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Rettet den Regenwald e. V.
Klaus Schenck
Friedhofsweg 28
22337 Hamburg
0176 48859972 oder 040 4103804
klaus ät regenwald.org
info ät regenwald.org
www.regenwald.org
Pressemitteilung
Über 200 Organisationen aus dem Norden und Süden verurteilen den Runden
Tisch für Verantwortliche Soja (Roundtable for Responsible Soy) als faulen
Ettikettenschwindel.
Am 23. April beginnt in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires die
Dritte Konferenz des Runden Tischs für Verantwortliche Soja (Third
Roundtable for Responsible Soy Conference). Über 200 Organisationen aus dem
Norden und Süden warnen in ihrer Erklärung gegen den Runden Tisch für
Verantwortliche Soja, dass "die Agroindustrie und - handel verantwortlich
sind für die Zerstörung der Ackerböden, Waldrodung, Verseuchung von Flüssen
und Grundwasser, Verlust an Biodiversität und die Plünderung des natürlichen
sowie kulturellen Erbes der lokalen Bevölkerung.
Die Erklärung hebt hervor, dass die Soja-Industrie in jeder Beziehung nicht
nachhaltig ist, und warnt, dass jede Art der Zertifizierung von
"nachhaltiger Soja" nicht anderes ist als ein fauler Ettikettenschwindel.
Auch andere Koalitionen von NROs wie die Global Forest Coalition und Friends
of the Earth haben den Prozess des Runden Tischs für Verantwortliche Soja
abgelehnt.
Klaus Schenck von Rettet den Regenwald warnt: "Über den Runden Tisch für
Verantwortliche Soja soll ein angeblich "nachhaltiger" Soja-Anbau
zertifiziert werden, um die weitere Ausbreitung der Soja-Monokulturen
einschliesslich für die Produktion von Agrodiesel politisch zu rechtfertigen
sowie die Importe dieser Produkte nach Deutschland und Europa weiter zu
ermöglichen. Die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) benutzen
derartige Runde Tische dazu, um ihre Bestrebungen durchzusetzen, die
Produktion von Agrokraftstoffen weiter auszubauen und damit verbunden die
weiterhin stark steigende europäische Nachfrage nach Soja zu legitimieren."
"Die geplante Zertifizierung von Soja ändert nichts an der Tatsache, dass in
der Praxis der agroindustrielle Anbau dieser Kultur in keiner Weise
nachhaltig möglich ist, weder unter ökologischen noch sozialen Kriterien,"
so Klaus Schenck. "99% des in Argentinien und Paraguay angebauten Sojas ist
überdies Gensoja (Roundup Ready Soja von Monsanto), der für Mensch und Natur
nicht abzuschätzende gesundheitliche und ökologische Risiken birgt.
Stattdessen sollten Deutschland und die EU unverzüglich eine Politik auf den
Weg bringen, die die Importe von Soja zur Tierfütterung und Herstellung von
Agrokraftstoffen drastisch reduziert sowie ein generelles Moratorium für
Agrokraftstoffe erklären. Wir fordern alle NROs auf, die noch am Runden
Tisch für Verantwortliche Soja teilnehmen, diesen unverzüglich zu
verlassen."
Der Tagungsort Buenos Aires wird seit Tagen durch dichten Rauch von zirka
300 Buschfeuern paralysiert, die mit der Ausweitung der Soja-Kulturen in
Verbindung gebracht werden. Der argentinische Innenminister bestätigte, dass
die meisten Feuer eine Folge der hohen Soja-Preise sind. Die Viehzüchter,
die in der Nähe von Buenos Aires Buschland abbrennen, wurden durch den
Sojanabau von ihrem traditionellen Weideland verdrängt und schaffen nun neue
Weideflächen.
