Preissteigerung
an, werden es in zehn Jahren mindestens 30 Cent sein. Dann wird Solarstrom
aber nur 25 Cent kosten.
Welches Fördermodell bevorzugen Sie für die Zukunft?
Wenn das deutsche Modell so weiter läuft wie bisher, erwarten wir in acht
Jahren, dass Solarstrom billiger sein wird als Strom aus fossilen
Kraftwerken. Dieser Zeitraum verkürzt sich, wenn wir den Ausbau der
erneuerbaren Energien beschleunigen, statt darüber zu debattieren, wie wir
ihn behindern können. Ein Blick nach Osten sollte genügen: Japan hat vor
drei Jahren seine Solarförderung eingestellt, seitdem stagniert dort die
Branche. Das früher führende Land fiel zurück, wurde von Deutschland
überholt. Ich wünsche mir, dass wir diese historische Chance nutzen.
Das vollständige Interview erschien am 27. April in der Sonderbeilage
Sonnenstrom im Berliner Tagesspiegel.
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