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Anti-Gentech-Aktionen: Raeumung und weitere Feldbesetzungen / Emnid-Umfrage verknuepft Gentechnik und Hunger

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http://www.taz.de/digitaz/2008/04/26/a0143.nf/text

Gemischte Bilanz für Gentech-Gegner

Polizei räumt besetztes Feld in Karlsruhe. Andere Protestaktionen gehen weiter

BERLIN taz Die Gentechnik-Gegner setzen ihre Aktionen deutschlandweit fort. In Hessen startete am Freitag eine neue Feldbesetzung, in Niedersachsen dauert eine seit zwei Wochen an. Nur einen Tag campten Aktivisten auf einem Karlsruher Acker. Am Freitag erzwangen Polizisten die Räumung.

Dort hatten rund 20 Personen seit Donnerstag gezeltet, um die Aussaat von Genmais durch eine Forschungseinrichtung des Landes Baden-Württemberg zu verhindern. Am Freitagnachmittag aber überrumpelten rund 40 Polizisten die Aktivisten und zwangen sie zum Abzug. "Wir sind sehr enttäuscht", sagte ein Sprecher der Gruppe zur taz.

Mehr Glück hatten bislang Feldbesetzer im hessischen Groß-Gerau. Ihre Aktion richtet sich gegen einen Versuch der Universität Gießen. "Wenn wir die Pflanzung hier verhindern, haben wir in Hessen gewonnen", sagte ein Aktivist. Nachdem die Uni nach erheblichen Widerständen auf drei andere Versuche verzichtet hatte, sei dies der letzte im Land.

In Niedersachsen halten rund 20 Personen weiterhin ein Feld bei Northeim besetzt. Ein weiteres beobachten Aktivisten im Biosphärenreservat Elbtalaue, wo ein Bauer gentechnisch veränderten Mais säen will.

Die Bilanz der Anti-Gentech-Aktionen ist also gemischt. Auch weil die Behörden inzwischen neue Genmaisversuche in mehreren Ländern erlaubten. In einer Emnid-Umfrage sagten 56 Prozent der Befragten außerdem, sie würden gentechnisch veränderte Nahrung essen, wenn so die Hungerkatastrophe in der Dritten Welt abgeschwächt würde. Auf Aktivisten wartet ein großes Feld: das der Überzeugungsarbeit. CHRISTIAN SIEPMANN


http://www.taz.de/digitaz/2008/04/30/a0114.nf/text

Fragwürdige Umfrage

Dass in den neuen Bundesländern wieder Genmaisanbau genehmigt, wird liegt zum einen an der Industriehörigkeit unserer Politiker. Nachdem BASF einen Kooperationsvertrag mit Monsanto geschlossen hat, fällt es noch schwerer, gegen die großen Gentechnikkonzerne standhaft zu bleiben. Außerdem gibt es dort überwiegend industrielle Landwirtschaft, die natürlich prädestiniert für Genanbau ist, möglichst große Maschinen, riesige Monokulturen, möglichst wenig Arbeitsplätze. Bisher hielt ich Emnid für ein seriöses Institut, aber die Frage: "Würden Sie gentechnisch veränderte Lebensmittel essen, wenn damit das Hungerproblem abgeschwächt würde?" spricht eindeutig dagegen.

Diese Fragestellung ist abseits jeglicher Realität. Vor wenigen Tagen erklärte der Weltagrarrat, dass der Hunger nur mit einer Umstellung auf bäuerliche Landwirtschaft ohne Gentechnik zu bekämpfen sei, und Hans Kast, der Geschäftsführer von BASF Plant Science, erklärt, dass sich das Welthungerproblem nicht mit der Gentechnik lösen lasse. Diese fragwürdige Umfrage (in wessen Auftrag?) hat nur ein Ziel: den Widerstand von 80 Prozent unserer Bevölkerung gegen gentechnische Lebensmittel zu brechen und, zum Schaden unserer Bauern und von uns allen, endlich den großen Reibach machen zu können, egal mit welch faulen Argumenten. LOTHAR ROSS, Aichtal


http://www.neuepresse.de/newsroom/wissen/zentral/wissen/art1021,578457

Hannoversche Neue Presse - 23.04.2008

Akzeptanz von Gentechnik wächst wegen Nahrungsmittelkrise

Wegen der globalen Nahrungsmittelkrise sinkt die Ablehnung der Deutschen gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. Mehr als die Hälfte der Bürger sind laut einer Umfrage bereit, zur Vermeidung einer Hungersnot genmanipulierte Nahrung zu essen.

Angesichts der weltweiten Nahrungsmittelkrise sinkt einer Umfrage zufolge die Ablehnung der Deutschen gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. In einer von der Zeitschrift "Vanity Fair" veröffentlichten Emnid-Befragung sagten 56 Prozent der Teilnehmer, sie würden genmanipulierte Nahrung essen, wenn so die Hungerkatastrophe abgeschwächt würde. 13 Prozent würden demnach sofort genveränderte Lebensmittel essen, 43 Prozent "mit Bedenken". 42 Prozent der Befragten lehnten den Verzehr genmanipulierter Nahrungsmittel nach wie vor ab.

Frauen stehen gentechnisch veränderten Lebensmitteln der Umfrage zufolge ablehnender gegenüber als Männer: Danach hat weniger als jede zehnte Frau, aber fast jeder fünfte Mann keinerlei Bedenken, Genfood zu essen. Auch das Alter spielt für die Akzeptanz eine große Rolle: Von den 14- bis 49-Jährigen sagten 67 Prozent, sie würden genveränderte Lebensmittel essen, sollte dies im Kampf gegen die Nahrungsmittelkrise helfen. Befragt wurden Ende vergangener Woche tausend Deutsche.


Kommentar: "Emnid, 'Vanity Fair' und die Biotechnologie - Über Amokläufer in der Debatte um die globale Nahrungsmittelkrise" von Marc Scheloske (24.04.2008) http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/24/emnid

30.04.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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