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Arzneimittelrückstände: Belastungen der Umwelt wirksam verringern
Osnabrück (ots) -
Internationale Experten berieten in DBU, wie Pharmazie nachhaltig
gestaltet werden kann
Für die Lösung des Problems ist eine integrierte Strategie
notwendig, die eine nachhaltige Arzneimittelentwicklung, den
umweltbewussteren Einsatz der Medikamente durch Ärzte, Apotheker und
Patienten sowie eine weiter optimierte Abwasserbehandlung
zusammenschließt. - Dieses Fazit zogen heute am Ende einer
internationalen Tagung Prof. Dr. Klaus Kümmerer, Universitätsklinik
Freiburg, Dr. Florian Keil, Institut für sozial-ökologische Forschung
(ISOE) Frankfurt, und Dr. Hans-Christian Schaefer von der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt (DBU). Unter dem Titel "Nachhaltige Pharmazie"
hatten über 50 Experten in der DBU darüber beraten, was zu tun sei,
um Tonnen von Arzneimittelwirkstoffen aus Gewässern fernzuhalten und
dort lebende Organismen und damit die Umwelt vor Schädigungen zu
bewahren. Denn die Stoffe würden, so die Experten, im menschlichen
Körper nicht komplett abgebaut und seien so stabil, dass ihnen nach
dem Ausscheiden auch moderne Kläranlagen oft nichts anhaben könnten.
Vor Experten aus Forschung und Industrie sowie Vertreter der
Behörden, der Wasserwirtschaft, der Medizin und der Umweltforschung
betonte Kümmerer, dass Arzneimittel zwar wichtig für die Gesundheit
und das Wohlergehen der Menschen seien. Nur müsse auch darüber
nachgedacht werden, wie ihr Umweltauswirkungen verringert werden
könnten: "Will man Pharmazie nachhaltiger machen, muss man den
gesamten Lebenszyklus von Arzneimitteln betrachten: von der
Entwicklung über die Produktion und die Anwendung bis zur
Entsorgung".
Wenn beispielsweise die Umwelteigenschaften der Wirkstoffe schon
bei ihrer Entwicklung stärker berücksichtigt würden, könnten
umweltfreundlichere Varianten bevorzugt werden. Wesentliche
Fortschritte bei der Verbesserung der Umwelteigenschaften könnten in
Zukunft computerbasierte Methoden zur gezielten Entwicklung von
Wirkstoffteilchen liefern. Auch könnten durch das Entwickeln von
Pharmaka, die zielgenauer im kranken Organismus wirkten, Dosen
verringert und so das Potenzial für Umweltentlastungen erhöht werden.
Ein weiterer möglicher Ansatzpunkt, Pharmazie nachhaltiger zu
machen, sei eine Einteilung von Arzneimitteln nach Umweltwirkung.
Keil: "Eine solche allgemein verfügbare Umweltklassifikation
ermöglicht es Ärzten in Schweden bereits heute, umweltfreundliche
Medikamente bevorzugt zu verschreiben." Damit eine solche Liste auch
angenommen werde, müsse das Bewusstsein von Ärzten und Apothekern für
die Problematik besonders geschärft werden.
Auch wenn wesentliche Erfolge in diesen Feldern erzielt werden
könnten, bleibe eine verbesserte Abwasserbehandlung unverzichtbar, so
die Experten. Es müsse über nachhaltige Sanitärkonzepte nachgedacht
werden, die darauf setzten, die verschiedenen Abwasserarten am Ort
ihrer Entstehung getrennt zu erfassen, um so eine wirkungsvollere
Reinigung zu ermöglichen. Diese bereits weit entwickelten Konzepte
könnten z.B. in Neubaugebieten und in Krankenhäusern eingesetzt
werden. Zudem müssten auch stärker zusätzliche Maßnahmen bei der
Abwasserreinigung in den kommunalen Kläranlagen in Betracht gezogen
werden.
Wenn das alles nicht helfe, müsse notfalls auch über
gesetzgeberische Maßnahmen nachgedacht werden. Diskutiert wurde die
Schaffung von Anreizsystemen, die die Entwicklung nachhaltiger
Arzneimittel antreiben könnten. Insgesamt sei aber die Gesellschaft
als Ganzes gefragt. DBU-Experte Schaefer: "Jeder von uns kann einen
Beitrag leisten. Wir als Patienten sollten immer auch die oft
bestehenden Alternativen zur medikamentösen Behandlung von
Beschwerden prüfen. Und natürlich: Abgelaufene oder alte Arzneimittel
gehören nicht in die Toilette, sondern in den Hausmüll, am Besten
zurück in die Apotheke!"
Originaltext: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
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am Universitätsklinikum Freiburg,
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