Die Feuer in Argentinien sind die Fortsetzung der schlimmsten Brände in der
Geschichte Paraguays, dass vor einem halben Jahr ebenfalls von einer
Feuerkatastrophe heimgesucht wurde, die mit der Ausweitung der
Soja-Monokulturen in Verbindung gebracht wurde. Damals hatten sich die Feuer
bis ins nördliche Argentinien, Bolivien und Südbrasilien ausgedehnt. Auch
die brasilianische Regierung hat zu Beginn des Jahres bestätigt, dass die
dramatische Zunahme der Regenwaldrodung und Waldbrände im Amazonasgebiet in
Verbindung steht mit den hohen Sojapreisen.
Jorge Rulli von der argentinischen Gruppe Reflexion Rural erklärt: "Der
Rauch erstickt Buenos Aires und schafft das Gefühl einer Apokalypse, ein
angemessenes Szenarium für die Eröffnung des Runden Tischs für
Verantwortliche Soja. Bei einem Sojabohnennpreis von 500 USD pro Tonne wirkt
die Ölsaat wie ein Bulldozer, der alles in seinem Weg stehende zerstört:
Gebiete von hohem Wert, die für den Tourismus, die traditionelle Viehzucht
und Bienenhaltung geschützt wurden. Alles wird niedergebrannt in dem grossen
Feuer, dass die neuen Güter für den globalen Markt entzündet haben. Der
Rauch zeigt Buenos Aires wieder einmal, dass die Soja-Monokulturen
verantwortlich sind für Tod und Zerstörung."
In Paraguay werden jedes Jahr etwa 9.000 Bauernhaushalte vom industriellen
Sojaanbau verdrängt und in Argentinien haben zirka 200.000 Bauernfamilien
aus den gleichen Gründen ihr Land verloren, wobei viele von ihnen gewaltsam
vertrieben wurden. Die massive Erweiterung der Sojamonokulturen auf Kosten
traditioneller landwirtschaftlicher Kulturen und natürlicher Ökosysteme sind
ein wichtiger Faktor für die weltweit stark gestiegenen Kosten für
Grundnahrungsmittel und den Verlust der Ernährungssicherheit. Weiterhin
verursachen der exzessive Einsatz von Pestiziden schwere Gesundheitsprobleme
bis hin zum Tod, Zerstörung der Biodiversität, hohe Klimagasemissionen und
die Vergiftung des Wassers. Durch die Erosion, Degradation der Böden und
Erschöpfung der Grundwasservorräte besteht die Gefahr, dass eines der
fruchtbarsten Anbaugebiete der Welt sich in eine Wüste verwandelt.
- Kontaktinformationen
-
Rettet den Regenwald e.V., Klaus Schenck, klaus@regenwald.org, Tel. 0176
48859972 oder 040 4103 804
Argentinien: Jorge Rulli, rtierra ät infovia.com.ar,
Tel. +54 220 4773 545
Paraguay: Javiera Rulli, javierarulli ät yahoo.com, Tel. +59521 451217
- Anmerkungen
-
- Eine Kopie der Erklärung gegen den Runden Tisch für Verantwortliche Soja
und eine Liste der unterzeichnenden Organisationen befindet sich unter:
http://www.lasojamata.org/node/110 .
- Die Konferenz des Runden Tisch für Verantwortliche Soja hat den Titel:
Verantwortliche Soja, Nahrung, Futter und Kraftstoff für die Welt der
Zukunft "Mitglieder sind die Soja-Agroindustrie, Agrokraftstoff und
Erdölfirmen, Finanzinstitutionen und eine kleine Gruppe ökonomischer NROs
wie WWF und Conservation International. Weitere Informatione unter
http://www.responsiblesoy.org/ .
- Ein Satellitenfoto von den Buschfeuern in Argentinien vom 18. April 2008
befindet sich unter:
http://earthobservatory.nasa.gov/NaturalHazards/natural_hazards_v2.php3?img_
id=14789&src=map .
- Eine Kopie der Pressemitteilung der Global Forest Coalition zum Runden
Tisch für Verantwortliche Soja findet sich unter:
http://www.globaljusticeecology.org/connections.php?ID=109 .
- Für weitere Information über die Auswirkungen der Sojamonokulturen:
www.lasojamata.org/ .
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