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10. 4. 2008
Eine Meldung in der taz, ganz klein und versteckt auf Seite 7: "Fliegen ist
noch schädlicher als angenommen".[*] Na ja, wer hat denn was angenommen? Es
kann ja sein, dass heute mehr Leute als vor einem Jahr wissen, wie schädlich
Fliegen für die Atmosphäre ist. Fliegen und Autofahren werden dem Planeten
den Rest geben.
Aber das hat keinen Einfluss auf das Verhalten meiner deutschen Mitbewohner.
Im Jahr 2007 wurde noch mehr geflogen als im Jahr 2006. Und Flugbenzin wird
immer noch nicht versteuert. In München und Frankfurt werden noch weitere
Start- und Landebahnen gebaut. Und für 29 Euro kann man nach Malle fliegen.
Spitze!
Der Medienhype um den Klimawandel, Nobelpreis für Al Gore, Dauerwerbung für
Hybridautos - und herausgekommen ist nichts, nada, niente. In Deutschland
wurden noch mehr Autos verkauft, noch mehr Spritschlucker gebaut von
Porsche, Audi, Mercedes, BMW, Volkswagen und wie die mächtig Herrschenden
heißen, an deren Marionettenfäden noch jede Regierung in diesem Land
zappelte. Es gibt immer noch keine bundesweite Geschwindigkeitsbegrenzung
für Pkw, keine Rußfilter für Lkw. Und es gibt keine ernsthaften Versuche,
den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlegen, im Gegenteil,
nach allen Prognosen wird sich der Lkw-Verkehr in den nächsten Jahren
verdoppeln. Es gibt nirgends auch nur den Hauch eines Ansatzes, endgültig
den Bau neuer Straßen zu beenden und das Schienennetz zumindest auf den
Stand der späten fünfziger Jahre zurückzubringen. Damals war noch jeder
Winkel des Landes mit der Bahn zu erreichen, kleine und große Pakete und
Güter wurden als Expressgut befördert, und damit waren tausende Fahrten mit
Kleintransportern überflüssig. Und im Zugabteil konnte man die Fenster
aufmachen und die Landschaft riechen.
Um an immer mehr Leute immer mehr Autos verkaufen zu können, wurden nach und
nach alle Nebenstrecken stillgelegt, so dass heute jeder, der nicht in
Großstädten lebt, zum Autobesitz gezwungen wird. Gleichzeitig werden die
Nahverkehrspreise ständig erhöht (in München immer dann, wenn keine
Kommunalwahlen anstehen oder sie gerade vorbei sind). Auch Bahnfahren wird
immer teurer, um mit (vier) Milliarden Gewinn protzen und das ganze
Volkseigentum lukrativ an der Börse verscherbeln zu können.
Dabei gibt es nur ein Verkehrsmittel, das tatsächlich den entscheidenden
Unterschied beim Kampf gegen die Klimaerwärmung macht: Die Bahn. Mit einem
optimalen Schienennetz würden Inlandsflüge überflüssig und ländliche
Gegenden wieder vom Auto unabhängig. Und ein großer Anteil des Güterverkehrs
könnte zurück auf die Schiene gebracht werden.
Will das denn keiner? Doch, das wollen sogar viele Leute. Nur nicht die
Vorstände der großen Logistik- und Autokonzerne, nicht Frau Merkel, nicht
Herr Beck, keiner der abgehobenen Angehörigen der politischen Klasse,
keiner, der einen steuerlich bevorzugten Dienstwagen fährt, keiner, der die
Macht hat, die Weichen so zu stellen, dass der Planet nicht ruiniert wird.
Keiner. Und auch Al Gore macht lieber Werbung für Autos mit Hybridmotor als
für den Ausbau des Schienennetzes in seinem Heimatland.
Nicht mal ein Tempolimit kriegen sie hin in Deutschland, damit die
BMW-Audi-Mercedes-Volkswagen-Porsche-Gang, die größte kriminelle Vereinigung
in Deutschland, endlich gezwungen würde, andere Autos mit geringerem
Spritverbrauch zu bauen statt ihrer SUV-Wahnsinnskisten (das ist die
Abkürzung für Saumäßige Umwelt-Verseuchung). Den Zwang zum Auto abschaffen -
nee, das wollen sie eh nicht inna Bärliner Koalition. Ham ja alle
Dienstwagen und Chauffeur und Freifahrt Erster Klasse, und selbst die Ökos
finden Fliegen schöner.
Ich hab schon oft gemerkt: Die Leute verstehen überhaupt nicht, wovon du
redest. Ein Auto? Aber ey, das braucht doch jeder, Rezzo Schlauch sogar
einen Porsche. Es ist die erfolgreichste Gehirnwäsche aller Zeiten, vom
Nationalismus, vom Atomstrom und von den Eisbären Knut und Flocke mal
abgesehen.
So it goes.
Bis später!
Eine Welt. Ein Traum.
Hans Pfitzinger
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[*] Fliegen ist noch schädlicher
BERLIN dpa/rtr Der Flugverkehr ist laut einer Studie schädlicher als
angenommen. Schon in fünf Jahren würden seine Auswirkungen auf das Klima
größer sein als die des Pkw-Verkehrs, so die Studie[1] des Bunds für Umwelt
und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Wuppertal Instituts für Klima,
Umwelt und Energie. Bereits heute seien die Flugzeugemissionen für rund 8
Prozent der deutschen Klimabelastung verantwortlich. Die Bundesregierung
unterschätze das, weil sie bislang nur den Ausstoß von Kohlendioxid und
nicht die Emissionen von Wasserdampf und Stickoxid berücksichtige.
[1] http://kurzlink.de/luftverkehrsstudie
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