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Trinkwasser-Tourismus für Spanien WWF: Große Besorgnis über die
Ursachen des akuten Wasserproblems im Mittelmeerraum
Frankfurt (ots) - +++
Ansprechpartnerin für Interviews und weitere
Hintergrundinformationen: Dorothea August, WWF-Fachbereich Süßwasser,
mobil: 0162/29144-46
Eine Studie des WWF zum Thema finden Sie unter
http://www.wwf.de/presse/details/news/chronische_duerre_am_mittelmeer
/
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de/themen/suesswasser/wasserknappheit/
Aktuelle Nachrichten über die Lage in Spanien erhalten Sie hier: h
ttp://www.spanienaktuell.com/searchresults.php?currentPage=0&phrase=t
rockenheit
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Verkehrte Welt: Um die aktuelle Wasserkrise in Spanien in den
Griff zu bekommen, beabsichtigen die spanischen Behörden, riesige
Trinkwasservorräte per Schiff, Tanklaster, Bahn oder durch neue
Leitungen aus anderen EU-Staaten in besonders stark betroffene
Regionen zu transportieren. Allein der bislang geplante
Schiffstransport und der dafür erforderliche Hafenausbau in Barcelona
sollen etwa 74 Millionen Euro verschlingen. Geld, das nach Ansicht
der WWF-Süßwasserexpertin Dorothea August sinnvoller in eine
effizientere Wassernutzung und in eine verbesserte Landwirtschaft
investiert werden sollte.
"Der geplante Trinkwasser-Tourismus für Spanien ist so absurd,
dass ich zunächst an einen Schildbürgerstreich dachte. Aber
offensichtlich bevorzugen die Behörden einen wenig aussichtsreichen
Feuerwehreinsatz, anstatt sich endlich über langfristige und vor
allem billigere Alternativen den Kopf zu zerbrechen", so Dorothea
August. Das aktuelle Krisenszenario in Spanien gehört ihrer Meinung
nach zu einer langen Reihe von Umweltkatastrophen im gesamten
Mittelmeerraum, die mittlerweile jedes Jahr in Form von chronischen
Dürren und verheerenden Feuersbrünsten spürbar werden und ganze
Landstriche verwüsten.
Dorothea August warnt davor, die extreme Trockenheit in den
Mittelmeerstaaten als natürliches Phänomen einer wasserarmen Region
zu verharmlosen. Sie macht vor allem den globalisierten und
industrialisierten Agrarsektor verantwortlich: "In den
Mittelmeerländern werden 80 Prozent des Wassers durch die
Landwirtschaft verbraucht. Das Wasser wird beim Anbau von Erdbeeren,
Trauben, Oliven oder Tomaten in der Regel sehr ineffizient genutzt.
Es versickert in uralten und maroden Rohrleitungen oder wird sogar in
riesigen Mengen aus illegalen Brunnen abgezapft, ohne dass für die
kostbare Ressource bezahlt wird." Allein in Spanien werde ein
Sechstel der Flächen mit gestohlenem Wasser aus etwa einer halben
Million illegaler Brunnen versorgt - in der Regel ohne dass die
Behörden durch Geldbußen oder andere Sanktionsmaßnahmen einschreiten.
Nur wenn in der Landwirtschaft massiv umgelenkt werde, sei der Kampf
ums Wasser noch zu gewinnen, behauptet die WWF-Expertin.
Auch das derzeit viel beschworene Allheilmittel der
Entsalzungsanlagen sei keine Patentlösung für die Mittelmeerregion.
Derzeit sind weltweit rund 10.000 solcher Anlagen in Betrieb. Auch
das Sorgenkind Spanien, mit 950 Entsalzungsanlagen einer der
Vorreiter auf diesem Gebiet, versucht die nahezu unerschöpflichen
Wasserressourcen der Meere als Trinkwasser zu nutzen. Dorothea
August: "Mit den Entsalzungsanlagen wachsen die Umweltprobleme nur
noch mehr in den Himmel: Große Anlagen verbrauchen soviel Energie,
dass man ein eigenes Kraftwerk daneben stellen muss. Dadurch werden
der CO2-Ausstoß, der Klimawandel und letztlich zunehmende Dürren nur
noch weiter angekurbelt."
Immerhin versucht das katalonische Umweltministerium derzeit, den
Wasserkonsum der Bevölkerung und in öffentlichen Einrichtungen durch
strenge Auflagen weitgehend einzuschränken. Ob diese Bemühungen noch
rechtzeitig greifen, wird sich vor allem in den Hitzemonaten ab Juni
zeigen, wenn die Touristen die Region in Beschlag nehmen. Dorothea
August appelliert an die Mittelmeerbesucher: "Jeder von uns kann
etwas tun, indem er unnötiges Wäschewaschen oder übertriebene
Körperhygiene vermeidet und vor allem auf ein sehr beliebtes
Urlaubsvergnügen verzichtet: das Golfspielen. Denn ein Golfplatz
alleine verschlingt soviel Wasser wie eine ganze Kleinstadt."
Originaltext: WWF World Wide Fund For Nature
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